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Schon Jesaja ruft es im Namen Gottes seinen Landsleuten zu, wie denn ihr Leben wieder gut und heil wird, wie sie richtig leben mitten in einer falschen Welt.

© Foto: Jamain - CC BY-SA 3.0

Jes 58,6 - 12

58,6 Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: / die Fesseln des Unrechts zu lösen, / die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, / jedes Joch zu zerbrechen, 7 an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, / die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden / und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen. 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte / und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, / die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. 9 Wenn du dann rufst, / wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: / Hier bin ich. Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, / auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, 10 dem Hungrigen dein Brot reichst /und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf / und deine Finsternis wird hell wie der Mittag. 11 Der Herr wird dich immer führen, /auch im dürren Land macht er dich satt / und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, / einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt. 12 Deine Leute bauen die uralten Trümmerstätten wieder auf, / die Grundmauern aus der Zeit vergangener Generationen stellst du wieder her. Man nennt dich den Maurer, / der die Risse ausbessert, / den, der die Ruinen wieder bewohnbar macht.

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© Foto: Greg Hewgill - CC BY 2.0


„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“

Vielleicht haben Sie diesen Satz schon einmal gehört? Er ist seit 1968 durch die Studentenrevolution zu einem allgemein verbreiteten Spruch geworden. Theodor W. Adorno hat ihn in seinem Buch „Minima Moralia“ schon 1951 veröffentlicht. Es ist ein Satz, den man immer sagen kann, der immer gültig ist und durch den man immer schlau und gebildet und kritisch und auf der Höhe der Diskussion erscheinen kann. Sie können ihn ja mal einfach so einflechten beim nächsten Smalltalk und so ein bisschen resigniert dazu lächeln. Es sind auch schon viele Witze darüber und damit gemacht worden.

Vor allem ist er der große Entschuldigungszettel einer ganzen Generation. Dass nämlich auch mein Leben nicht so ganz ohne Risse und Sprünge ist, dass ich nicht alles das lebe, was meine Überzeugungen und Grundsätze sind. Dass ich inzwischen so gut bürgerlich angepasst lebe und meinen Toskana-Urlaub liebe. Dass der lange Marsch durch die Institutionen auch mich nicht unverändert gelassen hat. All das liegt eben auch daran, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt. Es gibt keine Nische, die heil und verschont bleibt in einer unheilen und kaputten Welt. Und wenn ich sie mir einzurichten versuche, die heile kleine Welt mitten in der großen kaputten, liegt gerade darin das Kaputte und Falsche, denn es ist angesichts des zerbrochenen Ganzen eine Lüge und ein verbotener Rückzug. Stimmt’s? Es gibt eben kein richtiges Leben im falschen.

Also kein richtiges Leben im falschen. Oder wie Adorno im selben Text sagt: „es gehört zur Moral, nicht bei sich selber zu Hause zu sein“. Also häuslich einrichten geht nicht mehr in dieser Welt. Keine Kuschelecke. Kein Superfernsehsessel und hoch gelegte Füße. Kein Mittagsschlaf. Keine Gemütlichkeit. Geht alles nicht oder es ist dann unmoralisch, so sehr bei sich selbst zu Hause zu sein und alles andere draußen zu lassen. Ja, es ist sehr ungemütlich, wenn es kein richtiges Leben im falschen gibt. Und die Konsequenzen sind dann so hoch moralisch. Ernsthaft und spaßfrei und radikal. Typisch deutsch ist eben nicht nur die Gemütlichkeit sondern auch die Radikalität und Moralität. Oh Adorno!

Was mach ich nun damit und was sage ich nun? Ja, auf der einen Seite hat Adorno recht und nochmal recht. Ja, es gibt kein zu Hause mehr. Das war mal. In die Kindheit hinein hat es geleuchtet, das Heimatgefühl. Und es ist immer noch die Sehnsucht jedes Menschen. Noch einmal so ganz zu Hause sein, geborgen, ohne Sorgen und nicht obdachlos. Wie wär es schön! Aber jetzt gilt, was schon Jesus von sich gesagt hat: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel haben ihre Nester, der Menschensohn aber hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8,20). Oder anders gesagt: Wir haben hier keine bleibende Stadt (Hebr 13,14). Sobald ich die Kindheit verlasse, verlasse ich auch diese Heimat, selbst wenn ich im Haus der Eltern wohnen bleibe.

Und wie finde ich heim? Wie wird es wieder heil und richtig, geborgen und ohne Sorgen? Erst im Himmel? Ja, endgültig erst im Himmel, aber jetzt finde ich selbst Heimat und das Rechte, indem ich anderen Heimat gebe und schenke. Und das geschieht, indem ich meinen Kindern, meiner Familie und meinen Freunden und auch dem Fremden so ein zu Hause gebe. Einen Ort, wo sie geborgen sind, wo sie geliebt sind, wo sie wachsen können. Und das erfahre ich auch, wenn ich es tue. Ich finde Heimat und das rechte Leben durch das Heimat Geben.

Und es gibt noch eine andere Möglichkeit. Haben Sie schon mal von der Allgäu-Orient-Rallye gehört? Ungefähr dreihundert alte Autos fahren mit jungen Leuten am Steuer nach Jordanien und bringen Sachen zu den Flüchtlingen und die alten Autos bleiben auch noch da. Abenteuer und zugleich anderen helfen. Ist doch toll! Viele der transportierten Hilfsgüter landen in den riesigen Flüchtlingslagern in Jordanien und machen das Leben dort leichter. So gibt es doch ein richtiges Leben im falschen. Nicht die Beine hoch legen, sondern in die Hand nehmen und helfen, dass Menschen wieder ein richtiges Leben, eine Heimat und ein zu Hause finden.

Es grüßt sie herzlich
Thomas Gertler SJ

10. Juni 2015

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