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Das Buch Kohelet oder Prediger, wie es auf evangelischer Seite heißt, gilt als das wohl pessimistischste, aber auch tief realistische Buch des Alten Testamentes. Auch ihm ist klar, dass allein Gott immer jung bleibt, alles andere, auch wir selbst, sind Windhauch, der verweht.

© Foto: Marcel Malleike - Vom Leben gezeichnet - CC BY 2.0 DE

Koh 11,7 - 12,8

11,7 Dann wird das Licht süß sein / und den Augen wird es wohl tun, die Sonne zu sehen. 8 Denn selbst wenn ein Mensch viele Jahre zu leben hat, / freue er sich in dieser ganzen Zeit / und er denke zugleich an die dunklen Tage: / Auch sie werden viele sein. / Alles, was kommt, ist Windhauch. 9 Freu dich, junger Mann, in deiner Jugend, / sei heiteren Herzens in deinen frühen Jahren! Geh auf den Wegen, die dein Herz dir sagt, / zu dem, was deine Augen vor sich sehen. 10 Halte deinen Sinn von Ärger frei /und schütz deinen Leib vor Krankheit; / denn die Jugend und das dunkle Haar sind Windhauch. 12,1 Denk an deinen Schöpfer in deinen frühen Jahren, / ehe die Tage der Krankheit kommen und die Jahre dich erreichen, / von denen du sagen wirst: Ich mag sie nicht!, 2 ehe Sonne und Licht und Mond und Sterne erlöschen / und auch nach dem Regen wieder Wolken aufziehen: 6 Ja, ehe die silberne Schnur der Lampe zerreißt, / die goldene Schale bricht, / der Krug an der Quelle zerschmettert wird, / das Rad zerbrochen in die Grube fällt, 7 der Staub auf die Erde zurückfällt als das, was er war, / und der Atem zu Gott zurückkehrt, / der ihn gegeben hat. 8 Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, das ist alles Windhauch.

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© Foto: Thomas Gertler


Für immer jung…

Das ist die Sehnsucht unserer Zeit: Für immer jung zu bleiben, schön, gesund und guter Laune. Jetzt hatte ich ein halbes Jahr lang leichte und manchmal heftigere Schmerzen in der Schulter und im Handgelenk. Und weil es trotz Arztbesuch und Physiotherapie nicht besser wurde, habe ich mir gesagt. So, mein Lieber, das bleibt nun so. Das wirst Du nicht mehr los. Immer diese Schmerzen. Immer mal wieder eine Pille. Dann Erleichterung und dann wird es wieder so wie vorher. Von wegen „für immer jung…“ Nein, für immer Schmerz. Du wirst alt und es nagt der Tod an dir. Ich vermute, dass manche unter meinen Leserinnen und Lesern sind, denen es ganz ähnlich geht.

Jetzt habe ich einmal einem guten Freund davon erzählt, auch von der Ansicht, dass es für immer so sein wird und ich mich damit abfinden muss. Das konnte er gar nicht gut hören. „Nein, Thomas, doch nicht so! Gib doch nicht auf! Du musst kämpfen! Nie, nie, nie aufgeben! Dein Leben ist noch nicht vorbei!“ Ich war verwundert, dass er so heftig auf meine Gedanken und Gefühle reagierte, die doch fast selbstverständlich sind, wenn man jeden Morgen zerschlagen aufsteht und nicht sehen kann, dass es irgendwie besser wird. Trotz Arztbesuch und Physiotherapie. Nun also: für immer alt. Und ich darf es nicht sein.

Wir sollen jung, schlank, schön und immer gut gelaunt sein, nicht alt, dick und sauer. Das geht so weit, dass man heute sogar Worte vermeidet wie Sauermilch oder Dickmilch. So habe ich in einem heiteren Zeitungsartikel gelesen. Denn das weckt das lauter ungute Assoziationen. „Für immer jung...“, singt Karel Gott (wie alt ist der eigentlich?).

Stellen Sie sich vor, ein Wunder ist geschehen. Ich bin meine Schmerzen los. Mein Handgelenk tut nicht mehr weh. Meine Schulter ist fast völlig wieder in Ordnung. Nur links ist noch was… na ja. Ich bin nämlich noch einmal zum Arzt gegangen und zu einer anderen Physiotherapiestation – einer kleinen goldenen. Gleich am Anfang zeigte mir die Physiotherapeutin eine Übung. die mir am meisten geholfen hat: das Dehnen und Geradeziehen der Schulter im Türrahmen. Eine Übung, die ich immer und überall machen kann. Und noch einige Ziehübungen mit dem Gummiband.

Alles das wichtige Gegenbewegungen gegen jahrzehntelange Fehlhaltungen und neuere schlechte Körperhaltungen zum Beispiel beim vielen Sitzen und Schreiben am Computer (natürlich vor allem für Sie, liebe Leserinnen und Leser!) Und jetzt ist es besser, ja, es ist gut. Und nun darf ich eines nicht vergessen. Es ist nicht selbstverständlich, so sehr ich immer Gesundheit und Schmerzfreiheit als das ansehe, was sich so gehört, was so sein muss. Nein, es ist ein Geschenk und ein Wunder. Denn Gesundheit erfordert, dass ALLES miteinander gut zusammen spielt – wie beim Fußball und bei der Blumenuhr. Um krank zu sein, braucht nur EIN EINZIGES winziges bisschen zu fehlen und es ist alles beeinträchtigt. Also dankbar sein!

Also doch für immer jung? Freilich es ist klar, jetzt habe ich wieder meine Kraft, kann wieder gut schlafen. Es ist fast wie vorher. Und doch ist es nicht so. Ich bin mir neu bewusst nicht nur, dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist, sondern auch dass ich selbst endlich und vergänglich bin und eines Tages, die Zeiten anbrechen, von denen Kohelet schon in der Bibel sagt: „Ich mag sie nicht.“ Und das ist die Botschaft, die uns Madeleine Delbrêl schreibt:

„Gott allein bleibt für immer jung.
Und eine unserer schlimmsten Hilflosigkeiten zeigt sich darin, dass
wir ihn der Welt als alten Mann vorstellen, der sich durch zu erwartende künftige Änderungen beunruhigen und durch Erinnerungen an Vergangenes rühren lässt.
Unser Gang ins ewige Leben müsste die wahre Jugend der Welt sein.
Wir müssten den zeitlichen Dingen ihr wahres Ausmaß von Gott her geben.“

Und so weit wir gottverbunden leben, so weit strahlt auch immer wieder etwas von Seiner Jugend auf uns – und das habe ich schon gesehen auf Gesichtern von ganz alten Menschen.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

16. Juli 2014

 

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