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Dies ist die ergreifende Geschichte von Jesus und seinem verstorbenen Freund Lazarus und dessen beiden Schwestern Marta und Maria. Wir finden sie im elften Kapitel des Johannes-Evangeliums.

© Thomas Gertler

Joh 11, 17Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.

18Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt.

19Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.

20Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus.

21Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

22Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.

23Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.

24Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.

25Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,

26und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?

27Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

28Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen.

29Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm.

30Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte.

31Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen.

32Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

33Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert.

34Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh!

35Da weinte Jesus.

36Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte!

37Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?

38Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.

39Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag.

40Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?

41Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.

42Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.

43Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!

44Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen!

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© Thomas Gertler


Eine geliebte Person verlieren

Es ist schon einige Jahre her, dass mein Mann verstarb. Ein guter Geistlicher schrieb mir damals: „Nun ruht Dein Mann in den Händen Gottes in Frieden.“ Wie leer, nichtssagend klang mir dieser Satz damals. Denn alle meine Gedanken drehten sich um die Frage, wo mein Mann sein könnte. Wenn ich gewusst hätte, wo er ist, dann hätte ich dorthin gehen können. Da ich es aber nicht wusste, war ich in Verzweiflung. In Gedanken habe ich ihn damals überall gesucht. Ist er „oben im Himmel“`? So sagen viele Menschen, die angesichts der Trauer der Hinterbliebenen keine passenden Worte finden können. Oder „unten in der Hölle“? Denn auch er war wie wir alle sündig. Oder ist er vielleicht Nichts geworden? Ich wollte wissen, wo er ist, denn ich wollte dorthin gehen, wo er ist. Wenn ich es wüsste, dann könnte ich dies als Ziel im Auge behalten, auch wenn ich ihm nicht gleich folgen kann. Dies bedeutet, in der Hoffnung zu leben. Mit dem christlichen Glauben an das ewige Leben konnte ich angesichts des Todes meines Mannes damals nichts anfangen. Ich hatte nur die Frage: wo ist er jetzt?

Als mein Mann noch lebte, war ich oft beruflich unterwegs. An einem Ort, wo ich häufig arbeitete, übernachtete ich immer im gleichen Hotel, im gleichen Zimmer. Wenn ich abends nach der Arbeit in mein Hotelzimmer zurückkehrte, ging ich als Erstes zum Telefon und rief meinen Mann an. Ich habe seine warme, mich umhüllende Stimme gemocht. Etwa ein Jahr nach seinem Tod war ich wieder dort, um zu arbeiten. Als ich am ersten Tag nach getanen Arbeit in „mein Hotelzimmer“ kam, machten sich meine Füße wie gewohnt schnurgerade in Richtung Telefon auf, und meine Finger tippten die Telefonnummer von Zuhause. Am Ende der Telefonleitung sollte selbstverständlich mein Mann sein, und seine Stimme sollte von dort zu mir kommen. Am Ende der Leitung aber war finstere Stille.  

Jetzt, vor ein paar Wochen, verlor ich eine langjährige Freundin durch den Tod. Da sie ziemlich weit weg wohnte, bestand unser Kontakt in den letzten Jahren hauptsächlich im Telefonieren. Sie rief mich immer wieder an, wenn sie Probleme hatte oder mir etwas Neues erzählen wollte. Ihr Telefonat war gewöhnlich sehr lang, manchmal zu lang. Ihre Stimme hatte aber einen singenden Klang, sodass, auch wenn es sich um etwas Unangenehmes oder Schwieriges handelte, sie immer ein Gefühl von Leichtigkeit bei mir hinterließ. Heute muss ich mir selbst immer wieder sagen, dass sie mich nicht mehr anrufen wird, und dass ich diese ihre wie eine leise Melodie klingende Stimme nicht mehr hören kann. Wo ist sie jetzt?

Ich habe damals nach dem Tod meines Mannes erfahren, was für mich der Tod eines geliebten Menschen heißt. Für mich heißt es, dass ich mit ihm nie mehr Worte wechseln werde und seine mir gewohnte und geliebte Stimme nicht mehr hören kann. Dass er auf meinen Zuruf nicht mehr antwortet und mich nicht mehr beim Namen nennt.

Ich habe ihn lange gesucht.  Eines Tages begegnete ich der Geschichte von der Erweckung des Lazarus (Joh 11,28-44). Insbesondere Jesu Wort: „Lazarus, steh auf und komm heraus!“ In diesen seinen Worten habe ich endlich die Antwort auf meine Frage gefunden.

Sie lautet, dass Jesus eines Tages auch zu meinem verstorbenen Mann sagen wird: „Yoshio, steh auf und komm heraus!“. Und auch zu mir: „Naoko, steh auf und komm heraus!“. Dieser Gedanke hat mein suchendes Herz zur Ruhe gebracht. Der Gedanke, dass dieser Ruf eines Tages aus dem einen gleichen Mund, von Jesus, kommen wird, hat mich zur Ruhe gebracht. Denn wenn es so ist, dann sind der Verstorbene, mein Mann, und ich, die Lebende, schon jetzt durch Jesus verbunden. Eines Tages werden wir durch Jesu Ruf zusammen bei ihm sein. So fand ich endlich meinen Mann.

Auf diese Weise ist mir der christliche Auferstehungsglaube existenziell notwendig geworden. In der Beziehung zu einer geliebten Person wurde dieser Glaube nahe und real. Solange ich mir nur allgemein spekulativ Gedanken über diesen Glauben machte, blieb dieser Glaube für mich nur ein Wort, mit dem ich mir spielerisch verschiedene Vorstellungen verbunden habe. Aber wenn ich diesen Glauben in die zwischenmenschlichen Liebe stelle, wird er real. Ich wünsche für meine geliebte Person zuallererst, dass sie dem Tod nicht ausgeliefert ist, sondern dass sie bei Gott ruht, und auch ich will später dort mit ihr sein.

So verstand ich endlich das Wort des französischen Philosophen Gabriel Marcel, „Einen Menschen lieben, das heißt ihm sagen: Du, du wirst nicht sterben!“ Diesen Satz, den ich von einem Professor während meines Philosophiestudiums immer wieder gehört hatte, aber nicht verstehen konnte, verstand ich nun.

Ein paar Tage nach der Beerdigung meiner Freundin, auf der ich einen Nachruf halten durfte, besuchte ich die Chrysostomus-Liturgie. Das Hören der göttliche Geheimnisse fühlbar machenden Hymnen dieses ostkirchlichen Gottesdienstes leitete mich zu der Vorstellung, dass meine verstorbene Freundin von Hymnen empor getragen wird und nun, erlöst von den Schmerzen ihrer Krankheit, in Frieden bei Gott ruht. Diese Vorstellung hat meinen Schmerz um den Verlust meiner Freundin besänftigt. Ich glaube fest, dass sie jetzt in den Händen Gottes in Frieden ruht.

Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Thessalonich: „Brüder und Schwestern, wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen. … Zuerst werden die in Christus Verstorbenen auferstehen; dann werden wir, die Lebenden, die noch übrig sind, zugleich mit ihnen auf den Wolken in die Luft entrückt, dem Herrn entgegen. Dann werden wir immer beim Herrn sein. Tröstet also einander mit diesen Worten!“

4. Juli 2012

Naoko Okumichi

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