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Eine solche Nacht, die furchtbar ist und die verwandelt und dann Frieden und Versöhnung bringt, ist die Nacht, in der Jakob sich seiner alten Heimat und seinem Bruder Esau nähert, den er betrogen hat. In der Nacht ringt er mit dem Engel Gottes. Und siegt und wird ein anderer. Er wird aus Jakob zu Israel. Jakob betet und ringt.

© Bild: Rembrandt

Gen 32, 12 - 32

32, 12 Entreiß mich doch der Hand meines Bruders, der Hand Esaus! Ich fürchte nämlich, er könnte kommen und mich erschlagen, Mutter und Kinder. 13 Du hast doch gesagt: Ich will es dir gut gehen lassen und will deine Nachkommen zahlreich machen wie den Sand am Meer, den niemand zählen kann vor Menge. 14 Er brachte dort jene Nacht zu. Dann stellte er von allem, was er gerade zur Hand hatte, ein Geschenk für seinen Bruder Esau zusammen:
22 Die Herde, die er schenken wollte, zog ihm also voraus, er aber brachte jene Nacht im Lager zu. 23 In derselben Nacht stand er auf, nahm seine beiden Frauen, seine beiden Mägde sowie seine elf Söhne und durchschritt die Furt des Jabbok. 24 Er nahm sie und ließ sie den Fluss überqueren. Dann schaffte er alles hinüber, was ihm sonst noch gehörte. 25 Als nur noch er allein zurückgeblieben war, rang mit ihm ein Mann, bis die Morgenröte aufstieg. 26 Als der Mann sah, dass er ihm nicht beikommen konnte, schlug er ihn aufs Hüftgelenk. Jakobs Hüftgelenk renkte sich aus, als er mit ihm rang. 27 Der Mann sagte: Lass mich los; denn die Morgenröte ist aufgestiegen. Jakob aber entgegnete: Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest. 28 Jener fragte: Wie heißt du? Jakob, antwortete er. 29 Da sprach der Mann: Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (Gottesstreiter); denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und hast gewonnen. 30 Nun fragte Jakob: Nenne mir doch deinen Namen! Jener entgegnete: Was fragst du mich nach meinem Namen? Dann segnete er ihn dort. 31 Jakob gab dem Ort den Namen Penuël (Gottesgesicht) und sagte: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und bin doch mit dem Leben davongekommen. 32 Die Sonne schien bereits auf ihn, als er durch Penuël zog; er hinkte an seiner Hüfte.

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© Foto: Thomas Gertler


Furchtbare Nächte - o je

Ein hässlicher Streit von heute morgen lässt mich nachts nicht schlafen. Ich diskutiere im Dunkeln immer weiter. Ich schimpfe, bettle, überlege mir schlagende Argumente und bin hellwach, auch wenn ich früh raus muss. Und weil ich früh raus muss, werde ich noch unruhiger. O je.

Der Arzt hat mir gesagt, dass die Krampfadern an meinem Bein operiert werden müssen. Nichts weiter Schlimmes. Aber vor der OP habe ich eine schlaflose Nacht. O je. Der Zahn der Zeit nagt an mir. Unweigerlich folgt alles dem Gesetz des Falles. Wird es morgen gut gehen? Und dann immer diese scheußlichen Tage im Krankenhaus. Mit anderen Leuten so nah im Zimmer und im hinten offenen Hemd. Demütigend und unwürdig. Reduziert sein auf seine Körperlichkeit. Peinigend.

Dritter Fall: Abends um 22.40 Uhr hat mein Laptop die Hufe hoch gerissen. Das Maschinchen, mit dem ich ungefähr die meiste Zeit verbringe. Übermorgen fahre ich weg. Krieg ich es bis dahin wieder repariert? Unmöglich. Ohne Laptop bin ich aufgeschmissen. Was mach ich nur? Jetzt liege ich im Bett und kann erst mal gar nichts machen - außer wachen. O je.

Das alles kennen Sie auch? Und es sind noch die harmloseren Varianten. Es gibt noch viel schlimmere Erfahrungen und Ereignisse. Furchtbare Nächte. Was tun? Sich wälzen. Nach rechts und nach links. Schweißausbrüche. Angst und Angst und Angst. Ohnmacht und das Karussell der Gedanken. Sie drehen und drehen und kommen immer wieder und beißen sich gegenseitig in den Schwanz.

Was tun?

Erstens: Ja sagen. So ist es jetzt. Ich kann nicht schlafen und das hat gute Gründe. Ja, so ist es und ich sage Ja dazu, auch wenn ich es gar nicht will. Wenn ich das hasse. Ja, ich hasse das. Aber es ist weder die erste noch die letzte solche Nacht. Ja, so ist es. Und ich akzeptiere es erst einmal so.

Und ich versuche als zweites los zu lassen. Lass den Streit, mein lieber Thomas. Lass ihn einfach los. Sag auch dazu Ja. Dass es ihn gab und dass er dich noch ganz heiß macht und deinen Blutdruck steigen lässt. Versuch, nicht wieder einzusteigen. Steig lieber aus dem Streit aus. Aber wenn es nicht geht, versuch auch dazu Ja zu sagen. Es geht nicht. Das ist jetzt so. Ich lasse los. Und ich sage es mir, bis ich es körperlich spüre: Lass los, Thomas, lass los. Und manchmal geht es ganz gut so und ich spüre, wie die Muskeln sich entspannen.

Und wenn du trotzdem nicht schlafen kannst, dann sag dir: auch wenn ich nicht schlafen kann, so kann ich doch hier liegen und das ist auch schon gut zum Ausruhen. Auch das einfach so da Liegen hilft schon. Nicht ideal. Nicht so wie tiefer Schlaf, aber besser als nichts. Einfach liegen und versuchen, los zu lassen und zu entspannen.

Und ein weiteres Mittel habe ich schon indirekt genannt: o je. O je. Wissen Sie, was o je heißt? Es ist die Kurzform von „o Jesus“. Genau wie „O Jemine“ eigentlich heißt „O Jesus domine“. Es ist eigentlich schon Gebet. Also das ist das Mittel in der schlaflosen, furchtbaren Nacht: meine schweißnassen Gedanken, Sorgen und Ängste nehme ich ins Gebet: O Jesus, erbarme dich unser. Oder: Erbarme dich unser, o Jesus! Immer wiederholen. Immer mit dem Atem wiederholen. Ausatmen: O Jesus. Einatmen: Erbarme dich unser.

Die Psalmen beten so: Sie bringen alle Ängste, Sorgen, Nöte, Klagen, allen Zorn, alle Wut, ja, selbst Hass mit hinein ins Gebet und sprechen alles aus vor Gott. Geben es ab. Und oft geschieht dann Wandlung. Ich lege jetzt alles dem Lamm Gottes auf die Schulter. Es ist stark und trägt die ganze Last der Welt. Es trägt auch meine Last und Schuld.

Und es kann sein, der Schlaf kommt. Es kann sogar sein, der kurze Schlaf ist erholsam. Sie wachen gestärkt auf. Es kann auch sein, Sie stehen früher auf, setzen sich an den Tisch und schreiben alles auf, als Gebet, als Eintrag ins Tagebuch und geben es so ausdrücklich ab. Sie verwandeln sich dabei. Es kann eine Nacht sein, aus der Sie als anderer Mensch hervorgehen.

Es grüßt Sie herzlich und ein wenig unausgeschlafen aber im Frieden
Thomas Gertler SJ

5. Februar 2014

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