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Das Hohelied aus dem Alten Testament beschreibt zuerst die Faszination der Liebe zwischen Mann und Frau, aber schon innerhalb des AltenTestamentes ist dieses Liebeslied auf die Liebe zwischen Gott und seinem VolkIsrael gedeutet worden, wie dann später auf die Liebe zwischen Christus undseiner Braut, der Kirche. Ja, so frisch und poetisch, so hingerissen undbegeistert kann die Liebe sein zwischen Gott und Mensch.

2,7 Bei den Gazellen und Hirschen auf der Flur / beschwöre ich euch, Jerusalems Töchter: Stört die Liebe nicht auf, /weckt sie nicht, / bis es ihr selbst gefällt.

8 Horch! Mein Geliebter! / Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, / hüpft über die Hügel.

9 Der Gazelle gleicht mein Geliebter, /dem jungen Hirsch. Ja, draußen steht er / an der Wand unsres Hauses; er blickt durch die Fenster, / späht durch die Gitter.

10 Der Geliebte spricht zu mir: / Stehauf, meine Freundin, / meine Schöne, so komm doch!

11 Denn vorbei ist der Winter, /verrauscht der Regen.

12 Auf der Flur erscheinen die Blumen; /die Zeit zum Singen ist da. Die Stimme der Turteltaube / ist zu hören in unserem Land.

13 Am Feigenbaum reifen die ersten Früchte; / die blühenden Reben duften. Steh auf, meine Freundin, / meine Schöne, so komm doch!

14 Meine Taube im Felsennest, / versteckt an der Steilwand, dein Gesicht lass mich sehen, / deine Stimme hören! Denn süß ist deine Stimme, / lieblich dein Gesicht.

15 Fangt uns die Füchse, / die kleinen Füchse! Sie verwüsten die Weinberge, / unsre blühenden Reben.

16 Der Geliebte ist mein / und ich bin sein; / er weidet in den Lilien.

17 Wenn der Tag verweht / und die Schatten wachsen, komm du, mein Geliebter, / der Gazelle gleich, dem jungen Hirsch / auf den Balsambergen.

3,1 Des Nachts auf meinem Lager suchte ich ihn, / den meine Seele liebt. / Ich suchte ihn und fand ihn nicht.

2 Aufstehen will ich, die Stadt durchstreifen, / die Gassen und Plätze, / ihn suchen, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.

3 Mich fanden die Wächter / bei ihrer Runde durch die Stadt. Habt ihr ihn gesehen, / den meine Seele liebt?

4 Kaum war ich an ihnen vorüber, / fand ich ihn, den meine Seele liebt. Ich packte ihn, ließ ihn nicht mehr los, / bis ich ihn ins Haus meiner Mutter brachte, / in die Kammer derer, die mich geboren hat.

5 Bei den Gazellen und Hirschen der Flur / beschwöre ich euch, Jerusalems Töchter: Stört die Liebe nicht auf, / weckt sie nicht, /bis es ihr selbst gefällt.

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Rainer Sturm / pixelio.de


Faszination

Sind Sie auch so leicht entzündlich? Ganz schnell lasse ich mich faszinieren. Ein Buch nimmt mich gefangen. Ein Film bewegt mich. Eine Frage will ich beantwortet haben. Sich immer wieder so hinreißen lassen, das ist schön und gefährlich zugleich. Es ist schön, denn es setzt mich in Gang. Es macht mich munter. Es gibt mir Kraft. Gefährlich, weil ich mich dann sofort darauf stürze und alles andere liegen lasse. Ich lasse mich ablenken. Ich achte gar nicht auf die Zeit. Und schon sind wieder drei Stunden um, die ich mit dem Lexikon, mit dem DVD- Player oder dem Computer verbracht habe. Und wie oft frustrierend. Denn die Antwort finde ich nicht. Der Film war doch nicht so gut, wie es der Trailer verheißen hatte. Das Buch hat Längen und wird schließlich gar nicht weiter gelesen. Kommt Ihnen das vielleicht bekannt vor?

