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Wo ist eigentlich Gottes Eigentum, in das er kommen will? Sein Eigentum sind die Herzen der Menschen. Dort steht er vor der Tür und klopft an (Offb 3,20), dort will er uns finden. Keine Leistung sucht er dort, keinen zweifellosen Glauben, sondern einzig Vertrauen:

© Foto:Yair Haklai - CC BY-SA 3.0


„Ich glaube an Gott.
Mein Bruder, der Zweifel, fällt mir gelegentlich heftig ins Wort. Er hat gute Argumente, und ich verbiete ihm nicht den Mund.
Mich hält der Glaube meiner lebenden und toten Geschwister. Sie wärmen mir die Psalmen und das Vaterunser, dass ich sie beten kann.
Allein wäre ich zu klein für die Last und die Schönheit des Glaubens.
Die beste Nachricht des Glaubens: Ich muss mich weder gründen noch begründen.
Ich bin begründet, ehe ich mein Fundament selber lege. Ich bin gefunden, ehe ich mich suche.“

Fulbert Steffensky, in:
Die Zeit / Christ und Welt 23.12.15

Seitwert
© Foto: Private Property, NYC 2011,
© www.foto-lounge.de


„Er kam in sein Eigentum …“

Was hat solch ein Warnschild in der Weihnachtsoktav zu suchen: „Privateigentum betreten verboten“? Haben wir doch gerade erst die Tür‘ hoch und die Tor‘ weit gemacht, ja sogar Heilige Pforten geöffnet; ist doch gerade erst „der Herr der Herrlichkeit“ gekommen und hat Gott als Kind in Betlehem leibhaftig die Erde betreten.

Am vorletzten Tag des Jahres 2015 soll die norddeutsche Malerin Paula Modersohn-Becker (1976 - 1907) mit einem Brief zu Wort kommen, geschrieben ganz am Ende des Jahres 1900. Der Text findet sich auf einer Tafel am Aasee in Münster:

An Rainer Maria Rilke

Bremen
Wachtstraße
Immer noch Weihnachten

Lieber Freund

Mir ist die ganze Zeit so nach Weihnachten zu Mute und mir ist so, als müßte ich zu Ihnen kommen und Ihnen das sagen. Es ist solch ein wunderbares Fest. Und ist eines das lebt und wärmt. Es ist ein Fest für Mütter und Kind, und auch für Väter. Es ist ein Fest für alle Menschheit. Es kommt über einen, und legt sich warm und weich auf einen und duftet nach Tannen und Wachskerzen und Lebkuchenmännern und nach vielem, was es gab und nach vielem, was es geben wird.

Ich habe das Gefühl, dass man mit Weihnachten wachsen muß. Mir ist, als ob dann Barrikaden fallen, die man mühsam und kleinlich gegen so vieles und viele aufgebaut hat, als ob man weiter würde und das Gefäß allumfassend, auf daß darin jedes Jahr eine neue weiße Rose aufblüht und den anderen zuwinkt und sie hineinleuchtet und ihnen die Wange streicht mit ihrem Geschimmer und die Welt erfüllt mit Schönheit und Duft.

Und das ist Leben, und ist ein Leben wie ein Gebet, ein frommes Gebet, ein jauchzendes Gebet, ein liebliches und lächelndes Gebet, welches immer tiefer hinabsteigt in den Sinn des Seins, dessen Auge größer wird und ernster, weil es viel gesehen…“

Der Brief der Worpswede-Schülerin an den Dichter in Berlin mag Anregung sein zu einer persönlichen Reflexion am Jahresende:

    Wärme, Schönheit, Duft, Geschimmer, „es kommt über einen“, so die junge Malerin.
    Was ist in diesem Jahr Ihr wichtigstes Bild, Gefühl oder Wort von Weihnachten? Vielleicht eine Erfahrung, eine Erkenntnis, eine Sehnsucht? Lassen Sie es noch einmal über sich kommen und einwirken. Könnte das eine Weisung für das neue Jahr sein?
    „Barrikaden, mühsam und kleinlich aufgebaut …“
    Wo spüren Sie Barrikaden, etwa gegenüber Menschen oder Gefühlen; Abschottung gegenüber Veränderung oder Fremdem, gegenüber Herausforderung und Wachsendürfen? Manche Barrikade mag sinnvoll und schützend sein. Wo hingegen wünschen Sie sich, dass eine Barrikade abschmilzt oder fällt?
    „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1,11-12).
    Was möchten Sie Gott (neu) zu-eignen? Was ist in diesem Jahr (mit Weihnachten) in Ihnen oder durch Sie gewachsen? Ist etwas weiter geworden oder (neu) aufgeblüht?

„Immer noch Weihnachten“, so datierte die junge Paula ihre Zeilen an ihren Künstlerfreund Rilke. - „Immer noch Weihnachten“, könnte über jedem Tag des neuen Jahres stehen. Denn mit der Geburt Christi hat unsere Erlösung ihren Lauf genommen, und sie bleibt, täglich, Wirkkraft und zugleich Geheimnis unseres Glaubens.

Ein vertrauensvolles Hineingehen an Gottes Hand ins ANNO DOMINI 2016 wünscht Ihnen
Marlies Fricke (GCL)

30. Dezember 2015

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