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Hiob fühlt sich von Gott verfolgt. Er hat alles verloren. Kinder, Besitz, Gesundheit. Nichts ist ihm geblieben. Er klagt und sagt Gott, dass er unschuldig ist und dass ihn all dieses Unheil als Unschuldigen trifft. Alle Bitterkeit und alle Sinnlosigkeit, alle Fragen und alle Wut bringt er ins Gebet, hier im 10. Kapitel. Später im Hiobbuch wird Gott ihm Antwort geben und auch neues Leben (vgl. Kap. 42). Hier noch nicht.

Leon Bonnat (1833-1822) Hiob

Hiob 10

Es ekelt mich vor meinem Leben. Ich will meinen Kummer von mir lassen, will reden in der Bitterkeit meiner Seele. Ich sage zu Gott: Verdamme mich nicht! Lass mich wissen, warum du mich vor Gericht ziehst! Ist das gut für dich, dass du Unterdrückung übst, dass du die Arbeit deiner Hände verwirfst und dein Licht über dem Rat der Gottlosen leuchten lässt? Hast du Menschenaugen, oder siehst du, wie ein Mensch sieht? Sind deine Tage wie die Tage eines Menschen oder deine Jahre wie die Tage eines Mannes, dass du nach meiner Schuld suchst und nach meiner Sünde forschst, obwohl du weißt, dass ich nicht schuldig bin, und niemand da ist, der aus deiner Hand retten kann? Deine Hände haben mich ganz gebildet und gestaltet um und um, und nun verschlingst du mich! Bedenke doch, dass du mich wie Ton gestaltet hast! Und jetzt willst du mich zum Staub zurückkehren lassen! Hast du mich nicht hingegossen wie Milch und wie Käse mich gerinnen lassen? Mit Haut und Fleisch hast du mich bekleidet und mit Knochen und Sehnen mich durchflochten. Leben und Gnade hast du mir gewährt, und deine Obhut bewahrte meinen Geist. Doch dies verbargst du in deinem Herzen, ich habe erkannt, dass du dies im Sinn hattest: Wenn ich sündigte, so würdest du mich beobachten und mich nicht von meiner Schuld freisprechen. Wenn ich schuldig wäre - wehe mir! Und wäre ich im Recht, dürfte ich mein Haupt doch nicht erheben, gesättigt mit Schande und getränkt mit Elend. Und richtete es sich auf, wie ein Löwe würdest du mich jagen und dich wieder als wunderbar an mir erweisen. Du würdest neue Zeugen gegen mich aufstellen1 und deinen Zorn über mich vergrößern. Ein ständig sich ablösendes Heer kämpft gegen mich. Warum hast du mich aus dem Mutterleib hervorgezogen? Wäre ich doch umgekommen, so hätte mich kein Auge gesehen! Als wenn ich nie gewesen, so wäre ich dann; vom Mutterschoß wäre ich zu Grabe geleitet worden! Sind meine Tage nicht nur noch wenige? Er lasse doch ab, wende sich von mir, dass ich ein wenig fröhlich werde, ehe ich hingehe - und nicht wiederkomme - in das Land der Finsternis und des Todesschattens, in das Land, schwarz wie die Dunkelheit, das Land der Finsternis - da ist keine Ordnung -, und selbst das Hellwerden ist dort wie Dunkelheit!
(Eberfelder Übersetzung).

Seitwert
Meditationsraum Embach
© Foto:Herzi Pinki - CC BY-SA 3.0 AT


Gefühle und Gebet

Irgendwie spüre ich nicht mehr die Gegenwart Gottes. Es ist da ist etwas wie eine Wand. Das ist seit einiger Zeit so. Wie bei einem Ehepaar, das sich nichts mehr zu sagen hat. So geht es mir im Gebet: Wir haben uns nichts mehr zu sagen. Ich bin irgendwie enttäuscht. Es gab Zeiten, da war es ganz anders. Da habe ich Gottes Gegenwart gespürt und war froh und begeistert. Aber jetzt ist es seit einer Weile wie gelähmt. Es geht nichts mehr. Es ist langweilig und leer.

