Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheDie Seelenbrezel
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Das ist die große Hoffnung: Gott wird den Tod für immer beseitigen und Leben für immer schenken. Der Prophet Jesaja spricht von dieser Hoffnung und von dem großen Fest, das Gott dann geben wird (und dabei vielleicht auch eine Seelenbrezel). Begonnen hat die Verwirklichung dieser Hoffnung mit Jesu Auferweckung von den Toten. Sie ist der Anfang und wir sollen ihm folgen.

© Foto: Thomas Gertler

Jes 25,6 - 9

25,6 Der Herr der Heere wird auf diesem Berg / für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, / ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, / mit besten, erlesenen Weinen. 7 Er zerreißt auf diesem Berg die Hülle, die alle Nationen verhüllt, / und die Decke, die alle Völker bedeckt.

8 Er beseitigt den Tod für immer. / Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht. Auf der ganzen Erde nimmt er von seinem Volk die Schande hinweg. / Ja, der Herr hat gesprochen.

9 An jenem Tag wird man sagen: / Seht, das ist unser Gott, auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt, / er wird uns retten. Das ist der Herr, auf ihn setzen wir unsere Hoffnung. / Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat.

Seitwert
© Foto: Thomas Gertler


Die Seelenbrezel

Es gibt viele Bräuche um diese Jahreszeit und zu den Festen Allerheiligen und Allerseelen. Der neueste Brauch bei uns ist ja Halloween. Na ja. Einen alten Brauch habe ich erst hier in Augsburg kennen gelernt. Das ist der Brauch an Allerseelen, eine Seelenbrezel zu essen. Und so bin auch ich an dieses Prachtexemplar einer Seelenbrezel gekommen, das Sie oben sehen. Hier in Augsburg heißt sie allerdings auf Schwäbisch „Seelenbreze“.

Was soll dieser Brauch? Es gibt verschiedene Deutungen dafür. Die Breze wurde zum einen an das Grab der Vorfahren gelegt oder gehängt und dann an die Armen weitergegeben. Sicher von der Vorstellung her, dass man auch diese Vorfahren, die einen selbst früher versorgt haben, jetzt selbst dankbar mit einer Breze versorgt auf ihrer Seelenreise zu Gott. Und dass man dann diese Nahrungsmittel, ehe sie verderben, denen gibt, die jetzt arm dran sind. Also gewissermaßen von den armen Seelen hin zu den Armseligen.

Zum anderen bekam man diese Seelenbrezel von der Patentante bzw. vom Patenonkel geschenkt. Und man bedankte sich dafür mit dem Satz: „Vergelts Gott für die armen Seelen!“ Also man dankt mit einem kurzen Fürbittgebet für die armen Seelen. Aber danach wurde wohl die Brezel nicht aufs Grab gelegt, sondern selbst mit Lust verspeist. Da ist dann die Seelenbrezel für mich so etwas wie ein Trost in der Trauer um die lieben Verstorbenen. Essen tröstet ja. Und das Essen nach der Beerdigung hat sicher diesen Sinn – Trost zu spenden, und zwar in Gemeinschaft. Und dazu noch, wie ich es einmal drastisch gehört habe: das Essen als ein Akt des Gewaltsamen und der Aggression – das ist das Reinbeißen und Kauen ja auch immer – dann nämlich um für die Wut, die auch immer irgendwie zum Trauerprozess gehört, einen Ort zu finden. Seelenbrezel, wie bist Du so nützlich als Trost und Wutableiter!

Und was haben Sie in diesen Tagen getan? Sicher auf den Friedhof gegangen. Ein Licht aufgestellt. Ein Gesteck niedergelegt. Gebetet und der lieben Verstorbenen gedacht. So ein schönes Bild – die geschmückten Gräber mit den vielen, vielen roten Lichtern, besonders am Abend. Tröstlich. Hier in Augsburg und Umgebung gibt es so schöne Friedhöfe. Ich denke besonders an den in Friedberg. Den bewundere ich geradezu. So sehr verschiedene liebevolle Grabsteine und so aufmerksame Pflege durch die Angehörigen. Und da brennen jeden Abend viele Lichter, nicht nur an Allerseelen.

Und heute Morgen bei meinem Gebet kam mir ein Gedanke. Ich habe eine Ecke in meinem Bücherregal mit lauter Totenbildchen. Das ist ja auch so eine schöne Sitte, ein solches Totenbildchen nach der Beerdigung zu verteilen, damit für sie gebetet wird und als Erinnerungszeichen an die Verstorbenen. Meist legt man sie ins Gesangbuch oder ein anderes Gebetbuch. Da sind auch etliche Bildchen bei mir drin. Aber jetzt habe ich diese Ecke. Und es sind viele Bilder. Die habe ich heute alle ins Gebet genommen. So viele nahe Menschen sind es nun schon, die mir voraus gegangen sind und es geschafft haben. Es sind viele dabei, die eher ich um ihr Gebet bei Gott bitte, als dass ich für sie und ihr Seelenheil bete. Dankbares und liebevolles Gedenken.

Das können sie ja auch mal tun in diesen Tagen: Sich einfach erinnern an alle, die schon voraus gegangen sind. Ob mit Bildchen oder ohne. Und alle die aus der Gegend um Augsburg können sich sicher noch in dieser Woche eine Seelenbrezel kaufen und beim Essen über das über das eigene und fremde Seelenrätsel nachdenken, das dieses verschlungene Gebäck auch darstellt. Seelenbrezel – Seelenrätsel. Lebensrätsel und Todesrätsel.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

4. November 2015

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