Die größte Faszination geht natürlich von den Menschen aus. Für wen haben Sie schon alles geschwärmt? Erinnern Sie sich noch? Oder sind Sie gerade jetzt für jemanden begeistert? Ich will hier meine Jugendschwärme gar nicht alle ausbreiten. Wer kennt schon noch Hans und Lotte Hass, das tauchende Ehepaar? Wie gern wäre ich mit ihnen auf Unterwasserjagd gegangen! Oder wer kennt noch Erich Wustmann, den Abenteurer im brasilianischen Urwald. Wie sehr gefiel mir Romy Schneider! Aber auch Leben und Tod von Jeanne d’Arc haben mich eine Zeit lang intensiv beschäftigt oder so ein Mann wie Thomas Morus mit seiner Klarheit, seinem Humor und seiner Liebe zu Christus und zur Kirche. Über die Bücher von Thomas Mann und Hermann Hesse habe ich öfter schon einmal geschrieben. Es gibt noch viele andere. Immer wieder Faszination, Begeisterung, Sehnsucht, alles über den Menschen zu wissen, zu lesen, zu erfahren.

Und dann nach einer guten Weile lassen sie nach die Begeisterung, die Anziehungskraft, die Faszination, dieses immer noch mehr Wissen und sich Vertiefen wollen. Und heute? Nun die Faszination gibt es zum Glück immer noch. Aber nicht mehr so anhaltend. Und was Bücher betrifft, sehne ich mich nach dem Abtauchen von früher in den „Zauberberg“ oder das Versinken im „Glasperlenspiel“. So gefangen nimmt mich kaum mehr ein Buch. Schade! Wie ist es bei Ihnen? Immer noch mal wieder entflammt? Oder Abgeklärt? Enttäuscht? Gelangweilt?

Nein, ich kann sagen, dass eine Faszination noch nichtnachgelassen hat. Und das ist das Faszinosum Gottes. Berührt hat es mich schonrelativ früh. Und auch das habe ich schon erzählt. Es ging mit fünf Minuten Gebet los. Da war ich noch Ministrant und unser Kaplan hatte uns einmal gefragt, ob man von den 1440 Minuten, die der Tag hat, nicht fünf Minuten Gott schenken könnte. Und das habe ich getan und das hat mein Leben verändert. Nicht nur, dass aus den fünf Minuten in zwei Jahren „meine halbe Stunde“ geworden war, sondern was ich erlebte, das hat mich nicht mehr los gelassen.

Die Mühsal des Aushaltens und Stillhaltens. Das Gestammel und die Unfähigkeit zu beten. Wie lang können nur fünf Minuten sein! Und wie viel geht einem immer wieder an Ablenkendem durch den Kopf! Dann aber die Erfahrung der Freude, des Glücks, des Trostes, des Lebenssinns. Ganz neue Landschaften tun sich auf. Es gibt viel zu staunen und zu spüren. Nichts anderes ist mit dem vergleichbar. Aber immer wieder Erfahrungen des Schreckens, der Unsicherheit, des Unglaubens und des schlechten Gewissens, der Ohnmacht und Enttäuschung. Ja, sogar so etwas wie Verzweiflung: es wird doch nie besser, anders, heiler und erlöster mit mir.

Und doch immer wieder in allem Auf und Ab die Faszination, das Angezogensein, die Nähe, der Friede, die Freundschaft, die Gewissheit und das Klären und Klarwerden der Trübnisse. Und Wunder geschehen. Nicht Wunder, die die Naturgesetze durchbrechen! Nein, aber dass sich etwas fügt. Dass etwas noch gelingt und gut wird. Dass ein Gespräch einen Durchbruch bringt. Dass mir doch wieder eine Idee kommt für die Predigt oder den Impuls und er wird doch noch fertig. Und Freundschaft und Nähe und Liebe. Und Frieden und Dankbarkeit. Faszinosum Gott. Gott sei Dank!

Dass es Sie auch immer wieder neu fasziniert, das wünsche ich Ihnen

15.Juni 2011

Thomas Gertler SJ

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