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Schon der Prophet Jesaja schreibt im Alten Testament vom leidenden Gottesknecht, der alle Hässlichkeit und Bosheit auf sich nimmt und für uns durchleidet und von Gott verwandelt in Herrlichkeit wird.

Leidender Christus aus Polen
© Foto: ImreKiss Łukasz S. Olszewski - CC BY 3.0

Jes 53, 1 - 12

53,1 Wer hat unserer Kunde geglaubt? /Der Arm des Herrn - wem wurde er offenbar? 2 Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, /wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden. Er hatte keine schöne und edle Gestalt, / sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, / dass wir Gefallen fanden an ihm. 3 Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, /ein Mann voller Schmerzen, / mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, / war er verachtet; wir schätzten ihn nicht. 4 Aber er hat unsere Krankheit getragen /und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, / von ihm getroffen und gebeugt. 5 Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, /wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, / durch seine Wunden sind wir geheilt. 6 Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, /jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn / die Schuld von uns allen. 7 Er wurde misshandelt und niedergedrückt, /aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, / und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, / so tat auch er seinen Mund nicht auf. 8 Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, /doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten / und wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen. 9 Bei den Ruchlosen gab man ihm sein Grab, /bei den Verbrechern seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat / und kein trügerisches Wort in seinem Mund war. 10 Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen (Knecht), /er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab. Er wird Nachkommen sehen und lange leben. / Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen. 11 Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. /Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht; / er lädt ihre Schuld auf sich. 12 Deshalb gebe ich ihm seinen Anteil unter den Großen /und mit den Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab / und sich unter die Verbrecher rechnen ließ. Denn er trug die Sünden von vielen / und trat für die Schuldigen ein.

Seitwert


© Foto: Thomas Gertler


Fünf Minuten Hässliches

Wenn ich zu Fuß in unser Büro gehe, dann gehe ich immer fünf Minuten lang durch Hässliches. Ja, auch das schöne Augsburg hat hässliche Ecken. Eine traurige Straße mit einer Unterführung, die nach dem riecht, was die kleine Bierkneipe nahe bei übrig lässt. Eine Unterführung mit der üblichen grässlichen Graffiti-Volkskunst, mit Müll und kaputten Flaschen. Eben traurig Hässliches. Begegnet jedem jeden Tag. Oder?

Ich müsste da nicht durchgehen, aber um fünf Minuten zu sparen, gehe ich fünf Minuten durch Hässliches. Aber schon fast so lange ich da durch gehe, denke ich darüber nach. Was macht das Hässliche eigentlich hässlich? Und warum muss es Hässliches geben? Hat es einen Sinn? Dass es hässlich ist, das empfindet wohl jeder. Oder? Was denken Sie?

Ja, es ist die Frage, ob jeder Hässliches als hässlich empfindet. Vielmehr wurde es oft einmal als schön empfunden. Wie? Nie! Doch! Denken Sie nur einmal an so manche Mode, besonders wenn sie so ein wenig extrem war. Mode, die Sie selbst (oder Ihre Eltern) einmal mitgemacht haben. Gelbbraune Cordhosen. Großgeblümte Hemden mit übergroßen Kragen. Faustgroße Schlipsknoten. Das was jetzt wieder modern wird – Retro genannt. Nierentische mit spitzen Beinen und Mosaik. Und die Betonbauten der siebziger Jahre, ja, so manche Kirchen aus dieser Zeit. Das fand man (auch ich) kurzzeitig mal großartig und dann peinlich, furchtbar, hässlich.

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Es sollte Hässliches nicht geben, aber es gibt das Hässliche. Überall. Darum hat Robert Gernhardt ein berühmtes Gedicht darüber geschrieben, nachdem er durch die „schöne“ Stadt Metzingen gegangen war (Metzingen hat ihn dafür verklagt):

Dich will ich loben: Häßliches,
du hast so was Verläßliches.
Das Schöne schwindet, scheidet, flieht –
fast tut es weh, wenn man es sieht.

Das Schöne gibt uns Grund zur Trauer.
Das Häßliche erfreut durch Dauer.

Schönheit vergeht. Hässlichkeit bleibt (- wirklich?). Das Hässliche ist wie das Wort schon sagt das, was wir hassen. Es ist hassenswert. Ich finde das ein bisschen zu scharf gesagt. Das Hässliche peinigt eher. Es bedrückt. Es zieht runter. Es ist auch oft lächerlich und hat was Verrücktes. Es kann sogar was vom Protest haben wie der Punk. Aber immer wehrt man sich dagegen. Es stellen sich die ästhetischen Nackenhaare auf.

Früher hat man sehr deutlich die Verwandtschaft von Hässlichkeit und Bosheit gesehen und betont. Das Böse ist immer hässlich. Es hat immer irgendwo eine Verzerrung, einen Pferdefuß oder einen Gestank, auch wenn es erstmal gleißend daher kommen kann. Und wie wir uns gewissermaßen instinktiv gegen das Böse wehren, so eben auch gegen das Hässliche. Und so schwer es ist, dem Bösen einen Sinn abzugewinnen, so schwer ist es auch mit dem Hässlichen. Es sollte nicht sein. Es fällt eben gerade aus dem Sinn heraus und widerspricht ihm, weil es aus der Harmonie, aus der Ordnung und dem Schönen herausfällt. Es zeigt die Schwachheit und Erlösungsbedürftigkeit der Schöpfung an. Und jeder von uns hat auch seine hässlichen Seiten – körperlich und geistig.

Aber eben da ist auch Trost zu finden. So wie Gott es mit dem Bösen aufnimmt und es überwindet, so hat Gott in Christus auch den Mut, sich dem Hässlichen zu stellen, ja, sogar in das Hässliche hineinzugehen und es zu von Innen her verwandeln. Er selbst wird der Hässliche und Verabscheuungswürdige, gerade um in Schönheit und Herrlichkeit aufzuerstehen.

Viel ließe sich da noch sagen und schreiben, aber Sie sollen ja selbst auch noch etwas finden und entdecken…

Viele Grüße
Thomas Gertler SJ

12. Oktober 2016

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