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Madeleine Delbrêl schildert uns das Leben mit Gott als einen Tanz, als einen Ballabend mit Gott in einem Gebet.
Hier ein Ausschnitt daraus.

© Foto: Michaël CATANZARITI - CC BY-SA 3.0 - via Wikimedia Commons


Um ein guter Tänzer zu sein, muss man nicht wissen, wie es weiter geht - mit dir wie anderswo,
wie es weiter geht.
Man muss folgen,
fröhlich sein,
leicht sein,
und vor allem nicht steif sein.
Man darf nicht nach Erklärungen fragen,
in Bezug auf die Schritte, die dir zu tun gefallen.
Man muss dir gehören,
beweglich und lebendig durch dich,
und durch dich den Rhythmus des Orchesters erspüren.

Man soll nicht um jeden Preis vorwärts kommen wollen,
sondern es annehmen, sich nach links und rechts zu wenden.
Man muss anzuhalten wissen, und zu gleiten anstatt zu marschieren.
Und das wären alles nur sinnlose Schritte,
wenn die Musik nicht eine Harmonie daraus machen würde.
Aber wir vergessen die Musik deines Geistes,
und wir machen aus unsrem Leben eine Gymnastikübung;
wir vergessen, dass es sich in deinen Armen tanzt,
dass dein Heiliger Wille
von unbegreiflicher Phantasie ist,
und dass es Monotonie und Langeweile
nur für die alten Seelen ist,
die als Mauerblümchen
am Rand des fröhlichen Balls deiner Liebe sitzen.

(aus: Rita Knöppfler-Parsons, Madeleine Delbrêl. Das Aggiornamento der Demut in ihrem Leben und in ihren Schriften, München 2006, 114-120.)

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© Foto: Malene Thyssen - CC BY-SA 3.0 - via Wikimedia Commons


Fröhliche Handwerker

Haben Sie schon mal so richtig gute Handwerker erlebt? Solche, die ihr Handwerk beherrschen? Denen es flott von der Hand geht und bei denen es Hand in Hand geht? Tischler, Zimmerleute, Fliesenleger, Fußbodenleger, Dachdecker, Maler. Wenn sie es so richtig gut können, dann pfeifen sie meist dabei. Dann sind sie fröhlich, auch und gerade wenn sie ganz bei der Sache sind und hoch konzentriert. Das gehört sogar zusammen. Weil sie es gut können, weil sie Erfahrung haben, gerade darum sind sie auch ganz locker und entspannt dabei. Sie wissen worauf es ankommt. Darum sind sie so frei und pfeifen dabei. Denn so ist es eine Freude. Haben Sie das schon erlebt? Oder kennen Sie das sogar selbst bei Ihrer Arbeit? Was beherrschen Sie so gut, dass Sie fröhlich dabei werden?

Beim Lehrling und Anfänger ist es anders. Er ist vielleicht auch hoch konzentriert, aber nicht locker, sondern verkrampft, angestrengt mit hoch rotem Kopf. Und schon geht es auch schief und er hat‘s versaut. O Mist. Gerade die verkrampfte Anstrengung und der Mangel an Erfahrung, wie es richtig geht, führen dazu, dass es schief geht. Dieses fröhliche Pfeifen und die Gelöstheit, die kommen erst allmählich, wenn man das Handwerk beherrscht. Am Anfang ist man vielleicht albern, aber diese Mischung aus Erfahrung, Konzentration und Gelöstheit kann erst nach einiger Übung kommen. Reinhard Mey hat ein Lied geschrieben, das diese Fröhlichkeit des gekonnten Handwerks einfängt: „Ich möcht gern so froh wie die Müllmänner sein…“. Haben Sie gehört, wie schön er dieses Können der Müllmänner beschreibt? Sogar als Tanz.

Für mich ist das Leben mit Gott, also mein geistliches Leben im Idealfall auch so wie ein gut beherrschtes Handwerk. Gerade da gehen auch Können, Konzentration, Freiheit und Freude zusammen. Das ist ein Kriterium für die Unterscheidung der Geister. Das geht nicht gleich. Es braucht Übung. Es braucht Erfahrung. Anfangsfehler sind nicht zu vermeiden. Dem Anfänger fehlen meist die Lockerheit und Freiheit. Er will es gut machen. Er will Ernst machen. Er will radikal sein. Er will sich ganz einsetzen. Darum ist oft so ein gewisser Fanatismus da. Darum auch ein Rigorismus. Immer mit der Gefahr, dass man es erzwingen will. Ungeduld. Mangel an Humor. Kein Abstand zu sich selbst. Alles typisch für den Anfänger im geistlichen Leben.

Darüber muss man aber nun nicht traurig sein. Nein, es ist zu loben und zu bestärken. Denn da meint es jemand Ernst und will alles geben und will es lernen. Nicht so eine Gleichgültigkeit und Wurstigkeit. Nicht so eine Oberflächlichkeit und Halbherzigkeit. Nein, das alles zum Glück nicht, sondern ganzer Einsatz, Vollgas und oft Übermotivation. Klar führt das zu Fehlern. Klar gibt es da diese Verkrampftheit und die Gewaltsamkeit. Klar, dass das nicht geht. Und das muss ich lernen. Aber es gibt eben auch den Charme und die Schönheit des Anfangs. Dieses Unverdorbene und Unschuldige. Das macht die Anfänger so liebenswert. Auch wenn sie selbst oft gerade darunter leiden. Wie Kinder darunter leiden, dass sie noch klein sind und es eben noch nicht so können wie die Mutter oder der Vater. Aber wenn sie dran bleiben, dann lernen sie es auch. Und können es dann auch wirklich gut, vielleicht besser als die Eltern.

Ja, das kann erreicht werden, so eine Meisterschaft, so ein richtig gutes Können im geistlichen Leben, in der Beziehung mit Gott. Und da gehört das zusammen wie beim guten Handwerker. Das konzentriert Sein, also ausgerichtet sein auf die Mitte, auf Gott. Also die Aufmerksamkeit, die Wachheit, das Hören. Immer bereit, selbst neu und tiefer zu lernen. Und aus der Erfahrung – also aus all den vielen Fehlern, die mich haben erfahren werden lassen – dann diese Lockerheit, die Virtuosität, die Freiheit und daraus wieder die Freude, ja das Tänzerische. Thomas von Aquin hat gesagt: Tugend ist die Leichtigkeit im Guten. Also aus der vielen Übung des Guten erwächst dann diese Leichtigkeit. Madeleine Delbrêl spricht vom Tanz des Gehorsams. So frei und locker, so sensibel und beweglich wie eine geübte Tänzerin, wie ein geübter Tänzer. Das ist doch was! Möchten Sie manchmal so tanzen? Oder so froh pfeifen wie ein guter Handwerker?

Üben und nochmals üben und geduldig dran bleiben, dann kommt es schon.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

12. November 2014

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