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Eine noch schönere Schlussszene als die eben aus dem berühmten Film ist die aus dem Buch Jona. Darin ärgert sich Jona über die große Fehlerfreundlichkeit Gottes. Und Gott führt ihm mit feinem Humor und mit Hilfe eines Rizinusstrauches vor, wieso er so vergebungsbereit, so fehlerfreundlich und barmherzig ist. Alle sind wir doch seine Geschöpfe, und er freut sich, wenn wir leben und froh sind.

© Wikimedia

Jona 3,10-4,10

Gott reute das Unheil, das er ihnen [der Stadt Ninive] angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus. 4,1Das missfiel Jona ganz und gar, und er wurde zornig. 2Er betete zum Herrn und sagte: Ach Herr, habe ich das nicht schon gesagt, als ich noch daheim war? Eben darum wollte ich ja nach Tarschisch fliehen; denn ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langmütig und reich an Huld und dass deine Drohungen dich reuen. 3Darum nimm mir jetzt lieber das Leben, Herr! Denn es ist für mich besser zu sterben als zu leben. 4Da erwiderte der Herr: Ist es recht von dir, zornig zu sein?
5Da verließ Jona die Stadt und setzte sich östlich vor der Stadt nieder. Er machte sich dort ein Laubdach und setzte sich in seinen Schatten, um abzuwarten, was mit der Stadt geschah. 6Da ließ Gott, der Herr, einen Rizinusstrauch über Jona emporwachsen, der seinem Kopf Schatten geben und seinen Ärger vertreiben sollte. Jona freute sich sehr über den Rizinusstrauch. 7Als aber am nächsten Tag die Morgenröte heraufzog, schickte Gott einen Wurm, der den Rizinusstrauch annagte, so dass er verdorrte. 8Und als die Sonne aufging, schickte Gott einen heißen Ostwind. Die Sonne stach Jona auf den Kopf, so dass er fast ohnmächtig wurde. Da wünschte er sich den Tod und sagte: Es ist besser für mich zu sterben als zu leben. 9Gott aber fragte Jona: Ist es recht von dir, wegen des Rizinusstrauches zornig zu sein? Er antwortete: Ja, es ist recht, dass ich zornig bin und mir den Tod wünsche. 10Darauf sagte der Herr: Dir ist es leid um den Rizinusstrauch, für den du nicht gearbeitet und den du nicht großgezogen hast. Über Nacht war er da, über Nacht ist er eingegangen. 11Mir aber sollte es nicht leid sein um Ninive, die große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die nicht einmal rechts und links unterscheiden können - und außerdem so viel Vieh?

 

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Fehler machen

Fehler machen darf man nicht. Klar. Sonst wird man bestraft. Das geht in der Schule los und oft und oft schon lange vorher. Wenn ich Fehler mache, haben meine Eltern mich nicht mehr lieb. Wenn ich die Tasse oder gar die ganze Kanne mit Kakao umschmeiße. Wenn ich das neue teure Spielzeug zerlege. Wenn ich weg laufe. Woran erinnern Sie sich bei Fehler und Strafe?

Und dabei macht man als Kind andauernd Fehler. Je jünger, je mehr. Jedoch je jünger, mit umso größerem Verständnis und umso größerem Humor werden sie hingenommen. Ich kann noch nicht richtig laufen. Immerzu falle ich hin. Die Erwachsenen lachen und trösten. Ich kann noch nicht richtig sprechen. Trotzdem plappere ich los. Ich rede lauter Unsinn. Ahme nur erst einmal Laute nach und habe Freude daran, Geräusche zu machen. Und lache, wenn die Erwachsenen auch lachen. Je kleiner ein Kind, umso fehlerfreundlicher sind die Erwachsenen.

