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Das Mathäusevangelium im 6. Kapitel bietet eine kleine Gebeteslehre aus dem Munde Jesu und auch da steht auch das wichtigste Gebet der Christen, das alle beten und das uns alle eint, das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat, nämlich das Vaterunser. Das sollte jeder Christ auswendig kennen. In ihm sind auch Jesu wichtigste Anliegen genannt.

Mt 6,5 Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

6 Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

7 Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen.

8 Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.

9 So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, / dein Name werde geheiligt,

10 dein Reich komme, / dein Wille geschehe / wie im Himmel, so auf der Erde.

11 Gib uns heute das Brot, das wir brauchen.

12 Und erlass uns unsere Schulden, / wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben.

13 Und führe uns nicht in Versuchung, / sondern rette uns vor dem Bösen.

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Gebetomat 

Ja, Herr Sturm, vielen Dank für den Gebetomaten! Sie haben da ein sehr anregendes Kunstobjekt geschaffen! 300 Gebete aus den wichtigsten Religionen der Welt. Fünf Minuten zuhören und je nachdem mitzubeten für 50 Cent in dem kleinsten sakralen Raum der Welt, der aussieht und funktioniert wie ein Automat für Passfotos in Kaufhäusern und Bahnhöfen. 

Man kann sich darüber aufregen und entrüsten. Wieder nur Verspottung und Verhöhnung der Religion und der religiösen Gefühle. Aber als ich Sie, Herr Sturm, gesehen und gehört habe, waren alle aggressiven Gefühle weg. Sie wollen zum Nachdenken anregen, so sagen Sie, und zur inneren Erhebung und vielleicht sogar zum Beten, das sagen Sie aber nicht. 

Der erste Gedanke, der mir kommt, ist: da lasse ich diesen Automaten für mich beten. Der Automat legt Fürbitte für mich ein bei Gott. Und das tun ja viele andere auch. Es gibt mehrere liebe Menschen, die jeden Tag für mich beten. Ist das nicht großartig? Ich bin von Herzen dankbar dafür, denn ich brauche es so nötig. Und auch ich bete täglich für andere Menschen. Tun Sie das auch? Ich denke, jede/r, der oder die betet, betet auch für andere und für die großen Anliegen der Welt.  

Aber das sind ja Menschen, die da beten. Hier ist es aber ein Automat. Das ist doch wirklich ein Witz. Können Automaten beten? Also ich glaube das nicht. Tiere vielleicht. Manche Hundebesitzer meinen ja, dass ihr Hund wirklich fromm sei. Aber das ist ein anders Thema. Und Gott hört doch hoffentlich auf keinen Automaten! Oder? Wirklich nicht? Schon längst vor dem Gebetomaten gab und gibt es ja etwas Ähnliches in ganz vielen katholischen Kirchen. Woran denke ich? Sie wissen es: 50 Cent für eine Kerze, vielleicht auch nur 25 Cent. Und wenn Sie schon mal in Italien waren, dann haben Sie die 50 Cent in einen Schlitz geworfen und dann ging eine elektrische Kerze an, die auch fünf bis zehn Minuten brennt. Wenn das nicht so was ist wie ein Gebetomat! Mir kam es jedenfalls in Italien genau so vor. 

Einer der Kapuziner der Liebfrauenkirche in Frankfurt am Main hat mir mal gesagt, ihre Gemeinschaft könne gut von dem Geld leben, das dort jeden Tag für die Kerzen vor der Muttergottes ausgegeben wird. Es sind um die 1600 Kerzen. Aber tatsächlich wird das Geld nicht für die Bartpflege der Kapuziner verwendet, sondern für gute Zwecke. Aber was soll und bewirkt nun die Kerze? Sie ist ein Symbol. Ein Zeichen. Sie verzehrt sich für mich. Für mein Anliegen. Für meine Sorgen. Wie viele Studenten stellen eine Kerze auf für ihre Prüfung! Oder ihre Eltern oder ihre Oma. Da brennt sie nun. Betet die Kerze? Der liebe Gott oder Maria soll an das Anliegen erinnert werden, so lange die Kerze brennt. Auch wenn ich nicht mehr dran denke. Während ich geprüft werde, brennt die Kerze. Was meinen Sie? Hat das Sinn? Bewirkt die Kerze etwas? Oder bewirkt das Geldopfer etwas, das für gute Zwecke gespendet wird? Handelt es sich auch um einen Gebetomaten? 

