Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheDie Tücke des Objekts
DeutschEnglishFrancais

Der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!

Also ich bin kein so perfekter Bibelkenner wie meine professoralen Mitbrüder in Sankt Georgen, die mir sofort eine Bibelstelle sagen könnten, wo von dieser Tücke des Objektes die Rede ist, aber mir fällt ein Lobpreis der Schöpfung ein, bei dem wir beim gemeinsamen Beten immer gelacht haben über den Klippdachs und den Wildesel zum Beispiel und noch mehr über die jungen Löwen, die am Morgen müde in ihre Höhlen schleichen (und haben dabei an die Studenten gedacht), während dann der gute Mensch hinaus an sein Tagwerk geht… Also wenigstens ein bisschen unfreiwillige Komik in der Bibel.

© flytime - Fotolia.com

104, 1 Lobe den Herrn, meine Seele! / Herr, mein Gott, wie groß bist du! / Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.

2 Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid, / du spannst den Himmel aus wie ein Zelt.

3 Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser. / Du nimmst dir die Wolken zum Wagen, / du fährst einher auf den Flügeln des Sturmes.

4 Du machst dir die Winde zu Boten / und lodernde Feuer zu deinen Dienern.

5 Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet; / in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.

6 Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, / die Wasser standen über den Bergen.

7 Sie wichen vor deinem Drohen zurück, / sie flohen vor der Stimme deines Donners.

8 Da erhoben sich Berge und senkten sich Täler / an den Ort, den du für sie bestimmt hast.

9 Du hast den Wassern eine Grenze gesetzt, / die dürfen sie nicht überschreiten; / nie wieder sollen sie die Erde bedecken.

10 Du lässt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern, / sie eilen zwischen den Bergen dahin.

11 Allen Tieren des Feldes spenden sie Trank, / die Wildesel stillen ihren Durst daraus.

12 An den Ufern wohnen die Vögel des Himmels, / aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.

13 Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, / aus deinen Wolken wird die Erde satt.

14 Du lässt Gras wachsen für das Vieh, / auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde /

15 und Wein, der das Herz des Menschen erfreut, damit sein Gesicht von Öl erglänzt / und Brot das Menschenherz stärkt.

16 Die Bäume des Herrn trinken sich satt, / die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat.

17 In ihnen bauen die Vögel ihr Nest, / auf den Zypressen nistet der Storch.

18 Die hohen Berge gehören dem Steinbock, / dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht.

19 Du hast den Mond gemacht als Maß für die Zeiten, / die Sonne weiß, wann sie untergeht.

20 Du sendest Finsternis und es wird Nacht, / dann regen sich alle Tiere des Waldes.

21 Die jungen Löwen brüllen nach Beute, / sie verlangen von Gott ihre Nahrung.

22 Strahlt die Sonne dann auf, so schleichen sie heim / und lagern sich in ihren Verstecken.

23 Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk, / an seine Arbeit bis zum Abend.

24 Herr, wie zahlreich sind deine Werke! / Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, / die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.

25 Da ist das Meer, so groß und weit, / darin ein Gewimmel ohne Zahl: kleine und große Tiere.

26 Dort ziehen die Schiffe dahin, / auch der Leviatan, den du geformt hast, um mit ihm zu spielen.

27 Sie alle warten auf dich, / dass du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.

28 Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein; / öffnest du deine Hand, werden sie satt an Gutem.

29 Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört; / nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin / und kehren zurück zum Staub der Erde.

30 Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen / und du erneuerst das Antlitz der Erde.

31 Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn; / der Herr freue sich seiner Werke.

32 Er blickt auf die Erde und sie erbebt; / er rührt die Berge an und sie rauchen.

33 Ich will dem Herrn singen, solange ich lebe, / will meinem Gott spielen, solange ich da bin.

34 Möge ihm mein Dichten gefallen. / Ich will mich freuen am Herrn.

35 Doch die Sünder sollen von der Erde verschwinden / und es sollen keine Frevler mehr da sein. / Lobe den Herrn, meine Seele! / Halleluja!

Seitwert Free counter and web stats
© Thomas Gertler


Die Tücke des Objekts

Sehr oft fahre ich mit dem Zug. Weite Strecken. Lange. Neulich acht Stunden durch ganz Deutschland. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit der Bahn und will gar nicht einstimmen in Hohn und Spott und Klage „Wi wisch ju a plesent jörni…“ oder wie das heißt. Nur ein kleines Ding, das mich schon öfter geärgert hat: In der Toilette des ICE muss man die gebrauchten Papierhandtücher immer in einen Behälter abgeben, auf dem das schöne deutsche Wort „Push“ steht und wo man unheimlich stark puschen muss, um da mit dem geknüllten Papier reinzukommen. Das blöde Ding klemmt einem fast die Finger. Darum stecke ich sie immer nur halb rein. Klemme sie im Schlitz fest.

