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Der Text, der immer noch am besten passt zu Ferien, ist dieser berühmte Text aus dem Buch Kohelet (evangelisch Prediger). Jegliches hat seine Zeit: Arbeiten und Ruhen. Es gibt ihn auch vertont von den berühmten alten Puhdys, bei denen auch noch was aus dem Hohenlied mit unter gemixt ist.

© Wode


Kohelet 3,1 Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

2 geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;

3 töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;

4 weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;

5 Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;

6 suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;

7 zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;

8 lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

9 Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.

10 Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen.

11 Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

12 Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.

13 Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

14 Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll.

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© Thomas Gertler


Erholen – aber richtig!

O endlich Ferien! Die wichtigste Zeit im Jahr. Endlich ganz und gar meine Zeit! Endlich selbst bestimmen und endlich faulenzen. Das muss aber nun auch wirklich schön werden! Wenn diese Zeit nicht gelingt, dann ist das ganze Jahr im Eimer! Ja, und damit habe ich schon den ersten Fehler bei der richtigen Erholung gemacht. So viel an Sehnsucht, Hoffnung, Erwartung habe ich auf diese Zeit gepackt, dass eine Erfüllung kaum mehr möglich ist. Und schon sind Enttäuschung, Zorn und Wut vorprogrammiert. Also die Ferien nicht zu stark emotional aufladen, sonst kommt es leicht zur Explosion! Gerade das ist im Urlaub nicht gut. Den Urlaub eher entspannt angehen! Denn darum geht es, die Anspannung mal runterfahren.

Jetzt will ich aber mal gar nichts tun und faulenzen. Einfach nur tun, wozu ich Lust habe. Nur meinem Bauch folgen. Denn sonst muss ich immer tun, was andere wollen. Jetzt will ich mich einfach so treiben lassen. Ja, das mach ich meistens am Beginn der Ferien auch. Und da ist es auch gut so. Aber es wird mir sehr schnell über. Beim reinen Nichtstun oder beim bloßen sich treiben Lassen stellt sich immer stärkere Unlust ein. So wie bei Kindern: Ich habe zu nichts Lust! Willst du nicht doch mit zum Baden fahren? Nee, keine Lust! Dann liest doch Harry Potter. Das wolltest du doch so gern! Nee, keine Lust. Und ein Bild malen? Nee, keine Lust. Zu nix Lust. Nächster Punkt der falschen Erholung: bloßes Nichtstun und sich treiben lassen, erholt nicht sondern macht unfroh. Allein der Lust folgen, bringt Unlust.

Richtig ist: das tun, was mir gut tut, nicht nur das, was nur angenehm ist. Angenehm ist Erdbeertorte mit Schlagsahne oder noch besser Schwarzwälder Kirschtorte, o, wie lecker. Aber in Mengen tun sie mir nicht gut. Einmal ein Stück, in Ordnung. Aber glücklich macht sie nicht auf Dauer. Und was tut mir gut? Es tut mir gut ein richtig langer ausführlicher Spaziergang, mindestens zwei bis drei Stunden. Beim einfachen Gehen verliert sich so vieles. Der Kopf wird wieder frei. Ich genieße die Natur. Ich atme tief. Ich schmecke die Luft und den Sommer. Die Harmonie der Landschaft bringt mich in Einklang und Frieden. Und so lange sollte ich schon laufen, bis dieser Frieden sich einstellt. Wie Erich Kästner schreibt:

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

Also lassen Sie sich trösten! Und was tut mir noch gut? Es tut mir gut, mal wieder ins Kino zu gehen und einen anspruchsvollen Film anzuschauen. Einmal wieder in eine ganz andere Welt einzutauchen, alles andere zu vergessen und wie verwandelt aus dem Kino zu kommen. Es tut mir nicht gut, einfach nur vor dem Fernseher zu hocken und herum zu zappen, bis ich die Fernbedienung voller Frust in die Ecke schmeiße. Ekelhaft.

Es tut mir gut, selbst wieder ein Bild zu malen. Das kostet erst einmal Mühe. Nicht nur wegen der Malsachen, die man mitnehmen muss, nein, ich muss mich nach Monaten des Nicht-Malens erst wieder eingewöhnen. Das Malen wieder lernen. Es braucht auch eine innere Freiheit dafür. Darum ist der Urlaub gut geeignet. Auch die Freiheit, dass ein Bild nichts wird. Aber dann wenn ich wieder richtig drin bin, alles um mich her zu versinken zu lassen und ganz und gar beim Malen zu sein. Ja, das erholt so richtig, dieses ganz dabei sein. Und es ist ein anderes Wort für Glück.

Und noch etwas ist wichtig zum richtigen Erholen. Zeit. Langsamkeit. Gelassenheit. Also erstens Zeit. Es müssen für mich in meinem Alter mindestens drei Wochen am Stück sein. Denn die Erholung beginnt erst nach einer Woche. Sieben Tage brauche ich, um mich umzustellen. Um die Geschwindigkeit zu drosseln. Um am Urlaubsort anzukommen und mich einzufinden. Also Langsamkeit oder einfach nur meine eigene Geschwindigkeit finden. Die Dinge nacheinander zu tun. Dann kommt auch die Gelassenheit.

Und was mir gut tut, ist das tägliche bewusste Gebet. Auch sonst bete ich ja. Da ist so oft der Alltag mit seinen Sorgen das Thema. Im Urlaub kann ich mal tiefer schauen und aufsteigen lassen, was so im Laufe des Jahres verschüttet wurde. Jetzt kann ich auch entspannter und gelöster und freier beten. Also nicht Urlaub von Gott. Sondern Urlaub mit Gott. Und in den Frieden kommen. Die Kirchen anschauen, die am Ort sind und ihre Atmosphäre auf mich wirken lassen. Ich freue mich schon, die evangelische Marktkirche in Hannover wieder zu sehen. Auch mal eine protestantische Predigt zu hören. Katholische kann ich ja selber halten...

Von Herzen wünsche ich Ihnen Erholung – aber richtig. Und wir machen jetzt auch mit den Impulsen eine Pause von drei Wochen. Wenn Ihnen das zu lang ist schauen Sie mal nach links unter „Alle Impulse“. Da finden Sie mehr, als Sie in drei Wochen schaffen können.

Es grüßt Sie herzlich!
Thomas Gertler SJ

31. Juli 2013

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