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In der Zeit, als Paulus die Gemeinde in der griechischen Stadt Korinth aufbaute, konnte man billig auf dem Markt Fleisch kaufen, das von einem Tieropfer für einen der griechischen Götter übrig geblieben war. Manche Christen hatten keine Schwierigkeit, solches Fleisch zu kaufen und zu essen. Denn sie waren ja überzeugt, dass es diese Götter nicht gibt und man sie durch dieses Essen eben nicht verehrt. Andere Christen machten sich schon ein Gewissen daraus und wollten es nicht essen, um keine Götzendiener zu sein. Paulus schreibt in diesem Zusammenhang das entscheidende christliche Bekenntnis zu Gott, zur Freiheit und zugleich zur Rücksichtnahme. Was mit heute noch zu tun hat, ist diese Aussage: „solche Götter und Herren gibt es viele“ und manchen werden sie zum Verhängnis…

1 Kor 8,1 Nun zur Frage des Götzenopferfleisches. Gewiss, wir alle haben Erkenntnis. Doch die Erkenntnis macht aufgeblasen, die Liebe dagegen baut auf.

2 Wenn einer meint, er sei zur Erkenntnis gelangt, hat er noch nicht so erkannt, wie man erkennen muss.

3 Wer aber Gott liebt, der ist von ihm erkannt.

4 Was nun das Essen von Götzenopferfleisch angeht, so wissen wir, dass es keine Götzen gibt in der Welt und keinen Gott außer dem einen.

5 Und selbst wenn es im Himmel oder auf der Erde sogenannte Götter gibt - und solche Götter und Herren gibt es viele -,

6 so haben doch wir nur einen Gott, den Vater. Von ihm stammt alles und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn.

7 Aber nicht alle haben die Erkenntnis. Einige, die von ihren Götzen nicht loskommen, essen das Fleisch noch als Götzenopferfleisch und so wird ihr schwaches Gewissen befleckt.

8 Zwar kann uns keine Speise vor Gottes Gericht bringen. Wenn wir nicht essen, verlieren wir nichts, und wenn wir essen, gewinnen wir nichts.

9 Doch gebt Acht, dass diese eure Freiheit nicht den Schwachen zum Anstoß wird.

10 Wenn nämlich einer dich, der du Erkenntnis hast, im Götzentempel beim Mahl sieht, wird dann nicht sein Gewissen, da er schwach ist, verleitet, auch Götzenopferfleisch zu essen?

11 Der Schwache geht an deiner «Erkenntnis» zugrunde, er, dein Bruder, für den Christus gestorben ist.

12 Wenn ihr euch auf diese Weise gegen eure Brüder versündigt und ihr schwaches Gewissen verletzt, versündigt ihr euch gegen Christus.

13 Wenn darum eine Speise meinem Bruder zum Anstoß wird, will ich überhaupt kein Fleisch mehr essen, um meinem Bruder keinen Anstoß zu geben.

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Emotion pur

Erinnern Sie sich an die Sommerolympiade in diesem Jahr? Das war doch Emotion pur. Das war doch das totale Gänsehautfeeling. Jeden Tag und immer nur. Emotion pur. Pur. Puuur. So das Wort der Journalisten bei fast allen Übertragungen. Auch wenn Deutschland gerade ins Wasser fiel. Nein, trotzdem Gänsehautfeeling und Emotion pur – wenigstens als Hoffnung und Sehnsucht, wenn schon nicht als Wirklichkeit. Dieses Wort „Emotion pur“ ist mir damals aufgefallen und hat inzwischen große Karriere gemacht. Es gibt nun Emotion pur nicht nur im Sport, sondern in allen Erlebnisbereichen. Geben Sie es einmal bei „Google“ ein, Sie werden sich wundern.

Das Wort ist mir aufgefallen und es hat mich gestört. Was hat mich eigentlich gestört? Es wirkte auf mich eher wie eine Beschwörungsformel als eine Beschreibung der Wirklichkeit oder besser des Erlebten. Also es soll ja besonders bei Olympia dieses totale und absolute Gefühl geben. Sieger und Bester und Größter und ganz Deutschland mit. Oder auch die Enttäuschung und der Verlust – natürlich für die anderen. Aber dieses Gefühl stellte sich so meist nicht ein. Jedenfalls nach meiner Beobachtung nicht bei den Reportern, die es dauernd im Munde führten. Es wirkte auf mich unecht, unglaubwürdig und übertrieben. Es wurde den interviewten Sportlern in den Mund gelegt. Sie sollten es haben. Damit es auch die Zuschauer miterleben.

