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Wer den Mantel über jemanden breitet, der gewährt ihm auch rechtlichen Schutz, so eine alte Überzeugung. Es gibt auch einen Schutzmantelchristus. Bekannter ist die Schutzmantelmadonna. Sie wird in der Ostkirche und in der Westkirche schon lange verehrt. Und dieses Lied ist eines der beliebtesten Marienlieder. Ganz verständlich, wer möchte nicht unter ihrem liebevollen Schutz geborgen sein.

Quelle: Wikimedia Commons (Michel Erhart)


Maria, breit den Mantel

1. Maria, breit den Mantel aus,
mach Schirm und Schild für uns daraus;
lass uns darunter sicher steh‘n,
bis alle Stürm vorübergeh‘n.
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte.

2. Dein Mantel ist sehr weit und breit,
er deckt die ganze Christenheit,
er deckt die weite, weite Welt,
ist aller Zuflucht und Gezelt.
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte.

3. O Mutter der Barmherzigkeit,
den Mantel über uns ausbreit;
uns all darunter wohl bewahr
zu jeder Zeit in aller Gefahr.
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte.

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Ein Mantel als Heimat

„Und da haben Sie an mich gedacht als Sie dieses Bild sahen und es mir jetzt gaben?! Das ist gut! Das haben Sie gut gewählt“ – „Ja“, sage ich, und füge hinzu: „Viel mehr haben Sie auch nicht als die Gestalt auf dem Bild: Ihren Mantel, dessen Kragen Sie hochziehen können und in den hinein Sie Ihren Kopf stecken und die Manteltaschen, die Ihre Hände ein wenig warm halten.“ Offensichtlich freute Er sich. Der „Er“ ist einer, der kam, weil er die 70 Euro für den Strom nicht zahlen kann – und ich weiß, dass es so ist – und er mit der Drohung lebt, dass ihm die Energiequelle abgeschaltet wird für die Wärme und für’s Kochen.

Das Bild, das ich dem Besucher gab, zeigt einen Obdachlosen, auf einer Steinbegrenzung, von einem Bildhauer großartig gestaltet. Ich sehe ihn immer wieder, er hockt auf einer kleinen Gartenmauer vor einem Ristorante, wo ich gelegentlich gerne eine Pizza esse. Er ist so echt, dass man im ersten Augenblick meinen könnte, da sitze ein wirklicher müder Obdachloser, Sandler oder Stadtstreicher.

Eine Steinstatue – aber eine zum Stein-Erweichen. Zum Erweichen der steinernen Herzen der Menschen und des liebenden Herzens Gottes: „Nimmst du von einem Mitbürger den Mantel zum Pfand, dann sollst du ihn bis Sonnenuntergang zurückgeben, denn es ist seine einzige Decke, der Mantel, mit dem er seinen bloßen Leib bedeckt. Worin soll er sonst schlafen; Wenn er zu mir schreit, höre ich es, denn ich habe Mitleid.“ (Exodus 22, 25 f.)

Das Evangelium Jesu Christi versteht niemand, der nichts vom Mitleid weiß. Mit-Leiden (auch Mit-Freuen) bringt in Bewegung, Gott und die Menschen: Es lässt den barmherzigen Vater, dem Sohn entgegeneilen; es zieht den Samariter von seinem Reittier hin zu dem unter die Räuber Gefallenen hin. Mitempfinden ist Vorbereitung von Aufbruch und Ankunft.

In diesem Sinn gehört zu den wichtigen Gestalten der christlichen Nächstenliebe auch der Heilige Martin in seiner Geste, wie er seinen Soldatenmantel teilt und ein Stück einem Bettler überlässt und so dessen Leben schützt.

Mantel ist immer auch Schutzmantel. In den vielen sogenannten „Schutzmantelmadonnen“ wird dies sichtbar: Gegen Gefährdungen, Verfolgung, Kältezonen des Lebens braucht man einen Mantel zum Verbergen und Geborgensein. Und wie wir im Lied so schön singen: ihr Mantel ist so weit und breit, er deckt die ganze Christenheit.

So ein Mantel kann auch ein Mensch sein, der sich vor einen stellt, der für einen eintritt. Der Prophet Jesaja beschreibt dies mit den Worten: „Er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit“ (Jes 61,10). Vielleicht ganz besonders kann so ein wärmend-schützender Mantel die Geste sein, wenn jemand einem andern einen Arm auf die Schulter legt.

Auch eine Kapelle, eine „kleine Kirche“ ist eine solche Heimat. Um dies zu verstehen, sei noch einmal an den Heiligen Martin erinnert: Sein „legendärer Mantel“ wurde von den fränkischen Königen als Erinnerung aufbewahrt. Der Raum hieß dann „Saint Chapel“, wörtlich „kleiner Kapuzenmantel“. Von daher kommt der Name Kapelle für kleine Heiligtümer und auch die Bezeichnung „Kaplan“.

Wenn wir jemandem „in den Mantel helfen“ oder uns „in den Mantel helfen lassen“ so könnte dies eine eigene kleine Besinnungspause sein: Das Bergende suchen und das Bergende geben. Wer immer jemanden bemantelt, der ist ein Kaplan, eine Kapelle, ein Schutzmantel.

Dass Sie so einen Menschen haben, der Sie bemantelt oder dass Sie für andere so ein Mensch sind, bei dem man sich bergen und Schutz finden kann, das wünsche ich Ihnen. Besonders in diesen kalten Tagen!

15.02.2012

Willi Lambert

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