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Das Bild stammt von einem amerikanischen Maler namens Edward Hicks (1780-1849) und heißt Friedensreich (The Peaceable Kingdom). Man beachte: im Hintergrund treffen amerikanische Siedler und Indianer friedlich zusammen. Amerika sollte nach dem Wunsch der ersten Siedler solch ein Friedensreich werden… Es wurde es nicht. Aber die Sehnsucht und die Vision lebt immer weiter und seit Jesajas Zeiten immer wieder auf.

Edward Hicks - Peaceable Kingdom

Jes 11,1 - 10

11,1 Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, /
ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
2 Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: /
der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, / der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.
3 Er richtet nicht nach dem Augenschein / und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er,
4 sondern er richtet die Hilflosen gerecht /
und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen / mit dem Stock seines Wortes und tötet den
Schuldigen / mit dem Hauch seines Mundes.
5 Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, /
Treue der Gürtel um seinen Leib.
6 Dann wohnt der Wolf beim Lamm, /
der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, / ein kleiner Knabe kann sie hüten.
7 Kuh und Bärin freunden sich an, /
ihre Jungen liegen beieinander. / Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.
8 Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, /
das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange.
9 Man tut nichts Böses mehr /
und begeht kein Verbrechen / auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, / so wie das
Meer mit Wasser gefüllt ist.
10 An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, / der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; / sein Wohnsitz ist prächtig.

Seitwert
© Foto: Thomas Gertler


Frieden

Das Paradies ist zurück. Die Schlange verführt und vergiftet den Menschen nicht mehr. Sogar das Kind kann sie streicheln und gut Freund mit ihr sein. Die Feinde im Tierreich werden zu Freunden. Kuh und Bärin freunden sich an. Schaf und Löwe tanzen zusammen. Lamm und Wolf beschnuppern einander. Das Äffchen springt dem Panther auf dem Rücken herum. Fuchs und Hase grüßen sich freundlich, sagen einander Gute Nacht und Guten Tag und Guten Weg. Sogar die Mäuse sprechen ganz angstfrei mit Igor dem Kater. Himmlisch. Paradiesisch.

Das ist die Vision des Propheten Jesaja, hier ein wenig kindlich ins Bild gesetzt als meine weihnachtliche Gabe für Sie, verehrte Leserinnen und Leser. Ein wenig kindlich, weil ich so gut nun auch wieder nicht malen kann und weil diese Vision ja auch so etwas Kindlich-Naives hat. Nicht nur himmlisch und paradiesisch, sondern auch unmöglich auf dieser Erde. Gerade geht es wieder in eine neue Runde mit dem Krieg in Syrien. Furchtbar!

Frieden gibt es hier auf unserem Planeten höchstens örtlich und zeitlich begrenzt. Mal hier ganz kurz, mal da leuchtet er für ein paar Augenblicke auf, der himmlische Friede, die Eintracht, die Harmonie. Ansonsten bleibt er ein Traum und eine Sehnsucht. Also nie der wirkliche und vollständige und ganz große Friede für alle und für immer auf dieser Erde. Hier höchstens wie es mal im Schlager hieß: „Ein bisschen Friede, ein bisschen Liebe…“.

Und doch geht die Sehnsucht der Schöpfung auf das Ganze und auf das Große, nicht nur auf ein bisschen. Ein bisschen ist zu wenig. Ja, gerade die, die im Unfrieden, die im Krieg leben, die wissen das. Ihre Not hält die Sehnsucht wach. Dort wo Friede wenigstens äußerlich herrscht wie bei uns hier, da gilt er als selbstverständlich, als das, was sich ja so gehört. Da wird er oft nicht als ein großes Geschenk wahrgenommen. Aber er ist es, warum die Flüchtlinge hierher kommen. Erst wo der Friede gebrochen ist, weiß man, wie lebensnotwenig er ist.

Frieden in der Bibel heißt Schalom und meint mehr als das Schweigen der Waffen. Da geht es immer auch darum, dass Recht und Gerechtigkeit herrschen. Denn die Frucht der Gerechtigkeit ist der Friede. Und es meint immer auch den Frieden nicht nur mit den Mitmenschen und unter den Völkern, sondern den Frieden mit der ganzen Schöpfung. Und so ist das Bild von Jesaja ja auch gemeint. Die zerbrochene Einheit wird wieder geheilt. Alle können auf dieser Erde leben, nicht nur die reichen Menschen, nicht nur die Nordhalbkugel, nein, alle. Und nicht nur der Mensch, nein, alle Geschöpfe. Und da ist nun dieses Abkommen zur Begrenzung der Erderwärmung ein echtes und großes Hoffnungszeichen. So wichtig!

Solcher Friede, solcher Schalom ist so sehr nötig und wichtig und unabdingbar, aber er geht über das, was wir können doch hinaus. Immer wieder haben wir Menschen es versucht, oft mit Gewalt und haben dann das Gegenteil erreicht. Dieser große Frieden braucht allen unseren Einsatz, alle unsere Kräfte, ja. Aber zugleich liegt er über das hinaus, was wir schaffen, machen, organisieren können. Da braucht es noch mehr als Menschenkräfte. Da braucht es Gottes Einsatz.

Von diesem Einsatz Gottes sagt und singt uns das Weihnachtsfest. Der Einsatz Gottes setzt den Frieden nicht mit Gewalt durch, sondern mit Liebe. Er kommt nicht mit Macht, sondern in Ohnmacht. Dieser Friede kommt mit den Mitteln des Friedens, die uns so schwach erscheinen. Wie dieses nackte Kind auf dem Bild, das die Schlange auf den Schoß holt und das ihr durch seine Liebe das Gift des Todes und des Hasses nimmt. Das sich hineinbegibt in alle Schwachheit, Not und in allen Krieg und Unfrieden, sie auf sich nimmt und innerlich umwandelt in den Frieden.

Und das beginnt jetzt schon. Und diese Verwandlung vollzieht sich schon und sie blitzt auch auf. Und sie wird gefeiert und schon im Kleinen und im bisschen Frieden vollzogen, aber darin ist schon der Keim des Großen am wachsen.

Jesajas Vision wird wahr! Das glauben wir und das wünsche ich Ihnen!
Thomas Gertler SJ

16.12.2015


PS: hier noch eine Kopiervorlage, damit Sie, Ihre Kinder und Enkel das Bild auch selbst ausmalen können. Das Ausmalen macht viel Spaß und ist geradezu meditativ. Und dann entdecken Sie vielleicht, dass ich selbst etwas vergessen habe beim Ausmalen. :-)

 

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