Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheEin angenehmes oder ein glückliches Leben?
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Wer mit Jesus mitgeht, ist auch eingeladen, dieses volle Leben mit Höhen und Tiefen, mit Begeisterung und Jubel, mit Kreuz und Leid mitzugehen. Das sagt er ihnen klar und deutlich. Hier im neunten Kapitel des Lukas-Evangeliums. Wir haben es am Sonntag gehört.

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Lk 9,18 Jesus betete einmal in der Einsamkeit, und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute?

19 Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden.

20 Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes.

21 Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen.

22 Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen.

23 Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

24 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.

25 Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?

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Ein angenehmes oder ein glückliches Leben?

Ist das denn ein Gegensatz? Ist ein angenehmes Leben nicht ein glückliches Leben und umgekehrt? Ist ein glückliches Leben nicht auch ein angenehmes Leben? Meist denken wir so. Und wir wollen es auch so. Angenehm setzen wir mit glücklich gleich. Glücklich mit angenehm. Meiner Meinung nach liegt ein Abgrund zwischen beidem. Ein Abgrund? Ist das nicht doch übertrieben?

Ein angenehmes Leben ist ein Leben, das möglichst nach allen Seiten abgesichert ist. In dem es an nichts fehlt. Und das meint vor allem, dass Geld da ist. Es muss kein übergroßer Reichtum sein, aber eben so dass es genug ist. Und gern auch für alle, dass also jeder von allem genug hat. Dass das Leben möglichst störungs- und enttäuschungsfrei läuft. Das ich gesund bin. Dass ich problemlose und wenig anstrengende Beziehungen habe. Das heißt natürlich, dass auch ich selbst möglichst problemlos und wenig anstrengend funktioniere. Dass ich nicht zu hohe Ansprüche stelle. Und das heißt auch, dass das nicht alles zu tief gehen darf. Es soll an der Oberfläche bleiben. Freundlich, nett, aber nicht mehr. Nicht an einen Punkt, wo es weh tut. Angenehm heißt nämlich möglichst schmerzfrei, schmerzlos, möglichst ohne irgendwelche Leiden.

Ohne Leiden bei mir oder bei anderen. Sonst ist es nicht mehr angenehm, sonst ist es nicht mehr problemlos. Probleme und Leiden müssen draußen bleiben. Ein angenehmes Leben muss alles Unangenehme draußen lassen. Muss es wegdrücken, muss es wegdrängen, muss es verdrängen. Muss es übersehen und überhören. Davon will ich nichts wissen. Lass mich damit in Ruhe.

Und dafür tue ich dann viel. Vermeide Konflikte, vermeide Streit, vermeide die Wahrheit, vermeide es, mir zu viel an Freiheit zu nehmen. Ich lebe unauffällig und werde leicht erpressbar. Denn dieses angenehme Leben will ich ja so lassen. Und da muss ich auch Kompromisse machen. Nur dann werde ich ekelhaft, wenn es bedroht wird. Wenn man mir dieses angenehme Leben nehmen will. Dann kann ich richtig unangenehm werden. Alles das kenne ich. Und oft und oft denke und handle ich so.

Ein bloß und einzig und allein angenehmes Leben ist immer ein halbes Leben, ein reduziertes Leben, ein beschnittenes Leben. Es ist ein verlorenes Leben. Und dieser Spruch, dass jeder von allem genug hat, zeigt seine ironische Doppeldeutigkeit. „Was ist Sozialismus?“, fragten wir damals in der DDR. Antwort: „Sozialismus ist, wenn jeder von jedem genug hat…“ Und das hatten wir öfter mal.

Ein glückliches Leben ist anders. Es ist ein Leben, wo es Nähe gibt. In dem es Liebe gibt. Wo es Mitleid und Engagement gibt. In dem ich mich auf jemanden einlasse. Wo es darum auch tiefe Freude gibt. Und genau aus diesen Gründen auch Schmerz und Leiden und Trauer und Angst und Wut. Wo Tod und Mangel nicht überspielt und übersehen, sondern ausgelitten werden. Ein Leben, das aus sich herausgeht. Ein Leben, das sich selbst verlässt. Ein Leben, das darum Höhen und Tiefen kennt und nicht nur ein wohltemperiertes Klima. Ein Leben mit Mut und mit Zielen und Idealen, das nicht nur um sich selbst kreist, dem etwas wichtig ist.

Sicher überzeichne ich hier. Aber es kommt mir darauf an, dass Sie den Abgrund sehen, der zwischen einem wahrhaft glücklichen und einem bloß angenehmen Leben besteht.

Was für ein Leben wollen wir? Was für eines leben wir?

Jesus hat ein glückliches Leben geführt, sicher kein angenehmes. Das Glück und die Freude und die Begeisterung und das Ja zu Leben, die spüre ich bis heute aus dem Evangelium. Und dazu gehört dann auch das Ja zum Leid, zum Kampf, zum offenen Auge und zum offenen Herzen. Gerade aus seinem Engagement und aus seiner Liebe erwächst seine Verwundbarkeit. Sie gehört dazu. Und selbst der Tod gehört dazu. Auch dazu sagt er Ja und geht bewusst hinein. Aber der Tod hat nicht das letzte Wort.

Nichts gegen Schwarzwälder Kirschtorte. Angenehm, sehr angenehm. Aber als Lebensideal taugt sie nicht.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

26. Juni 2013

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