Irgendwann schlägt das aber um. Dann darf man möglichst keine Fehler mehr machen. Und ich bekomme selbst Angst, einen Fehler zu machen. Und ich verkrampfe mich und mache erst recht Fehler. Allein im Zimmer vorhin, da konnte ich das Gedicht noch einwandfrei aufsagen, aber jetzt vor den anderen und in Gegenwart vom Nikolaus oder von der dicken Tante aus Quakenbrück da geht es nicht mehr. Und ich spüre die Erwartung und den Druck und die Enttäuschung. Aber es geht nicht, ich schäme mich, renne raus und heule.

Oder ich bin beim Basteln. Ich schneide gerade etwas aus, aber es klappt nicht so genau. Meine Mutter nimmt mir die Schere und die Pappe weg. „Du schneidest sowieso eher alles kaputt und dann passt nichts mehr. Das wird doch nichts. Komm ich mach’s Dir…“ Mal ist das ja hilfreich. Aber wenn das immerzu passiert, dann lerne ich nie, etwas selber und allein zu machen. Ich bleibe unselbständig und abhängig.

Das kann auch mit dem lieben Gott so gehen oder mehr noch mit seinem Bodenpersonal. Früher im Beichtstuhl konnte einem ein sehr strenger Beichtvater begegnen. Überhaupt nicht fehlerfreundlich, sondern Angst verbreitend, nachbohrend und belehrend und mit harten Worten über Strafe und Verdammnis redend. Gar nicht zuerst barmherzig und liebevoll und vergebend – wie Jesus seinen himmlischen Vater schildert. Immer wieder habe ich Menschen getroffen, die solche Härte erfahren haben. Furchtbar. Mir ist es – Gott sei Dank – nie so gegangen. Ich bin immer erleichtert und froh und glücklich aus dem Beichtstuhl gekommen. Es ist alles wieder gut. Und ich kann neu anfangen.

Noch besser ist, wenn mir der Beichtvater hilft, aus meinem Fehler zu lernen. Jetzt springe ich mal zum Erwachsenenalter. Die junge Mutter klagt sich an: „Ich bin immer so ungeduldig mit meinen Kindern. Dabei habe ich sie doch lieb. Aber wenn sie dann wieder mit ihren Dreckschuhen reinkommen oder die Hausaufgaben nicht machen, dann schreie ich sie an. Und das will ich gar nicht. Es tut mir leid.“ „Was meinen Sie denn, wo diese Ungeduld herkommt?“ „Ja, ich bin so im Stress und überanstrengt und da bin ich dann ganz schnell aufgeregt und wütend.“ „Und was ist dieser Stress?“ „Ich möchte doch, dass es bei uns immer ordentlich und sauber ist, immerzu bin ich am Putzen und Aufräumen. Das wird mir einfach zu viel mit den Kindern.“ „Was ist denn wichtiger, das Putzen und Aufräumen oder eine gute Atmosphäre und eine etwas entspannte Mutter?“ „Ja, aber dann bin ich doch keine perfekte Hausfrau und Mutter…“ „Na und? Wenn Sie aber mal glücklich sind als Familie?“

So kann es einen echten Lerneffekt geben. Und ich kann dann noch weiter fragen, wo denn dieses Ideal herkommt, dass der Haushalt immer perfekt gemeistert sein soll, dass alles aufgeräumt und blitzsauber sein muss. Und dass alles, was Dreck macht, stört.

Ich darf Fehler machen. Ich muss nicht perfekt sein. Und echte Liebe ist sehr fehlerfreundlich. Kennen Sie die Schlussszene von „Manche mögen’s heiß, wo Osgood sich um nichts in der Welt von seinen Heiratsplänen abbringen lässt, selbst als sich die geliebte „Daphne“ als Mann outet: „Nobody is perfect.“

Das ist etwas übertrieben in der Fehlerfreundlichkeit aber herrlich komisch. Leider habe ich die Szene nur in Englisch gefunden, aber wie gesagt: „nobody is perfect…“

 

Viele Grüße

Thomas Gertler SJ

16. Oktober 2013

 

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