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In den Zehn Geboten gibt es auch diesen Rhythmus von Arbeit und Ruhe. Und er wird in den beiden Fassungen der Zehn Gebote doppelt begründet. In der älteren Fassung der Zehn Gebote im Buch Deuteronomium (5. Buch Mose) damit, dass Gott sein Volk aus der Sklaverei der Fronarbeit in Ägypten befreit hat. Wir sollen frei sein. Wir sollen diese Freiheit wenigstens einmal in der Woche für einen ganzen Tag erfahren und alle, die mit uns leben genauso.

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Dtn 5,12 Achte auf den Sabbat: Halte ihn heilig, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht hat.

13 Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun.

14 Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Rind, dein Esel und dein ganzes Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Dein Sklave und deine Sklavin sollen sich ausruhen wie du.

15 Denk daran: Als du in Ägypten Sklave warst, hat dich der Herr, dein Gott, mit starker Hand und hoch erhobenem Arm dort herausgeführt. Darum hat es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht, den Sabbat zu halten.

In der jüngeren Fassung im Buch Exodus (2. Buch Mose) wird dieses Grundgesetz sogar im Handeln Gottes selbst festgemacht. Wie Gott schafft und arbeitet, so auch wir. Und wie Gott ruht, so sollen auch wir ruhen. Wir sind ja zum Ebenbild Gottes geschaffen. Ihn sollen wir nachahmen.

Ex 20,8 Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!

9 Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun.

10 Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat.

11 Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und ihn für heilig erklärt.

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Es bleibt (k)eine Lücke

Jetzt geht es nicht mehr anders, es wird Lücken geben. Es ist einfach nicht mehr zu schaffen für uns als Hauptamtliche in der Pfarrgemeinde. Bisher haben wir es immer noch so in etwa geschafft und die Lücken durch zusätzliche Anstrengung ausfüllen können. Nun aber geht es einfach nicht mehr. Es werden Lücken bleiben bei der Sorge um die Gemeinde. Nun wird das zu fühlen sein und es wird nun offenbar, dass nicht mehr alles geht. So sagte mir kürzlich eine „Hauptamtliche“ (schreckliches Wort!).

Wer hat diese Klage noch nicht gehört? Das betrifft ja nicht nur die Pfarrgemeinden. Das betrifft auch viele Arbeitsstellen. Die Verdichtung des Arbeitsprozesses nimmt so zu, dass für vieles, was früher selbstverständlich war, keine Zeit bleibt. Das bleibt eben offen. Das kann nicht mehr erledigt werden. Da bleibt eine Lücke.

Oder Altenpflege. Alles muss dokumentiert werden. Es muss so schnell gehen. Es ist alles vorgeschrieben. Es bleibt keine Zeit mehr zum einfach mal fünf Minuten Dasitzen und Erzählen. Es ist so dicht, dass kein freier Raum mehr bleibt, keine kleine Lücke. Und darin gerade besteht die Lücke. Es bleibt nur professionelle Versorgung. Für menschliche Zuwendung bleibt zu wenig. Die Lücke in der Menschlichkeit. Oder gibt es inzwischen Abrechnungszettel, wo drauf steht: Fünf Minuten die Hand halten? Zwei Minuten statt Haare kämmen, über die Haare streicheln?

Also da schließt sich unsere Zeiteinteilung so dicht ab, dass eben gerade keine Zeit bleibt für das Überflüssige, für das Unnötige, für das Liebevolle, das alles so sehr nötig ist. Es entsteht die Hetze und das so sehr unter Druck Stehen, dass ich aggressiv werde und dann depressiv und ohnmächtig. Ist das Phänomen des „Burn-out“, des Ausgebrannt seins hier anzusiedeln? Immer mehr, immer schneller, immer dichter, immer automatischer, immer mehr ohne dass ich innerlich noch dabei bin. Immer weniger von mir selbst bestimmt. Immer ferner von mir selbst. Immer mehr das Gefühl, es ist nicht mehr zu schaffen, es nicht mehr zu bewältigen. Immer mehr die Angst, ich gehe unter, ich ertrinke. Keine Lücke mehr für mich. Keine Hand, die mich ergreift und herauszieht.