Ich lasse den Automaten für mich beten, auch weil ich vielleicht keine Gebete mehr kenne, weil ich nicht mehr beten kann. Ja, das finde ich gut. Da macht der Automat etwas neu bewusst. Wie sehr die Gebetskultur zusammengebrochen ist. Wie wenig Leute noch Gebete auswendig können. So als eiserne Reserve. Wenigstens beim Schiffsuntergang. Als da jemand rief, es möge doch nun jemand eine religiöse Handlung vollziehen, stand einer auf, nahm den Hut und fing an, Geld einzusammeln. So viel zur Gebetskultur… 

Und der Automat hilft mir beten. Die Gebete im Gebetomaten sind alle bei echten Gottesdiensten aufgenommen, nicht etwa von einem Rundfunksprecher. Es sind also „echte“ Gebete, nur dass sie jetzt beliebig wiederholt werden können. Sind sie dann noch „echt“? Das erinnert mich an den bekanntesten Segen der Welt, an den Segen „Urbi et orbi“, den Segen für die Stadt Rom und den Erdkreis, den der Papst Ostern und Weihnachten spendet. Dazu sagen die vatikanischen Stellen, er kann empfangen werden als „echter“ Segen in dem Augenblick, in dem er gerade gespendet wird, auch im Fernsehen. Denn der Segen kann nicht durch Entfernung oder Mauern aufgehalten werden. Wie ein Bauer zum Pfarrer sagte, der seinen Hut beim Segen nicht abnahm: „Ist Dein Segen gut, geht er auch durch meinen Hut!“ Aber wenn er dann abends in der Tagesschau noch mal kommt, dann „wirkt“ er nicht mehr. Also Konserve hält den Heiligen Geist nicht fest und macht ihn nicht wiederholbar oder verfügbar. Das muss man dann wohl auch so von den Gebeten im Gebetomaten sagen. Aber wenn ich „echt“ mitbete und mit fühle, dann „wirkt“ es. Und wenn der Gebetomat jemanden wieder beim Beten hilft und zum Beten bringt – Gott sei Dank! 

Und ein letzter Gedanke. Auf ihrer Internetseite zum Gebetomaten schreiben Sie, Herr Sturm: „Ich halte die – dem Denken Andy Warhols verwandte – Idee einer automatenhaft herstellbaren Erzeugung religiösen Gefühls für einen sehr zeitgenössischen Gedanken.“ Da gebe ich Ihnen Recht. Das ist sehr zeitgenössisch: automatisch herstellbare Erzeugung religiösen (oder auch erotischen, moralischen, altruistischen, mütterlichen, väterlichen, kindlichen, romantischen, rührenden) Gefühls. Das geschieht ja auch dauernd. Wenn ich mir eine alten Song von Edith Piaf anhöre zum Beispiel „Milord“ dann geht mir das echt nahe, ja, mir kommen sogar Tränen der Rührung. Aber wie verhalten sich Gefühl und Gebet? Wie echt ist das?  

Und Sie, liebe, verehrte Leserinnen und Leser von update-seele, wie denken Sie? 

Mein Impuls ist jetzt schon lang genug geworden. Darum gibt es meine Gedanken zu dieser Frage beim nächsten Mal. Der Gebetomat verdient eine Fortsetzung. 

Und Sie bekommen als Hausaufgabe, einmal über Ihr Beten nachzudenken – aber vor allem beten Sie selbst mal wieder und zwar nicht automatisch!

01.02.2012 

Mit einem herzlichen Gruß
Thomas Gertler SJ

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