Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der Woche„Es ist, was es ist - sagt die Liebe“
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Beim Eucharistischen Kongress in Köln feiern wir als Gemeinschaft Christlichen Lebens einen meditativen Gottesdienst am Samstag, dem 8. Juni um 18.00 Uhr in der Kölner Jesuitenkirche St. Peter. Dazu sind Sie herzlich eingeladen. Darin geht es um ein eucharistisches Gebet, das schon sehr alt ist, das der hl. Ignatius von Loyola geliebt hat und das auch die Erfahrungen von Martha mit ihrer Tilli prägt. Es geht um die Wunden Christi an seinem Leib. Um die Leiden heute, in unseren Leben, in der Welt und am Leib Christi der Kirche. Es geht um die verwandelten, die verklärten Wunden des auferstandenen Christus, die er uns berühren lässt. Und durch die unsere Wunden Linderung und Wandlung erfahren.

© Thomas Gertler


Seele Christi, heilige mich,
Leib Christi, rette mich,
Blut Christi, tränke mich,
Wasser der Seite Christi, wasche mich,
Leiden Christi, stärke mich,
O guter Jesus, erhöre mich.
Birg in deinen Wunden mich.
Von dir lass nimmer scheiden mich.
Vor dem bösen Feind beschütze mich.
In meiner Todesstunde rufe mich,
zu dir kommen heiße mich,
mit deinen Heiligen zu loben dich
in deinem Reiche ewiglich Amen.

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„Es ist, was es ist - sagt die Liebe“

„Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst.
Es ist nichts als Leid, sagt die Trauer.
Es ist nichts als Schwäche, sagt die Ohnmacht.
Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“  Frei nach Erich Fried.

Vor 45 Jahren freuten wir uns auf unser erstes Kind.
Gott möge uns mehrere gesunde Kinder schenken, war der Wunsch in unserer Ehe. Im ersten Schwangerschaftsmonat (ich arbeitete damals in einer Allgemeinpraxis) erkrankte ich an Röteln. Unsere Freude war fortan begleitet von bangem Fragen, von zweifelnder Hoffnung. Ich weiß nicht, wie ich diese Monate ohne die behutsame Begleitung von lieben Menschen durchgestanden hätte.

Unsere Mathilde (Tilli) wurde geboren. Eine äußere Missbildung war nicht zu erkennen. Die Kinderärztin diagnostizierte einen Herzfehler, der uns sehr besorgt und überängstlich reagieren ließ, wenn unsere Tilli weinte - dies sollten wir versuchen zu verhindern -, bei einem Säugling ein schwieriges Unterfangen! Das Geräusch am Herzen war bald nicht mehr zu hören, und wir waren dankbar, doch ein gesundes Kind bekommen zu haben. Einen Monat später stellte ich eine milchige Trübung der Pupillen fest: Grauer Star als Folge der Rötelninfektion - so hatte ich gelernt. Durch eine baldig durchgeführte Operation und danach dem Tragen einer Brille würde unsere Tilli Versäumtes und Nichtgesehenes rasch aufnehmen und nachholen. So hatten wir geglaubt.

„Doch einmal hatte ich mit „Ja“ geantwortet ....“ (Dag Hammarskjöld)

Nach und nach sollten wir jedoch die ganze Schwere ihrer geistigen und körperlichen Behinderung wahr-nehmen; dies wurde uns noch deutlicher, als unsere Tochter Eva-Maria nach anderthalb Jahren und weitere zwei Jahre später unsere Tochter Monika zur Welt kamen.

Jeder Fortschritt ihrer Schwestern ließ uns ihre Behinderung und ihre Armseligkeit sehr deutlich werden.

Aber eben in ihrer Arm-Seligkeit, ihrer völligen Hilflosigkeit, ihrer vollständigen Angewiesenheit auf uns war und ist sie „selig“. Sie durchstrahlt unseren Schmerz, ihr Leid, ihre absolute Schwäche mit dem ihr eigenen Charme, der den Charme und die Zärtlichkeit eines überaus Menschen-freundlichen Gottes in unsere Familie bringt und wo sie so ihr Charisma ganz selbstverständlich lebt: nämlich die Liebe, die nicht fordert, die aber ganz offen ist zu empfangen.

„Lieben bis es weh tut“ (Mutter Teresa)

Es gab und es gibt aber auch Stunden, Tage, Nächte, wo ich, wenn ich unsere Tilli betrachte, nur den geschundenen und leidenden Gottesknecht vor mir sehe.

