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Joh 12,20-26

Einige griechische Pilger, die nach Jerusalem gekommen sind, bitten die Jünger, Jesus sehen zu dürfen. Jesus macht den Jüngern unmissverständlich klar, was es bedeutet, Ihn zu „sehen“, nämlich in aller Konsequenz Jesu Leben zu teilen und seinen Weg mitzugehen. Das schließt Loslassen und Verlust nicht aus, verheißt aber letztlich Fruchtbarkeit und  Lebensgewinn.

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20 Auch einige Griechen waren anwesend - sie gehörten zu den Pilgern, die beim Fest Gott anbeten wollten.

21 Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: Herr, wir möchten Jesus sehen.

22 Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus.

23 Jesus aber antwortete ihnen: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird.

24 Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

25 Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.

26 Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

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Es ist Zeit

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.


Als könne er den Winter kaum abwarten. So klingt der Lyriker Rainer Maria Rilke zu Beginn seines Gedichtes „Herbsttag“ - ja, es ist eigentlich ein Gebet: „Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.“ Als habe der Dichter genug von Sonne, Wärme, langen Tagen, grünem Laub und heranreifenden Früchten. – „Herr: es ist Zeit.“

Uns geht es eigentlich genau umgekehrt: Oh, ist der Sommer schon vorbei? Wehmütig stellen wir fest, dass die Tage wieder deutlich kürzer sind. Unaufhaltsam rückt die kalte Jahreszeit heran, werden die Winterreifen aus dem Keller geholt, Balkon und Garten winterfest gemacht. Passen den Kindern die Stiefel vom letzten Jahr noch? Und, ach, müssen die Geschäfte denn jetzt schon die Weihnachtsartikel aufbauen? Am liebsten möchten wir die Sommerzeit festhalten, unsere Uhren anhalten, anstatt sie Ende Oktober wieder auf „Winterzeit“ umzustellen. – Ach, Herr, ist es Zeit?

Was hemmt uns eigentlich so oft, mit der Zeit zu gehen? Wer mit der Zeit geht, kann ja nicht anders, als in der Gegenwart zu leben; und das wollen wir doch eigentlich! Um wirklich im Jetzt zu leben und auch für Neuland offen zu sein, braucht es aber immer wieder die Bereitschaft, loszulassen, die Bereitschaft, Vergangenes oder Überholtes zu verabschieden, Unabänderliches gut sein zu lassen, Konventionen und Gewohnheiten hinter uns zu lassen. Endgültig müssen – oder dürfen – wir ja eines Tages, wenn wir sterben, alles loslassen. „Das Totenhemd hat keine Taschen“, sagt der Volksmund.

Ein wenig können wir das Loslassen täglich einüben mit dem Tagesrückblick, dem Gebet der liebenden Aufmerksamkeitnach Ignatius von Loyola. Am Abend zu sagen: „Herr, es ist Zeit, den Tag an Dich abzugeben“, fällt freilich nicht immer leicht, vor allem dann, wenn sich noch etwas in mir regt, was mich ärgert, was noch unfertig oder halbherzig ist, was womöglich unwiderruflich schief gelaufen ist. Aber diese kleine Gebetsübung hilft mir, alles, so, wie es jetzt gerade ist, vertrauensvoll in Gottes Hand zu legen. Seiner Liebe kann ich es überlassen, so dass ich nicht selber zu bewerten und zu urteilen brauche. Er, Gott, vermag zu „richten“, nämlich neu auszurichten, was fehl läuft und durcheinander ist; eine Richtung zu weisen, wo Ratlosigkeit herrscht. Wer so vertrauensvoll zurückblickt und abgibt, wird Versöhnung finden und gut schlafen können, wenn der Schöpfer „seinen Schatten auf die Sonnenuhren legt“. Und abends auch nicht zu vergessen den Dank für alles Gelungene und Gereifte des Tages und auch mein Bitten um Zuversicht fürs Weitergehen.

Wenn ich (mich) auf Gott hin loslasse, dann befiehlt, gibt, drängt Er auf seine Weise zur Vollendung hin, zur reifen Frucht, ob es sich um einen meiner Lebenstage handelt oder um die Ordnung meines Lebens im Kleinen wie im Großen.

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Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.


Es bleibt aber wohl ein unruhiges Wandern, bis das Ziel erreicht ist. Und Manches, was im Sommer nicht getan wurde, lässt sich später nicht mehr nachholen. „Wer im Winter Sauerkraut essen will, muss im Sommer Kappes stampfen“, sagte einmal ein alter Westfale.   

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


Das Totenhemd hat keine Taschen. - Zwei besondere Tage erinnern uns in dieser Woche ans Loslassen, an unsere persönliche Vergänglichkeit und an die Endlichkeit der irdischen Welt, nämlich die Feste Allerheiligen und Allerseelen.  Aber im selben Atemzug feiern wir den Tod als das Tor zum Leben, zum Ewigen Leben, vereint mit Gott in der Herrlichkeit des Himmels!

„Herr: es ist Zeit.“ – Vielleicht können uns die Bäume, die ihre Blätter loslassen, weil sie schon um die neuen Knospen wissen, ein Sinnbild sein: Wofür ist es bei mir Zeit? Wo wünsche ich mir neues Vertrauen, tiefere Freiheit, neuen Aufbruch im Kleinen oder im Großen? - Gestern schenkte mir ein Kind einen Strauß riesiger leuchtender Ahornblätter. Ja, der Sommer war groß! Jetzt ist es Herbst. Aber ich weiß schon um den nächsten Frühling, der bestimmt kommt. „Wandere und singe“, sagt der hl. Augustinus, „am Ende der Straße wartet Gott auf dich.“

In diesem Vertrauen grüßt Sie herzlich
Marlies Fricke, Paderborn

31.10.2012

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