Und so finde ich den Deckel auch oft vor. Mit halb eingepuschtem geknüllten Papiertuch. Es scheint also mehr Leute zu geben, die nicht so pressen wollen, bzw. die eben eigentlich gar nicht scharf sind den Deckel mit den gerade gewaschenen Fingern überhaupt anzufassen. Man puscht den Deckel eben mit dem feuchten Papier auf aber lässt das Papier dann im Maul des Papierkorbes stecken, weil man sonst diesen blöden Deckel anfassen müsste.

Schlecht konstruiert. Oder nicht mitgedacht oder mitgefühlt. Also kleiner, völlig nebensächlicher Alltagsärger. Oder Tücke des Objektes oder Widerständigkeit der Welt oder wie auch immer. Jedenfalls etwas, was nicht sein müsste und sollte und wovon doch unser Leben immer wieder voll ist. Fenster, deren Griff so dicht an der Wand ist, dass man sich die Haut abschürft. Oder der Koffer, an dem man sich beim Schließen immer wieder den Fingernagel abbricht. Oder der Koffer dessen Rollen so furchtbar laut sind und in einer Gasse richtig hallen, dass es einem peinlich ist. Na ja, Sie kennen sicher alle diese Tücken eher vom Auto, wenn Sie mehr damit fahren.

Ja, und was sagst du nun als Theologe dazu?

Muss ich denn gleich immer und auf alles eine theologische oder spirituelle Antwort haben? Kann man nicht erst einfach mal die Wirklichkeit so sehen, wie sie ist. Seltsam bis verrückt. Staunenswert und wunderschön. Furchtbar und grausam. Und immer alles zugleich.

Und das ist vielleicht die erste Antwort. Also das gehört zum Leben dazu. Das ist wirklich so, dass der Teufel im Detail steckt und dass uns überall Murphys Gesetz begegnet, und das, was schief gehen kann, auch irgendwann wirklich schief geht. Und dass die Karriere steigt, bis man den Punkt seiner Unfähigkeit erreicht hat und darum eben immer die Unfähigen oben sitzen. Oder dass es wissenschaftlich erwiesen ist, dass der Toast immer mit der Butterseite auf dem Teppich landet

Wie stets gibt es mehrere Arten der Reaktion darauf. Also Wut und Zorn und schlechte Laune. Obwohl das ja übertrieben ist. Wegen solchen Lappalien muss ich nicht beleidigt oder verletzt sein. Das muss ich auch nicht persönlich nehmen. Die souveräne Art, darauf zu reagieren, ist der Humor. (Übrigens kommt Humor von Humus, gemeint als Erdnähe, siehe oben!) Also die komische Seite alles dessen zu sehen und zu lachen oder wenigstens zu lächeln. Das schafft zugleich Abstand dazu und erinnert uns daran, dass wir nicht Gott sind. Bei allem Bemühen um Perfektion bringen wir leicht und oft genau die Lächerlichkeit hervor. Wie die deutsche Bahn mit ihrer ständigen Konkurrenz zur Lufthansa.

Das ist das Zweite: das Wissen darum, dass wir nicht Gott sind, macht uns demütig. Nicht im Sinne der Unterwürfigkeit und im Sinne des Hunde- oder Dackelblicks. Aber im Sinne einer realistischen Selbsteinschätzung und im Sinne der Barmherzigkeit gegenüber all dem Armseligen, was wir so zustande bekommen und was auch Ausdruck unserer eigenen Armseligkeit ist.

Und dieses Wissen, dass wir nicht Gott sind, macht uns frei. Frei davon, dass wir vollkommen und untadelig sein müssten, frei davon, selbst der Erlöser sein zu wollen. Frei zum Lachen und zum Humor.

Schließlich ist nicht zu vergessen, dass das alles auch eine gigantische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ist. Nicht nur, dass dann mal eine Verbesserung kommt. (Hörst Du es, liebe Bahn!) Nein, denken Sie mal an die Filmindustrie, die seit Buster Keaton und Dick und Doof viel Geld mit der Tücke des Objekts verdient. Oder an all die Entertainer und Stand-up-Comedians, die ohne diese miese Seite unseres Lebens alle arbeitslos wären.

Ja, und schließlich will der Schöpfer wohl auch ein bisschen zum Lachen haben über all unsere Schöpfungen.

Es grüßt Sie herzlich mit einer neuen Fahrkarte nach Osnabrück und Essen in der Hand

Thomas Gertler SJ

26.09.2012

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!