In ihrer Unschuld, in ihrer Ohnmacht, zu fehlen oder zu sündigen, ist sie IHM ähnlich, muss sie IHM auch im Leiden so ähnlich sein?  Ich halte es oft schwer aus.

Ich fühle dann so, wie Camus in „Die Pest“ schreibt: „Denn während es gerecht ist, dass der Wüstling niedergeschmettert wird, versteht man das Leiden eines Kindes nicht. Und es gab in Wahrheit nichts Wichtigeres auf Erden als das Leiden eines Kindes und das Grauen, das dieses Leiden mit sich bringt, und die Gründe, die man dafür finden muss.“

In ihren Krämpfen, die ihren sehr zarten Körper durchschütteln und dann in einen tiefen, erschöpften Schlaf, ähnlich einer Bewusstlosigkeit, führen, während ich an ihrem Bett besorgt ihren Puls und ihren Atem beobachte, erscheint mir ihr Zustand so erbärmlich, dass ich nicht mehr weiß, um was ich in rechter Weise beten soll. Ich horche dann einfach auf SEIN  „JA“ zu unserer Tilli. Anders könnte ich mein  „JA“ nicht täglich wiederholen.

Ihre herzlich gemeinten, aber unkoordiniert ausgeführten Liebesbezeigungen sind ab und zu in meinem Gesicht und an meinen Armen als „Merkmale“ ihrer Zuneigung zu erkennen.

Ganz alltägliche Verrichtungen wie Waschen, Wickeln, Füttern entfachen sich manchmal zum Zweikampf zwischen uns beiden, wobei sie meistens das Ganze viel lustiger findet als ich und sie hat offensichtlich die größere Ausdauer und Gelassenheit dabei.

Ihr gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus führt mir ganz deutlich die Grenzen meiner Kraft vor Augen, jawohl, buchstäblich, denn diese fallen mir dann manchmal bei ganz unpassender Gelegenheit zur Verwunderung meiner übrigen Familie zu.

„Gott gab uns Erinnerungen, dass wir Rosen im Winter haben“

Mit mir geht hier aber die Erinnerung und die Erfahrung der letzten 45 Jahre, dass ich immer wieder neue Kraft schöpfen durfte, wie aus einem nie versiegenden, immer tiefer werdenden Brunnen: Da waren immer wieder Menschen, vor allem meine Familie, unser Pfarrer, Freunde, in den letzten Jahren liebgewordene Menschen in der GCL und eben diese Gemeinschaft von Weggefährten, die mich in ihrem Gebet mit trugen. Kräftezehrende Situationen ließen mich zeitweise nicht nur vor den Menschen, sondern auch vor Gott stumm werden. Hilfreich waren mir in diesen Zeiten gemeinsames Beten und Singen. Eucharistiefeiern in der Pfarrei ließen mich teilhaben an einem Freudenmahl, worin ich Gottes Dienst an mir leibhaftig erfahren konnte.

Wie konnte ich diese Gott-Begegnung in den Sakramenten, aus denen ich mich nährte, unserer Tilli erfahrbar machen? Außer der Taufe und der Feier der Krankensalbung an ihrem 18. Geburtstag sind ihr die übrigen Sakramente verwehrt. Ein jahrelanges Ringen mit meinen Wünschen für sie, mit Gott und der Kirche folgte, bis mir die große Fülle der sakramentalen Begegnung auf unserem gemeinsamen täglichen Weg in einem Ausmaß erkennbar wurde, die mir das Wesen und Wunder des Sakraments ganz neu erschloss. Die von mir mitgefeierte Eucharistie wird Wegzehrung und Nahrung für uns alle. Ich will sie nicht für mich behalten. Ich könnte sie gar nicht, selbst wenn ich wollte.

Aus meiner Traurigkeit heraus, die mich mitten in der Farbenpracht der Natur überfällt, weil sie unsere Tilli nicht sehen kann, ahnte ich ebenfalls etwas von „Stellvertretung“. Ich schaue und staune und erzähle ihr davon, ich schaue für sie mit - ja, das geht und hilft uns beiden.

Bei rhythmischer Musik gerät Tilli in helle Freude, und wenn unsere Freude darüber gemeinsam ist, dann nehme ich sie auf meine Arme und wir tanzen; das ist für andere nicht gerade ästhetisch, aber für uns und für jeden, der gern lebt und liebt, ist es gegenwärtiges Erleben der Seligpreisungen: „Ihr Gelähmten - tanzt, Ihr Traurigen - lacht!“ Jetzt schon: “Selig“.

Martha Kempfle
5. Juni 2013

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