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Die Heilung des blinden Bartimäus im Markus-Evangelium erzählt von dieser Frage Jesu an den Blinden. „Was willst Du, dass ich dir tun soll?“ Gegen viel Widerstand muss Bartimäus kämpfen und anschreien. Das macht seinen Willen und seinen Glauben um so größer. Und dieser lässt ihn heil werden - nicht nur gesund - und Jesus auf seinem Wege folgen. Diesmal lesen wir den Text in der revidierten Lutherfassung.

© Foto: Szene der Blindenheilung aus dem Codex Egberti

Mt 10, 46 - 52

Und sie kamen gen Jericho. Und da er aus Jericho ging, er und seine Jünger und ein großes Volk, da saß ein Blinder, Bartimäus, des Timäus Sohn, am Wege und bettelte. 47 Und da er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an, zu schreien und zu sagen: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein! 48 Und viele bedrohten ihn, er sollte stillschweigen. Er aber schrie viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich mein!
49 Und Jesus stand still und ließ ihn rufen. Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost! stehe auf, er ruft dich! 50 Und er warf sein [Ober-]Kleid von sich, stand auf und kam zu Jesu. 51 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich dir tun soll? Der Blinde sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich sehend werde. 52 Jesus aber sprach zu ihm: Gehe hin; dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege.

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© Foto: Thomas Gertler


Eigentlich schon

Eigentlich geht es mir ganz gut. Eigentlich möchte ich ja abnehmen. Eigentlich tut mir ein Fußweg von einer halben Stunde sehr gut. Eigentlich sind wir ja längst verheiratet. Eigentlich wollte ich ja mal richtig ernst machen mit dem Glauben.

Sagen Sie oft „eigentlich“? Ich sage es recht häufig. Und das erschreckt mich. Denn Sie sollten einen Verdacht gegen das Wort haben! Es sagt nämlich, dass es in Wirklichkeit ganz anders ist als eigentlich. Es geht mir in Wirklichkeit gar nicht so gut, nur eigentlich. Ich möchte eigentlich abnehmen, aber in Wirklichkeit nehme ich zu. Eigentlich möchte ich gehen, aber in Wirklichkeit fahre ich. Wir leben schon lange wie ein Ehepaar, aber verheiratet sind wir nicht. Ich möchte zwar ernst machen mit dem Glauben, aber es bleibt eben bei der Sehnsucht. Sie wird nicht ergriffen und umgesetzt.

So ist es oft und oft. Eigentlich möchte ich so richtig volle Power leben, in Wirklichkeit fahre ich mit angezogener Handbremse und merke es gar nicht so richtig. Es geht nicht so richtig los. Und so ist es schon lange. „Eigentlich“ ist das Wort unseres Elends. Eigentlich ist das Wort unserer Halbheit. Das Wort unserer Unentschlossenheit. Eigentlich ist das Wort unserer Traurigkeit.

Warum sind wir nicht so glücklich, wie wir sein könnten? Das ist das größte Rätsel der Menschheit. Verborgen in dem Wort eigentlich. Häufig wissen wir genau, wie wir leben müssten, um glücklich zu sein. Wir tun es aber nicht. Warum? Ja, warum.

Will ich das wirklich wissen oder eigentlich nicht? Wie oft leben wir so, wie es Eugen Roth so schön gedichtet hat:

Ein Mensch, der spürt, wenn auch verschwommen,
er müsste sich genau genommen,
im Grunde seines Herzens schämen,
beschließt, es nicht genau zu nehmen.

Wir wollen es oft gar nicht wissen. Wenigstens nicht so genau wissen. Oft fragt Jesus die Menschen, die ihn um Hilfe angehen: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Er fragt es, obwohl doch meist offensichtlich ist, was der Gelähmte, der Aussätzige, der Blinde möchte. Er fragt es, weil wir eben häufig gar nicht richtig wollen. Wir wollen eben gar nicht wirklich gesund werden, glücklich werden, heil werden. Wir haben uns eingerichtet in dem halben Glück und halben Unglück. Wir haben uns damit abgefunden, nur eigentlich zu leben, aber nicht wirklich. Darum die Frage Jesu auch an mich: „Was willst Du, dass ich dir tun soll?“

Warum will ich nicht so richtig? Warum möchte ich nur, will aber nicht wirklich. Warum ergreife ich nicht die Möglichkeit heil und glücklich zu werden? Erste Antwort: Ich sage mir oft, ich könnte es ja gar nicht aushalten vor Glück und Freude. Ich würde ja platzen. Ein anderer Grund. Ich denke oft, es geht anders vielleicht leichter. Es gibt vielleicht einen Trick, eine Formel, einen anderen Weg als die Mühsal, sein Leben zu ändern. Vielleicht bei all den Ratgebern und spirituellen Gurus irgendwas, das es von selbst bringt. Etwas, das den Übergang vom Sehnen, und Wünschen zum selber Wollen und Verantworten erspart und es von selbst macht – ohne mich und meinen Einsatz.

Ja, das ist es wohl am ehesten. Ich wünsche und sehne, aber ich will nicht wirklich und übernehme nicht selbst und allein die Verantwortung und die Kosten. Es ist leichter, nur so im „man“ zu leben wie alle anderen auch und nicht selbst und allein und verantwortlich.

Ist es so leicht? Ja, es ist so schwer. Ja, es ist nicht allein zu schaffen. Aber Jesus hilft. Er hilft mir und gibt mir auch die Kraft zum Wollen. Er gab mir auch die Sehnsucht ins Herz.

Und ein letztes: Schauen Sie nicht auf die Fülle Ihrer Wünsche und Sehnsüchte, schauen Sie, welche Sehnsucht die tiefste und „eigentlichste“ (☺) ist und die gehen Sie an, und zwar schön langsam, aber entschlossen, aber mit dem festen Willen und mit Hilfe des Gebets. Dann werden Sie dahin kommen.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler

12. Februar 2014

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