Geh doch mal ein Stück zurück. Wann fing diese Leere und Langeweile an? Weißt du das noch?

Das ist jetzt schon fast ein Jahr so. Eigentlich seit dem Tod meiner Mutter. Sie hatte einen schweren Unfall und hat sich davon nicht erholen können. Sie lag fast drei Monate im künstlichen Koma und ist dann gestorben. Sie ist keine siebzig geworden. Das ist heute gar kein Alter und es ging so schnell. So richtig Abschied konnte ich gar nicht nehmen. Sie war ja nicht mehr ansprechbar. Und es wäre noch so viel zu erzählen gewesen. So vieles möchte ich eigentlich noch wissen, aber das geht gar nicht mehr.

Ja, das ist wirklich schlimm!

Schlimm. Schlimm ist gar kein Ausdruck. Es ist furchtbar. Es ist grausam und schrecklich. Es macht mich heute noch richtig wütend, wenn ich daran denke. Ich weiß überhaupt nicht, was das sollte und warum das ihr und uns passiert ist. So ein blöder, so ein idiotischer Unfall. Nur die Treppe runter, aber so schwer am Kopf verletzt, dass es eben nicht mehr ging trotz aller Versuche und Bemühungen. Und wenn sie nochmal gesund geworden wäre, wäre sie querschnittsgelähmt gewesen. Und wo war da Gott? Wo war da Gott?

Hast du Ihn das auch gefragt?

Nein, ich konnte erstmal gar nicht beten. Ich war viel zu wütend und zu traurig.

Du meinst, wenn man wütend und traurig ist, kann man nicht beten?

Ich kann doch nicht mit dieser Wut ins Gebet gehen. Das geht nicht. Da muss sich die Wut erst mal beruhigt haben. Denn als gläubiger Mensch darf ich doch nicht wütend auf Gott sein. Wenn ich ein guter Christ wäre und richtig gläubig, dann würde ich sehen und glauben, dass alles gut ist, auch mit dem Tod meiner Mutter. Dann würde ich mir sagen, dass sie ja selbst gar nicht so gelitten hat. Dass es doch noch eine Erlösung war, dass sie gestorben ist, wenn sie nachher sowieso querschnittsgelähmt gewesen wäre. Dass sie es ja jetzt bei Gott gut hat. Besser als jemals und dass ich gefälligst dafür dankbar sein sollte. Ja, aber ich bin eben nicht so ein guter Christ. Ich bin nicht dankbar. Ich bin wütend und traurig. Auch jetzt, wo ich es dir erzähle.

Und das darf ich Gott nicht zumuten? Das darf ich Gott nicht sagen? Dass ich traurig bin. Dass ich das sinnlos und schrecklich finde? Und dass ich wütend bin - das darf ich ihm nicht mal so richtig mit Wucht vor die Füße schmeißen?

Die Trauer vielleicht ja, aber meine Wut? Nein, auf Gott darf man nicht wütend sein. Das darf man einfach nicht. Es ist mir ja schon peinlich, wenn ich jetzt wütend bin. Aber sie kommt eben einfach hoch, wenn ich daran denke und es dir erzähle.

Was du mir sagen und erzählen und zumuten kannst, das darfst du schon lange und erst recht Gott zumuten und sagen. Die Wand entsteht zwischen dir und Gott, wenn du nicht mehr dein reales Leben und deine wirklichen Gefühle mit ihm teilst. Mute ihm alles zu, was du bist und empfindest. Es wird dir helfen. Er wird dir helfen. Und die Wand wird sich auflösen.

Soweit das Gespräch.

Liebe Leserin, lieber Leser, bitte muten Sie Ihr ganzes Leben und alle Ihre Gefühle Gott zu. Er verträgt es. Er trägt es. Machen Sie es wie die Beter und Beterinnen in den Psalmen oder wie Hiob. Sie bringen alles, alles vor Gott und erfahren Hilfe.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

11. November 2015

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