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Im 15. Kapitel des Johannesevangeliums hören wir von dieser Freundschaft Jesu zu uns, seiner Liebe zu uns. Und sie besteht darin, dass er uns alles mitteilt, alles mit uns teilt und – so sollen wir das hören – nicht nur Wissen mitteilt, sondern letztlich sich selbst. Denn Seine Liebe geht bis zum Äußersten und teilt sich selbst aus in Brot und Wein und im Niederknien vor uns bei der Fußwaschung (Joh 13)

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Joh 15, 9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!

10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.

11 Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.

12 Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.

13 Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.

14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.

15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.

16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.

17 Dies trage ich euch auf: Liebt einander!

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Du darfst

„Du darfst“ ist eine Marke, die leichte Kost für schwergewichtige Personen vertreibt. Und obwohl leichte Kost für mich besonders empfehlenswert ist, soll es doch nicht darum gehen. Nein, dieses Wort „Du darfst“ hat mir jemand als Frucht seines bisherigen geistlichen Weges geschenkt. Nennen wir ihn Edgar. Und das war wirklich ein Geschenk und ich möchte es Ihnen weitergeben.

Das erste Wort, das Edgar auf seinem geistlichem Weg bewusst wurde, hieß: „Ich soll…“ Ich soll beten. Ich soll die Gebote halten. Ich soll am Sonntag in die Messe gehen. Ich soll freundlich und gut sein. Jeder kennt dieses Sollen. Und ohne dieses Sollen geht es auch nicht. Aber es macht den Glauben zu einem Pflichtenkatalog und setzt unter Druck. So als Pflicht hat wohl vor allem Immanuel Kant das Christentum gesehen. Und so sehen es viele und so wollen es viele auch haben. Kinder werden in den Religionsunterricht geschickt, um sie „mores“, also gute Sitten zu lehren.

Die große und befreiende Entdeckung des Glaubens war dann für Edgar der Schritt vom „Ich soll“ zum „Ich darf“. Ich darf da sein. Ich darf so sein, wie ich bin. Gott nimmt mich so und liebt mich so, wie ich bin. Ohne Vorbedingungen. Ohne Sollen. Gott sei Dank! Welche Befreiung. Und ich darf auch ganz anders sein. Ich bin nicht dazu verdammt, immer zu bleiben, wie ich bin. Ich darf mich verändern. Welch eine Entdeckung, dass Gott in die Freiheit führt! Dass Er mich mehr und mehr zu mir selbst führt und so auch neu zu anderen und neu zu Ihm. Und das ist ein ganz großer Schritt. Glaube ist nicht mehr zuerst Pflicht und Last und Problem und Schwierigkeit, sondern wird zum Geschenk und zur großen Erleichterung und zum neuen Lebenshorizont.

Diesen Glauben gebe ich gern weiter. Das will ich anderen gern zeigen. Komm ich erzähle dir, wie der Glaube mir zum Geschenk geworden ist. Wie er mich frei gemacht hat und glücklich.

Da will aber die Beziehung zu Gott nicht stehen bleiben. Sie will noch weiter gehen. Und das ist dann wieder ein großer Schritt. Und dieses Schritt nannte Edgar den Schritt vom „Ich darf“ zum „Du darfst“. Es entstand nämlich nun eine echte Freundschaft zwischen ihm und Gott. Zwischen ihm und Jesus. Jesus nennt uns nicht mehr Knechte, sondern seine Freunde. Und ich erfahre das, weil er bei mir bleibt und ich ihm alles sagen und mitteilen kann, auch das Unsägliche und das Unerträgliche. Er trägt es und er steht zu mir und steht mir bei und tröstet mich und hilft mir. Wenn dieses Vertrauen wächst und so groß wird, dass ich glaube, dass Jesus wirklich mein Freund ist, dann darf auch er etwas von mir wünschen und erwarten. Und weil ich weiß, dass er gut ist, dass er immer gut ist, darum darf er es. Dann kann ich mit Edgar sagen: „Du darfst…“ Du darfst mich rufen. Du darfst mich senden. Du darfst mich binden.

Dann ist unsere Beziehung so geworden, wie sie Ignatius von Loyola, unser Ordensgründer, in seiner Betrachtung zur Erlangung der Liebe beschreibt. „Das erste ist: Die Liebe muss mehr in die Werke als in die Worte gelegt werden. Das zweite: Die Liebe besteht in der Mitteilung (communicatio = Kommunikation) von beiden Seiten: nämlich darin, dass der Liebende dem Geliebten gibt und mitteilt, was er hat, oder von dem was er hat oder kann; und genauso umgekehrt der Geliebte dem Liebenden.“ Und das meint Ignatius zwar ganz allgemein von der Liebe zwischen Personen, aber nach seiner Erfahrung auch und gerade von unserer Beziehung zu Gott und noch vor unserer zu Gott, von Gottes Beziehung zu uns. Er teilt uns mit, und zwar nicht nur was er hat oder kann, nein, er teilt sich selbst mit. Das ist seine Sehnsucht und das ist die unsere. Dass wir uns Ihm ganz mitteilen können.

Freilich geht das nicht immer so einfach und friedlich und harmonisch. Wir werden immer mal wieder ganz unsicher und kleingläubig und wir versinken in den großen Wellen, die uns umgeben und wir können dann nur schreien wie Petrus: „Herr, rette mich! Ich gehe zugrunde!“ (Mt 14,31). Aber wenn ich das rufe, wird Jesus, mein Freund, sofort seine Hand ausstrecken und mich halten und herausziehen.

Dass Sie erfahren, wie Gott Sie einlädt zu einer solchen liebenden und gegenseitigen Beziehung in allen Umständen des Lebens, das wünsche ich Ihnen.

11. Juli 2012
Thomas Gertler SJ

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