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Das Buch Zefanja schildert, was passiert, wenn der Mittelpunkt verloren geht und die Prahler sich dahin setzen. Und was geschieht, wenn sie wieder gefunden wird.

Dann wird alles wieder gut. Dann stellen sich die Freude und der Jubel wieder ein.

Ja, sogar Gott selbst jubelt und freut sich – über uns.

© Foto: Wikimedia Commons

Zefanja 3,11f.

3,11 An jenem Tag / brauchst du dich nicht mehr zu schämen, wegen all deiner schändlichen Taten, / die du gegen mich verübt hast. Ja, dann entferne ich aus deiner Mitte / die überheblichen Prahler und du wirst nicht mehr hochmütig sein / auf meinem heiligen Berg. 12Und ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk, / das seine Zuflucht sucht beim Namen des Herrn. 13 Der Rest von Israel wird kein Unrecht mehr tun / und wird nicht mehr lügen, / in ihrem Mund findet man kein unwahres Wort mehr. Ja, sie gehen friedlich auf die Weide / und niemand schreckt sie auf, wenn sie ruhen. 14 Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! / Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, / Tochter Jerusalem! 15 Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben / und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; / du hast kein Unheil mehr zu fürchten. 16 An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: / Fürchte dich nicht, Zion! / Lass die Hände nicht sinken! 17 Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, / ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, / er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, / wie man frohlockt an einem Festtag.

 

Ez 37, 26-28

37,26 Ich schließe mit ihnen einen Friedensbund; es soll ein ewiger Bund sein. Ich werde sie zahlreich machen. Ich werde mitten unter ihnen für immer mein Heiligtum errichten 27 und bei ihnen wird meine Wohnung sein. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. 28 Wenn mein Heiligtum für alle Zeit in ihrer Mitte ist, dann werden die Völker erkennen, dass ich der Herr bin, der Israel heiligt.

 

 

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© Foto: Thomas Gertler


Es geht wieder rund

Im Roman „Die Räuberbande“ von Leonhard Frank wird von dem überstrengen Lehrer Mager erzählt, der den Schülern klar machen wollte, was für ein genialer Künstler Albrecht Dürer war. ‚Dürer zeichnete mit bloßer Hand einen Kreis und setzte den Punkt in der Mitte. Und als man mit dem Zirkel nachmaß, stimmte es genau.’ Und der Lehrer machte es an der Tafel nach und das Ergebnis glich dem, was Sie oben sehen. Ziemlich eierig und komisch. Und die Geschichte als Maßstab für Kunst ist schrecklich.

Das Symbol des Kreises passt für mich gut zum Neuen Jahr. Der Jahreskreis beginnt sich wieder zu drehen. Es geht wieder rund nach den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr. Und ich lade Sie ein, einmal darauf zu achten, wie oft ihnen am Tag der Kreis oder das Rad oder die Kugel begegnet. Die meisten Uhren laufen noch im Kreis. Vom Wecker über die Armbanduhr bis zur Bahnhofsuhr.

Vor meiner Tür steht mein tapferes Rad und wartet darauf, dass ich es besteige. Und es ist mir ein Vergnügen, wenn ich mit meinen zwei Rädern an all den an der Ampel wartenden Vierrädern vorbei radle und als erster über die Kreuzung komme. Und da sehe ich auch schon die große runde Kirchturmuhr von St. Peter, wo ich heute um 9.00 Uhr Gottesdienst habe.

Der Kreis ist also ein Symbol für uns, dass es sich dreht und vorwärts geht. Und ab und zu liegt am Straßenrand eine Radkappe. Da war es zu schnell in die Kurve gegangen. Oder als meine Speichen vom Augsburger "Hoppelpflaster" locker geworden waren, habe ich mir eine Acht ins Rad gefahren. Da geht es dann nicht mehr so rund.

Zugleich ist aber der Kreis auch Zeichen für die stete Wiederholung des Gleichen. Die Jahreszeiten, die Monate, die Woche. Und so ist er auch Zeichen der Vollkommenheit. Der der Kreis hat weder Anfang noch Ende. Die Erde ist rund. Früher eine Scheibe, heute eine Kugel. Die Kugel ist das rundeste, was es gibt. Erde, Sonne, Mond und Gestirne, alle rund. Und nach der antiken Sage war auch der Mensch ursprünglich eine Kugel. Vollkommen und ganz, wie wir schon mal gesagt haben. Alle Gestirne drehen sich und sind damit unsere Zeitmaße. Aber uns liegen die selbstgemachten Räder, Uhren, Zahnräder, Kreise und Kugeln näher.

Für mich ist gerade der Kreis mit dem Punkt nicht nur Zeichen für das Rad mit Felge, Speichen und Nabe, mit dem ich täglich unterwegs bin. Es ist auch ein Zeichen oder Symbol für das Verhältnis von Zeit und Ewigkeit. Die Fläche, die vom Kreisumfang gebildet wird, ist Zeichen der Zeit. Da bildet sich gewissermaßen ein Zeit-Raum ab. Wenn man so will, unterteilt von den Speichen. Der Punkt in der Mitte ist aber der Konstruktionspunkt, dem der Kreis zugeordnet ist. Vom dem her er gebildet wird und seine Mitte findet. Dieser Punkt, der winzige ist es, der alles zusammen hält. Und wenn ich es genau nehme, ist dieser Punkt letztlich gar nicht winzig. Er hat gar keine Fläche, auch keine winzige. Er ist ausdehnungslos per definitionem. Er ist nämlich letztlich eine geistige Angelegenheit. Alle Punkte, die wir zeichnen wie der Lehrer Mager, sind eine Fläche, möge sie auch noch so klein sein. Sie sind kein Punkt, wie ihn die Mathematik versteht. Da ist das Loch, das der Zirkel ins Papier sticht, schon sprechender für mich. Dieses Loch als Mittelpunkt ist quasi gar nicht mehr Teil des real gezeichneten Kreises. Er ist ein Loch, eine Fehlstelle, nicht Teil des Kreises und doch sein Konstruktionspunkt. Und auf diese Weise ist dann Kreis und Mittelpunkt für mich Symbol für Zeit und Ewigkeit. Welt und Gott.

Viel einfacher und noch mit einer Moral versehen ist das in dieser Geschichte von Martin Buber (als das Lehrhaus darin kann man den ganzen Erdkreis sehen):

Rabbi Jizchak Meir erging sich einmal an einem Spätsommerabend mit seinem Enkel im Hof des Lehrhauses. Es war Neumond, der erste Tag des Monats Elul. Der Zaddik fragte, ob man heute den Schofar geblasen habe, wie es geboten ist, einen Monat, ehe das Jahr sich erneut. Danach begann er zu reden: "Wenn einer Vorsteher wird, müssen alle nötigen Dingen dasein, ein Lehrhaus und Zimmer und Tisch und Stühle, und einer wird Verwalter, und einer wird Diener und so fort. Und dann kommt der böse Widersacher und reißt das innerste Pünktchen heraus, aber alles andere bleibt wie zuvor, und das Rad dreht sich weiter, nur das innerste Pünktchen fehlt."

Der Rabbi hob die Stimme: "Aber Gott helfe uns: man darf´s nicht geschehen lassen!"
(Aus: Die Erzählungen der Chassidim.)

Das wünsche ich Ihnen für das neue Jahr, dass Ihnen dieses innerste Pünktchen erhalten bleibt, um das sich letztlich alles dreht! Lassen Sie es sich nicht rauben! Sonst geht es zwar rund aber ohne Mitte.

Thomas Gertler SJ

1. Januar 2014

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