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Die Bibel kennt Gott und die Welt, sie kann reden und schweigen, lachen, weinen und trösten. - Wie in einer Liebeserklärung beschreibt Egbert Ballhorn, Bibelwissenschaftler an der Uni Dortmund, seine Beziehung zur Bibel. Diese Liebe schließt Leid und Fragen nicht aus, aber sie ist bleibend:

© Foto: © Jorge Royan / www.royan.com.ar / CC-BY-SA-3.0

Sie ist, wie sie ist!
Manchmal schweigt sie tagelang, und plötzlich kommt ein Satz, der mich trifft. Hat sie dabei zu mir hingeschaut? Wie oft setzt sie ihren eigenen Kopf durch! Sie ist so eigensinnig, aber voller Charme. Wenn sie lacht, steht die Zeit still. Und wenn sie weint, zerreißt es mir das Herz. Aber sie kann auch trösten, mit einer feinen Geste, mit wenigen Worten.

Sie hat ein Gesicht, das man so schnell nicht vergisst. Die vielen Falten erzählen ihre Geschichte. Mag sie auch alt sein, sie denkt modern. Sie hat keine Lust, sich beeinflussen zu lassen. Sie kennt Gott und die Welt. Wie ein Wasserfall kann sie reden. Nicht immer mag sie zuhören. Manchmal will sie nur, dass ich bei ihr bleibe. Dann brauche ich viel Geduld und Zeit. Besonders, wenn sie nur in der Vergangenheit kramt. Aber sie hat auch Geduld mit mir – und immer Zeit.Mein ganzes Leben kennen wir uns schon. Doch wenn sie zornig wird, dann möchte ich nicht schuld sein, in diesem Zornesregen stehen. Und gerade dafür liebe ich sie: dass sie so verletzlich ist, empfindlich für alles Leid der Welt. Und dass sie diesen unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn hat. Selten antwortet sie, wenn ich sie frage. Das irritiert mich oft. Aber irgendwie schafft sie es immer, auf das zurückzukommen, was mir wichtig ist. Sie ist eine ganz besondere!

Egbert Ballhorn (Linzer Bibelsaat Nr. 100/April 2007)

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© Foto: Thomas Gertler


Einmal täglich

Eine neue Bibelgruppe hat sich gebildet. Die Teilnehmer erzählen sich beim Vorstellen, ob sie eine bestimmte Bibelübersetzung besonders gerne mögen. Die meisten haben die Einheitsübersetzung mitgebracht, ein jüngerer Mann den „Fridolin Stier“ und eine Studentin die „Jerusalemer Bibel“. Er blättere auch gerne einmal in seiner griechischen Bibel, sagt ein Theologe, „möglichst nah am Urtext“, bevor eine evangelische Teilnehmerin ihre Luther-Übersetzung zeigt. Die letzte in der Runde ist eine Witwe um die 60, die von ihren fünf Kindern erzählt und von dem Handwerksbetrieb ihres Mannes, den sie weiterführt. Sie höre zum ersten Mal etwas von unterschiedlichen Bibelübersetzungen, sagt sie etwas verlegen. „Eigentlich kenne ich nur eine einzige Übersetzung“, erklärt sie, „die ins Leben.“

Die Jahrtausende alte Heilige Schrift in die Gegenwart, in mein eigenes Leben übersetzen? Aber ja! Wozu sonst hätten die Autoren ihre Glaubens-, Gottes- und Gebetserfahrungen aufgeschrieben? Warum sonst sollte die Bibel das weltweit meistgedruckte Buch sein, wenn nicht deshalb, weil diese Worte uns Heutige angehen!

Aber wo und wie anfangen auf diesen 1600 Seiten? Wie oft verspüren wir eine Hürde, Fremdheit und Widerstand beim Lesen vor allem des Alten Testaments. Wichtig ist wohl, nicht gleich das ganze Fass trinken zu wollen. Kleine Schlückchen sind bekömmlicher, zum Beispiel erst einmal die Geschichte des jungen Samuel im Ersten Testament oder das Lukas-Evangelium. Oder die Psalmen 23 oder 139. Das Lesen und Wirkenlassen der Bibelverse braucht eine gewisse Übung, es braucht eine entsprechende Haltung und auch Kontinuität und Geduld, wie auch der Dichter Paul Roth ermutigend schreibt:

„Einmal am Tag da sollst du ein Wort in deine Hände nehmen, ein Wort der Schrift. Sei vorsichtig, es ist so schnell erdrückt und umgeformt, damit es passt. Versuch nicht hastig, es zu ‚melken‘, zu erpressen, damit es Frömmigkeit absondert. Sei einfach einmal still. Das Schweigen, Hören, Staunen ist bereits Gebet und Anfang aller Wissenschaft und Liebe. Betaste das Wort von allen Seiten, dann halt es in die Sonne und leg es an dein Ohr wie eine Muschel. Steck es für einen Tag wie einen Schlüssel in die Tasche, wie einen Schlüssel zu dir selbst.“

Ein Bibelwort wie ein Schlüssel? – Ich selber lese gerne einen Bibeltext, den die Kirche als „Text vom Tag“ festgelegt hat, sozusagen rückwirkend noch einmal am Abend. Fast immer treffe ich dann auf einen neuralgischen Punkt meines gelebten Tages, so, als habe die Bibel dieses Wort den ganzen Tag lang für mich aufbewahrt, wie einen Schlüssel. Mag sich eine menschliche Begegnung in einem der Verse spiegeln oder eine innere (Auf-)Regung, eine Freude, eine Sehnsucht, oft auch Ärger, Angst, Schuld oder meine Ohnmacht und Wut angesichts von Terror, Hass und Gewalt in der Welt ... Durch diese Spiegelung übersetzen sich uralte Glaubenserfahrungen in meinen 21. Januar 2015, und ich kann damit mein eigenes Leben und die Welt vor Gott bringen – dankend, bittend, klagend und lernend.

Wo keine Bibel zur Hand ist, z.B. in einem Wartezimmer oder in der S-Bahn, kann man sich einen kleinen Vorrat gut ‚kaubarer‘ Worte anlegen, Worte, die lange genug ‚durchspeichelt‘ werden wollen, damit sie immer mehr ins Innere des Menschen fallen können. Hier ein paar Beispiele zum stillen Wiederholen und ‚Kauen‘:

  • „Du bist bei mir.“ (Psalm 23)
  • „Fürchte dich nicht.“ (Jesaja 43,1)
  • „Verleih mir ein hörendes Herz.“ (1 Könige 3,9)
  • „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen / mein Herz.“ (Brief an die Römer 5,5)
  • „Ich will aufbrechen …“ (Lukas-Evangelium 15,18)
  • „Ich möchte wieder sehen können.“ (Markus-Evangelium 10,51
  • „Mein Herr und mein Gott.“ (Johannes-Evanglium 20,28)
  • Mit solch einem Wort in der Tasche bzw. im Herzen lässt es sich gut in den Tag oder in eine Aufgabe gehen. Manches schwierige Vorhaben kann mit Hilfe eines biblischen Wortes schon im voraus einen anderen Untergrund bekommen, weil Gott mitgeht als der „Ich-bin-da“.

    Empfohlene Dosierung: Einmal täglich ein Wort. (Neben-)Wirkungen sind zu erwarten, wenn auch manche Wörter schlummern, bis ihre Zeit gekommen ist.

    Herzlich grüßt Sie
    Marlies Fricke

    21. Januar 2015

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