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Es gibt einen Text im Matthäusevangelium, der lässt sich hierauf sehr gut anwenden. Wer spukt da in mir? Wen lasse ich ein? Unser Inneres ist eine höchst schützenswerter Raum. Wir sollten darauf achten, sonst kommen nach dem einen bösen Geist noch viele. Ein aufrüttelndes Lied gibt es dazu von Heinz Rudolf Kunze – Vorsicht!

Mt 12,43 - 45

12,43Ein unreiner Geist, der einen Menschen verlassen hat, wandert durch die Wüste und sucht einen Ort, wo er bleiben kann. Wenn er aber keinen findet, 44 dann sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. Und wenn er es bei seiner Rückkehr leer antrifft, sauber und geschmückt, 45 dann geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als er selbst. Sie ziehen dort ein und lassen sich nieder. So wird es mit diesem Menschen am Ende schlimmer werden als vorher. Dieser bösen Generation wird es genauso gehen.

Seitwert
Der Philosoph Seneca
© Foto: I, Calidius via Wikimedia Commons - CC BY-SA 3.0


Einbrecher

Im Wartesaal der Bahn fand ich jetzt ein Heftchen zum Mitnehmen von Seneca mit dem Titel: „Das Leben ist kurz“. Damit will die Bahn den Reisenden die Reise verkürzen – nicht das Leben! Dieses Büchlein ist allerdings keine Unterhaltungslektüre. Darum kann man es auch noch überall finden. Denn wer will das schon lesen, dass das Leben kurz ist. Es ist ein antikes philosophisches Buch über die Klage, dass das Leben zu kurz sei. Immer zu kurz. Und das ist doch ungerecht. Und Seneca sagt uns seine Gedanken zu dieser Klage.

Lucius Annaeus Seneca lebte vor genau 2000 Jahren, und zwar von 4 bis 64 nach Christus. Er war ein Philosoph aus der Schule der Stoa. Er war also ein Stoiker. Und er war bestimmt als Erzieher von Kaiser Nero, ja, dem schrecklichen und verrückten Kaiser Nero. An dieser Aufgabe ist er gescheitert. Nero hat ihn im Jahr 64 gezwungen, sich das Leben zu nehmen. Und das tat Seneca mit stoischer Ruhe und im inneren Frieden.

Das Heft über das kurze Leben ist lesenswert, aber nicht so ganz einfach. Sie können es auch im Netz lesen oder auch hören. Ein paar der Gedanken möchte ich Ihnen gern weitergeben.

Das Erste, worauf er aufmerksam macht, ist, dass nur dem das Leben kurz und zu kurz vorkommt, der es vertut und vergeudet. Wer ein sinnvolles Leben führt, also wer einen Sinn im Leben gefunden hat und wer sein Leben wirklich führt, also in die Hand nimmt und selbst gestaltet und einsetzt entsprechend dem Sinn, dem ist es nicht zu kurz. Seneca sagt ganz deutlich: Wir leben nur einen kleinen Teil unseres Lebens. Das meiste leben wir nicht, sondern wir verbringen einfach die Zeit. Ja, darüber lohnt es sich schon nachzudenken und dabei zu verweilen.

Aber verblüfft hat mich ein anderer Gedanke, der mit dem ersten zusammen hängt. Er schreibt nämlich (in meinen Worten im 3. Abschnitt des Buches): ‘Was unseren äußeren Besitz, unser Haus und unseren Garten angeht mit allem, was darinnen ist, so passen wir sehr genau auf, wer sie betritt und wen wir hineinlassen. Und wenn ein Einbrecher kommt, dann jagen wir ihn mit allen Mitteln davon. Wie anders ist das aber mit unserem Inneren, mit unserem Geist und mit unseren Gedanken. Was alles lassen wir da ungehindert ein? Wem alles gewähren wir ohne Kontrolle den Zutritt in unser Eigenstes und Innerstes?‘ Über diese Argumente habe ich gestaunt. Geschrieben vor 2000 Jahren. Und wie erstaunlich aktuell!

Das sind die Gedanken Senecas zu einer Zeit, als es weder Radio noch Fernsehen noch Internet noch Smartphone oder I-pad gab. Damals gab es Verwandte, Freunde, Redner, Philosophen, Priesterinnen und Priester. Da gab es geistige Strömungen und Bücher. Das Christentum war noch ganz am Anfang und etwas Neues. Da gab es für Politiker und engagierte Bürger Klienten, die was wollten. Und da gab es natürlich auch richtige Einbrecher und Diebe. Aber all die zahllosen papierenen und elektronischen Beeinflussungsmöglichkeiten, die unsere Zeit prägen, die gab es nicht. Wie klar Seneca damals schon bemerkt hat, dass wir viel sorgloser mit unseren inneren Räumen als mit unserem äußeren Räumen und Besitztümern umgehen, das verblüffte mich zu lesen.

Ja, und dazu lade ich Sie auch ein – mit Hilfe dieses meines elektronischen Mediums von „update-seele.de“ – einmal zu bedenken, wen oder was ich alles in mein Inneres lasse. Wer da in meinem Inneren und Innersten rumspuken darf. Und wie viel Zeit meines kurzen Lebens ich damit verbringe. Wie oft schaue ich auf mein Handy? Wie viel Zeit verspiele ich damit? Wieviel ist davon gut und sinnvoll? Und wie vielen solchen Einbrechern lasse ich Raum und gebe ihnen auch noch freiwillig sehr viele Informationen über mich und meine Gewohnheiten?

Danke, alter Seneca!

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

9. September 2015

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