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Eigentlich sollte hier wohl der Bericht von der Brotvermehrung stehen, aber ich nehme eine ganz ähnliche Situation, nämlich die der Hochzeit zu Kana. Da reicht der Wein nicht. Die Hochzeit bleibt unerfüllt. Und das ist ja auch so typisch menschlich. Wir wollen feiern und glücklich sein, aber es reicht eben nicht. Und Jesus sieht das bis in die Tiefe. Und er sieht auch, dass dafür letztlich der Wein und wenn es noch mehr als 600 Liter wären, nicht reicht. Dennoch tut er das Wunder. Aber es verweist darauf, dass die letzte Erfüllung noch aussteht. Diese Stunde muss erst noch kommen.

Juan de Flanders - Hochzeitsmahl von Kana

Joh 2,1 - 12

2,1 Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei. 2 Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen. 3 Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. 4 Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. 5 Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut! 6 Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter. 7 Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand. 8 Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm. 9 Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen 10 und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. 11 So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn 12 Danach zog er mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern nach Kafarnaum hinab. Dort blieben sie einige Zeit.

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© Foto: Daikorax - CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)


Eigentlich müsste ich viel mehr tun!

„Eigentlich müsste ich viel mehr tun für meine Kinder“, sagt mir die Lehrerin, „aber ich schaffe es einfach nicht. Das ist irgendwie schlimm.“ Den gleichen Satz sagt mir der Arzt über seine Patienten. „Ich schaffe nur so das Nötigste. Aber mal länger zu reden und so, geht einfach nicht.“ Den gleichen Satz sagt mir der Pfarrer. „Ich weiß um so viel Not. So viele Familien sollte ich besuchen, ich schaffe es einfach nicht. Ich müsste viel mehr machen. Es geht nicht.“

Und das macht unzufrieden. Es bleibt so viel offen. Nie ist etwas ganz richtig gemacht. Oder wenn eines dann richtig gut gelungen ist, bleibt anderes wieder liegen und geht nicht auch noch, obwohl es wichtig wäre und gut. Immer bleibt was unvollständig und offen. Nie ist es richtig zu schaffen. Fast könnte man denken, man handle nur noch so symbolisch oder quasi stellvertretend. Nach dem Motto: So geht es im Prinzip, im Allgemeinen, aber eben nicht in jedem Falle, nur eben jetzt und ausnahmsweise mal. Es bleibt Fragment. Nur ein Teil. Den Rest kann man sich denken oder wünschen. Aber er bleibt offen.

Kennen Sie das auch? Dieses Zurückbleiben hinter dem, wie es eigentlich sein sollte? Dieses immer Fragmentarische? Bruchstückhafte? Wie sieht es bei Ihnen, in Ihrem Leben aus? Und was löst diese Erfahrung bei Ihnen aus? Ist es nicht wirklich schlimm? Werde ich da nicht auch schuldig, wenn ich immer etwas schuldig bleibe? Es sollte doch und müsste doch. Ja, wir können alle wohl ein Lied davon singen. Ein trauriges Lied. Das scheint auch so typisch menschlich zu sein. Wir wollen es so gern vollkommen und gut machen, aber es gelingt nicht und bleibt irgendwie nur ein Teil.

Ja, so ist es. Es ist typisch menschlich. Ich kann daran verzweifeln und verrückt werden, dass es nie vollständig rund wird. Oder ich kann im Glauben Ja dazu sagen. Ich kann es gut sein lassen. Wie denn das?

Der Mensch ist eben nicht vollkommen und er kann Vollkommenes auch immer nur in Ausnahmefällen erreichen. Das Mittelalter hat das in der Architektur zum Prinzip gemacht. Es durfte nicht total perfekt, es durfte nicht schnurgerade oder völlig kreisrund sein. Es war bewusst immer ein kleiner Fehler eingebaut, um anzuerkennen, dass nur Gott allein vollkommen ist. Und auch wir sollten keinen solchen Gotteswahn in unserem Tun haben. Immer allen alles und komplett. Gerade dieser Anspruch macht uns kaputt.

Wir dürfen die Vervollständigung und Ganzheit Gott überlassen. Er schafft es. Und er schafft es auch mit meinen Sachen, die offen bleiben. Wie oft und oft habe ich es erlebt in meinem Leben. Wenn ich das tue, was ich kann und den Rest Gott übergebe und überlasse, dann wird es wunderbarer Weise doch noch rund und gut. Dann wird es mir nachgeworfen und von ihm ergänzt. Oder ganz ähnlich beim Wunder der Brotvermehrung. Es ist offensichtlich, dass es nicht reicht für alle und alles, was die Jünger an kleinen Brötchen und kleinen Fischen haben, aber wenn sie es Jesus geben, wenn er es segnet und durch sie austeilt, dann genügt es doch. Sogar für Tausende.

Aber sogar die Brotvermehrung Jesu hat nicht alle Menschen damals satt gemacht. Es war ein Zeichen, ein Hinweis, ein Symbol. Es war wirklich, es war real nach dem Bericht der Bibel und die Menschen wurden satt, aber dennoch blieben jenseits dieses Ereignisses so viele hungrig und bedürftig. Sogar Jesus konnte zu seiner Zeit nicht alles tun, was nötig und wünschbar gewesen wäre. Er heilte nicht alle Kranken seiner Zeit. Er trieb nicht alle Dämonen aus. Auch sein Leben blieb ein Fragment. Und doch war in diesem Fragment das Ganze enthalten.

So darf es auch bei uns Fragment bleiben. Wir müssten noch mehr tun, aber es geht nicht. Es bleibt unvollkommen und unvollständig. Und wir dürfen dennoch erfahren, wenn wir dieses Buchstückhafte Jesus übergeben, reicht es trotz allem doch, ja es bleibt noch übrig. Das muss nicht immer so sein. Aber es ist hin und wieder so.

Diese Erfahrung und dieses Vertrauen wünsche ich Ihnen!

Viele Grüße
Thomas Gertler SJ

29.10.2014

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