Darauf kommt es an, die „Emotion pur“ soll vermittelt werden. Denn das bewegt. Das reißt mit. Das gibt Einschaltquote. Emotionen bewegen. Emotionen sind große Kräfte. Auch die Emotionen anderer Leute. Immer sollen sie rüberkommen. Und dafür wird dann auch auf die Tube gedrückt und herbeigeredet, was so gar nicht da ist. Es wird geweckt und aufgestachelt und animiert. Und das hinterlässt einen ganz üblen Nachgeschmack. Weil die Gefühle der Sportler benutzt werden. Weil ich als Zuschauer bedient werde.

Und es geht noch tiefer. Dieser Wunsch und Wille nach „Emotion pur“ löst eine Spirale aus. Es soll immer noch stärker werden das Gefühl. Es soll immer noch heftiger werden. Es soll immer noch überwältigender sein. Eine Art Suchtspirale. Um das Gefühl zu erreichen, braucht es eine immer größere Dosis. Nicht nur schneller, weiter höher, sondern lauter, schriller, heftiger. Und dann wird es immer unerträglicher. Das endet in der Frustration wie bei der Sucht. Das ist der Teufelskreis vieler Medien. Das ist ein Teufelskreis des Erlebnishungers und Lebenshungers bei vielen Menschen.

Was sich meldet in diesem totalen und absoluten Erlebenswunsch ist etwas zutiefst Menschliches. Und das mag jetzt vielleicht erstaunen. Es ist dahinter eigentlich der Wunsch nach der Totalität und dem Absoluten, die es so hier nicht geben kann. Genauer gesagt, die es hier und jetzt immer nur als Kostprobe und für Augenblicke und als Verheißung gibt. Also es gibt diese Erfahrung des Totalen und Absoluten, ja, das gibt es. Aber nicht auf Dauer und nicht als etwas Herstellbares. Immer wieder wird versucht, es zu machen, es zu produzieren, aber gerade das verursacht dieses üble Gefühl der Manipulation, der Lüge, des Unechten, des Kitschs.

Was sich meldet in diesem Wunsch nach „Emotion pur“ ist das, was man früher Seligkeit genannt hat. Absolut und total ist letztlich nur Gott allein. Der Wunsch und die Sucht nach dem Absoluten und Totalen ist der letztlich Wunsch nach Gott. Und es ist es gar nicht so falsch, wenn da immer von den Göttern des Sports und von Fußballgöttern gesprochen wird. Da gibt es anscheinend immer wieder diese Augenblicke des Totalen und Absoluten im Erleben...

Und auch mit treibt diese Szene aus dem Jahr 1954 – unbedingt anklicken! –  immer wieder mal Tränen in die Augen. Nur wenn ich sie mir zehnmal hintereinander anschaue, dann wirkt es gar nicht mehr, sondern es wird mir übel. Emotion pur lässt sich eben nicht produzieren und nicht andauernd wiederholen. Götzenverehrung bekommt nicht.

Auch bei der rechten Gottesverehrung sind Momente der Erfahrung des Totalen und Absoluten selten. Es gibt sie wie die Erfahrung der Verklärung Jesu auf dem Berg (vgl. Mk 9,2-10). Aber sie vergehen und lassen sich nicht herstellen. Sie werden geschenkt. Wir wollen sie gern festhalten und wie Petrus eine Hütte auf dem Berg bauen. Das geht aber nicht. Und sie sind nicht Emotion pur, sondern mehr und anders und umfassender als alle anderen Glücksmomente, die wir sonst geschenkt bekommen und erfahren dürfen.

Dass Sie sich nicht mit „Emotion pur“ abspeisen lassen, sondern diese Erfahrung des lebendigen Gottes suchen und machen, das wünsche ich Ihnen!

Thomas Gertler SJ
24. Oktober 2012

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