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Beim letzten Mahl Jesu geht es auch um diese Hingabe des eigenen Lebens, damit wir, die anderen leben können. Nicht nur für heute und hier, sondern leben können über den Tod hinaus. Und es geht genauso um das Essen. Essen bedeutet immer: wir leben von anderem Leben. Wir können keine Steine essen. Wir leben nur, wenn anderes Leben sich uns hingibt. Das ist das Geheimnis des Lebens. Wir finden selbst nur dieses Leben über dieses Leben hinaus, wenn wir in dieses Gesetz einstimmen und auch selbst unser Leben schenken, um anderen Leben zu ermöglichen.

© Wode

Lk 22,14 Als die Stunde gekommen war, begab er sich mit den Aposteln zu Tisch.

15 Und er sagte zu ihnen: Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen.

16 Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis das Mahl seine Erfüllung findet im Reich Gottes.

17 Und er nahm den Kelch, sprach das Dankgebet und sagte: Nehmt den Wein und verteilt ihn untereinander!

18 Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt.

19 Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!

20 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.

24 Es entstand unter ihnen ein Streit darüber, wer von ihnen wohl der Größte sei.

25 Da sagte Jesus: Die Könige herrschen über ihre Völker und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen.

26 Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste und der Führende soll werden wie der Dienende.

27 Welcher von beiden ist größer: wer bei Tisch sitzt oder wer bedient? Natürlich der, der bei Tisch sitzt. Ich aber bin unter euch wie der, der bedient.

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Für die anderen

Ein kleines Dorf in den hohen und kargen Bergen Mitteljapans vor etwa 200 Jahren. Der Hunger bestimmt hier das ganze Leben. Um die Nahrung kreist das Denken, darum kreisen Tugenden und Laster, Sünden und Heroismus. Auch die Lieder, die man im Dorfe singt, haben alle damit zu tun.

Eine Frau erreicht gerade das siebzigste Lebensjahr. Sie heißt O Rin. Im siebzigsten Lebensjahr macht man die Wallfahrt zum Heiligen Berg Narayama, dem Berg mit den Eichen. Auf diesem Berg bleibt man dann. Es gibt keine Rückkehr. Auf dem Berg meditiert und betet man. O Rin bereitet sich auf diese große Wallfahrt vor.

Eine neue Matte ist schon geflochten, um darauf zu sitzen. Der überaus kostbare Reis ist vorbereitet. Ihn gibt es nur einmal im Jahr zum Narayama-Fest. O Rin hat ihn aufgespart und zubereitet, um ein letztes großes Fest zu geben, an dem sich alle einmal satt essen dürfen. Besonders geschickt ist O Rin im Forellenfang mit der bloßen Hand. Viele hat sie gefangen und getrocknet für das Fest.

Ihre große Sorge war ihr Sohn Tappei. Vor einiger Zeit war er Witwer geworden und traurig seitdem. Aber es fügt sich. Aus dem Nachbardorf kommt eine Frau, die auch gerade Witwe geworden ist. Sie heißt Tama-yan. Wie selbstverständlich zieht sie ein und passt sich gut ein in die Familie. Die beiden Frauen verstehen sich sofort. Welch ein Glück!

Eines macht ihr auch noch Sorgen. Sie sieht noch gar nicht aus wie eine alte Frau und ist gesund und stark. Sie hat noch alle ihre Zähne und die sind so kräftig und fest, dass die Leute sich schon darüber lustig machen und Spottlieder singen. Sogar ihr Enkelsohn. Denn diese gesunden Zähne machen den anderen Angst. Sie können nämlich alles zermalmen, härteste Wurzeln und Kiefernzapfen. Was andere Zähne nicht mehr kauen können, das zermahlen O Rins Zähne. Und darum versucht sie seit Tagen, sich welche auszuschlagen. Als es ihr endlich gelingt, hat sie große Schmerzen. Dennoch ist sie froh. Jetzt sieht sie aus wie eine alte Hexe. Jetzt kann sie die Wallfahrt machen. Nun hofft sie noch auf eines, dass es schneien wird, wenn sie am Berge ankommt. Das wäre ein gutes Zeichen.

Im Nachbarhaus ist ein Mann im gleichen Alter. Aber der will nicht zur Wallfahrt gehen. Mit aller Macht will er hier bleiben. Er will nicht der Regel des Landes folgen. Sein Sohn muss ihn zwingen, ja fesseln, um ihn auf den Berg zu bringen.

Der Sohn Tappei trägt die Mutter O Rin auf seinem Rücken auf den Berg. Sie sitzt auf einem Holzbrett, das er angeschnallt hat. Beim Gehen wird geschwiegen. Die Gegend wird immer fremder und wilder. Tiefste Schluchten, aus denen Raben schreien. Steile Wände. Schmale Wege. Bis am Narayma alle Wege aufhören. Nur noch Eichen. Überall bleiche Knochen und krächzende Raben. Vor jedem Felsen sitzt ein Gerippe. Tappei wird es Angst. O Rin weist mit der Hand weiter nach oben. Da ist noch ein freier Felsen. Dort setzt sie sich. Und beginnt zu beten. Sie wird hier bleiben. Nach den Regeln muss Tappei ohne sich umzusehen heimkehren, Er weint und stolpert den Berg hinab. Da beginnt es zu schneien. Ein gutes Zeichen. Das muss er ihr noch sagen. Gegen die Regeln kehrt er um. Das gute Zeichen will er mit ihr teilen. Sie aber winkt ihn weg. Schnee wird sie bald umhüllen. Er wird ihren Tod für die anderen leichter machen. Schnee, der weiße Schnee, Zeichen für die Gnade des Himmels. Er hat ihr Opfer angenommen.

Diese Geschichte stammt von Shichiro Fukazawa und heißt „Schwierigkeiten beim Verständnis der Narayama-Lieder“. Sie hat den Dichter sofort berühmt gemacht. Er hatte mitten ins Herz Japans getroffen. In seine überlieferte Bereitschaft, sich für die anderen, für die Gemeinschaft einzusetzen. Ja, sogar das Leben zu geben. Damit die Jungen überleben können.

Mich hat sie auch tief berührt. Ist es nicht auch eine Geschichte wie die Geschichte Jesu? Anders und doch ähnlich? Vieles könnte ich hier noch bedenken und sagen über Unterschiede und Ähnlichkeiten. Aber ich möchte Sie selbst einladen zu meditieren und zu beten und die Liebe zu bedenken. Für die anderen.

Es wünscht Ihnen gesegnete Ostern
Thomas Gertler SJ

28. März 2013

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