Widerspruch im Begriff der Lücke: gerade weil alles so dicht, so geschlossen ist, gerade weil keine Lücke und kein freier Raum ist, gerade darum fehlt etwas, darum ist da eine Lücke. Darum bleibt da eine Leere. Fehlt Raum, fehlt Zeit. Also gerade dieses Dichte und Zugeschlossene unserer Zeitmaschine macht offenbar, dass etwas fehlt. Da ist ein Fehler. Je geschlossener unsere Welt, umso schlimmer.

Haben Sie schon einmal vom „horror vacui“ gehört? Das ist die Angst vor dem Vakuum. Die Angst vor der Leere. Die Angst davor, es könne einmal nichts sein. Die Angst, es könne einmal allein das Nichts übrig bleiben. Die Angst, ich müsste es einmal ganz allein im leeren Zimmer ohne jedes technische Gerät mit mir selbst aushalten. Die Angst, auf meinem leeren Schreibtisch liegt nur ein leeres Blatt und diese Leere steckt an, greift auf mich über und mir fällt nichts ein. Blatt und Kopf voller Leere. Horror vacui.

Der Horror vacui, die Angst vor dem Nichts schafft jede Menge Betriebsamkeit. Jede Menge Ablenkung. Jede Menge an Programm. Jede Menge an Tun und Machen und Schaffen. Mein Arbeitgeber lässt mir keine Lücke – gerade weil unser Betrieb so unter Druck steht. Und gerade weil das alles so viel ist, darum dann nach der Arbeit Party und Ablenkung und Vergessen wollen. Tanzen bis zum Umfallen. Und dann ein paar Pillen. Oder für Leute in meinem Alter eher Fernseher und Rotwein. Und das macht es dann noch schlimmer. Keinerlei Abstand mehr von sich selbst. Überhaupt kein Besinnen. Überhaupt kein Zurücktreten und keine Unterbrechung. Die völlig geschlossene, lückenlose, ausweglose Welt.

Lassen Sie mal bewusst eine Lücke. Die Lücke ist der Ausgang zum Glücke. Lassen Sie sich nicht so verdichten, dass Ihre Seele keinen Platz mehr findet und nicht mehr atmen kann. Immerhin haben Sie Zeit gefunden, den Impuls bis hier hin zu lesen – gut! Ja, gerade dieses Gefühl, dass es zu dicht ist, dass unsere Welt, Arbeitswelt, Freizeitwelt, Familienwelt zu lückenlos gefüllt ist, das gerade lässt das Gefühl der Leere, der Wüste, des Ertrinkens entstehen. Da müssen die Lücke, der Ausweg, der Abstand, die Unterbrechung gesucht werden. Die völlig verschlossene Welt ist hoffnungslos und todgeweiht. Die Lücke öffnet uns über diese Welt hinaus zu Gott. Auch die schmerzliche Lücke.

Suchen Sie bitte jeden Tag eine solche Unterbrechung, in der Sie nichts tun, gar nichts tun. Nur dasitzen, nur Luft holen und einatmen und ausatmen. Und diesem Rhythmus lauschen. Es ist der Rhythmus des Lebens. Wie die Welle am Strand, die heranrauscht und zurückläuft. Zugreifen und loslassen. Fülle und Leere. Arbeiten und Ruhen. Eilen und Verweilen. Nähe und Abstand. Schaffen und Erschlaffen. Wachen und Schlafen. Ja sagen und nein sagen. Annehmen und Ablehnen. Merken Sie wie Ihr Atem geht? Und was ist selbstverständlicher und leichter bei Ihnen? Das Einatmen oder das Ausatmen? Merken Sie überhaupt einen Unterschied? Es muss beides sein. Wenn nur Platz für eines da ist, dann gehe ich zugrunde.

Und wenn Sie so dasitzen und nur atmen, dann beginnt es in Ihnen zu beten. Öffnet sich ein Spalt zum Himmel. „O Heiland reiß die Himmel auf…“

Dass Sie Ihren Rhythmus finden, der Sie atmen lässt, einatmen und ausatmen mit Leib und Seele wünscht Ihnen

Thomas Gertler SJ

14.12.2011

 

Immer bleibt etwas offen.
Immer klafft eine Lücke.

Gerade das lässt mich hoffen.
Eingang und Ausgang zum Glücke.

(TG)

Vom Nutzen der Leere

Dreißig Speichen treffen die Nabe
Die Leere in der Mitte macht das Rad

Ton formt man zu einem Krug
Die Leere in der Mitte macht das Gefäß

Türen und Fenster bricht man in Mauern
Die Leere in der Mitte macht das Haus (Laotse)

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