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Der Feldherr Naaman hatte seine eigene Vorstellung davon, wie der Prophet Elischa ihn heilen würde. Er brauchte zuerst Zeit und Hilfe, um GOTTES Umgangsart mit ihm zu erkennen und darin einzuwilligen:

Naaman im Jordan

2 Kön 5,9-17

So kam Naaman mit seinen Pferden und Wagen und hielt vor dem Haus Elischas. Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus und ließ ihm sagen: Geh und wasch dich siebenmal im Jordan! Dann wird dein Leib wieder gesund, und du wirst rein. Doch Naaman wurde zornig. Er ging weg und sagte: Ich dachte, er würde herauskommen, vor mich hintreten, den Namen Jahwes, seines Gottes, anrufen, seine Hand über die kranke Stelle bewegen und so den Aussatz heilen. Sind nicht der Abana und der Parpar, die Flüsse von Damaskus, besser als alle Gewässer Israels? Kann ich nicht dort mich waschen, um rein zu werden? Voll Zorn wandte er sich ab und ging weg. Doch seine Diener traten an ihn heran und redeten ihm zu: Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte, würdest du es tun; wie viel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat: Wasch dich und du wirst rein. So ging er also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes und er war rein. Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück, trat vor ihn hin und sagte: Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel. So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an! Elischa antwortete: So wahr der Herr lebt, in dessen Dienst ich stehe: Ich nehme nichts an. Auch als Naaman ihn dringend bat, es zu nehmen, lehnte er ab. Darauf sagte Naaman: Wenn es also nicht sein kann, dann gebe man deinem Knecht so viel Erde, wie zwei Maultiere tragen können; denn dein Knecht wird keinem andern Gott mehr Brand- und Schlachtopfer darbringen als Jahwe allein.

Seitwert
© Foto: Marlies Fricke


Die Wirklichkeit begrüßen

„Fit in die kalte Jahreszeit“, wirbt die Apotheke. „Mit uns sicher in den Herbst“, empfiehlt die Autowerkstatt. Zugvögel schwärmen gen Süden, Eichhörnchen legen Wintervorräte an. Es ist Oktober. Mensch, Tier und Natur stellen sich um, ändern Gewand und Gewohnheiten, rüsten sich für dunkler und kälter werdende Tage.

Auch die Seele möchte „fit“ und „sicher“ ins Winterhalbjahr gehen. Wenn äußere Gewohnheiten und Abläufe im Alltag sich ändern - das fängt mit der Mütze morgens auf dem Fahrrad an -, dann kann unser Blick vielleicht neu und tiefer nach innen gehen: Wer und was trägt mich? Woraus lebe ich? Welchen Platz hat Gott, hat seine frohe Botschaft des Evangeliums in meinem Alltag?

In diesen Tagen gehen die Begrüßungsszenen an Grenzübergängen, an Bahnhöfen und in Flüchtlingsunterkünften unter die Haut. Wer begrüßt, öffnet sich. Wer begrüßt, willigt ein und stellt sich mit offenen Augen und Armen der Realität. Wer begrüßt, schenkt Vertrauensvorschuss. - Warum nicht auch den für Viele unliebsamen Herbst, der schnell mit Reduktion und Abschied verbunden wird, bewusst begrüßen? Warum nicht gerade jetzt gutgewohnte Rituale verstärken oder neue ausprobieren? Hier ein paar kleine „Fitness“-Übungen für die Seele:

Jeden neuen Tag begrüßen
„Die ersten ein, zwei Minuten nach dem Aufwachen bewusst genießen bzw. einfach wahrnehmen: Was sind meine ersten Gefühle, Traumfetzen, Befindlichkeiten? Also schlicht eine kleine Einübung in Aufmerksamkeit als Vorzeichen für einen achtsam gelebten Tag“ (W. Lambert SJ). Ein kurzes Gebet aus einem Buch, aus den Psalmen oder aus dem Herzen kann den Tag ‚aufschließen‘. Mit einem Blick auf’s Kreuz oder mit dem Kreuz-Zeichen kann eine Arbeit, eine Autofahrt oder eine Sitzung beginnen.

Sich selber begrüßen
Jeden Morgen vor dem Spiegel „sich selber begrüßen: Hallo, schön, dass Du, mein Ich, da bist. Guten Tag! Wie geht’s denn? Freust Du Dich? Könntest Du tun, denn – Du hast Geburtstag! Wie jeden Tag! Jeder Tag ist Geburtstag! Und für jeden Tag gilt: Heute, das ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens.“ (Lambert)

Die Farben begrüßen
‚Und kam die goldene Herbsteszeit | Und die Birnen leuchteten weit und breit.‘ - Nicht nur das Grau des Herbstes sehen, sondern vielmehr das Gold! All die Farben des Oktobers in sich aufnehmen, Vorräte anlegen! Und: Lesen Sie doch (wieder) einmal das Hoffnungsgedicht Fontanes.

Die Abenddämmerung begrüßen
Die immer früher einsetzende Dämmerung mit ihren wechselnden Lichtnuancen bewusst wahrnehmen. Sie als Einladung hören, zur Ruhe zu kommen. In der Wohnung oder am Arbeitsplatz kann an einer zentralen Stelle in einem Glas eine Kerze brennen.

Die Nacht begrüßen
Nicht mit einer „Vollbremsung ins Bett, Fernsehen bis zum Einschlafen“ (Lambert), sondern den Tag ausklingen lassen, vielleicht mit einem Ritual wie z.B. einem Musikstück, Gedicht oder Bibelwort (Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, Psalm 62,2), dem Löschen einer Kerze; Dankbarkeit und Vertrauen erspüren; mit einem persönlichen Tagesrückblick vor Gott (10 Min.) das Heute und das Morgen in Seine Hände legen.

GOTT in allem begrüßen
Gott spricht zu uns durch die Wirklichkeit, durch Begegnungen, die Arbeit, die Herausforderungen des Alltags, durch Freuden und Leiden, durch Lärm und Stille, durch Aktivität und Gebet. In allem schenkt Gott uns die Möglichkeit, zu wachsen und unser Leben zu vertiefen in der Beziehung zu Ihm. Wie sollten wir solche Möglichkeiten im Kleinen und im Großen nicht begrüßen!

Die Wirklichkeit begrüßen. - Es ist ein Unterschied, ob ich eine unabänderliche Sache eher zähneknirschend hinnehme, oder ob ich - möglichst freimütig - einwillige wie R. M. Rilke in seinem Herbstgebet: „Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.“ Erst, wenn ich einwillige, kann ich dazu Ideen entwickeln, auch betend, und die veränderte Situation bewusst (mit)gestalten. Manchmal geht das nur durch Widerstände und Ängste hindurch. Eine Glaubensgruppe, Exerzitien oder Geistliche Begleitung können dabei gute Hilfen sein.

Der großherzige Gutsherr von Ribbeck (s. Gedicht oben) musste eines Tages Abschied nehmen. Irgendwie stelle ich mir den alten Herrn schelmisch schmunzelnd auf seinem Sterbebett vor; wusste er doch um den Geiz seines Erben. Aber er wusste auch von neuem Leben aus dem „Grab“, von wo es nach einer Durststrecke erneut ruft: „Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.“

Einen willkommenen Herbst wünsche ich und grüße herzlich
Marlies Fricke (GCL)

7. Oktober 2015

 

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