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Zwei Schriftstellen möchte ich heute anführen. Eine habe ich schon erwähnt: Die Salbung Jesu mit dem wertvollen Nardenöl im Markusevangelium. Die Verschwendung der Frau ist Ausdruck ihrer Liebe, aber auch Ausdruck für Jesus, der sich selbst verschwendet für uns. Auch da sind schon Tod und Leben ganz dicht beisammen. Geiz und Ichsucht können diesen Duft nicht riechen.

 

Tod und Leben spielen auch in der kurzen Stelle im zweiten Korintherbrief eine Rolle. Paulus drückt seine Erfahrung als Missionar so aus, dass er und die Christen, die das Evangelium verbreiten, zugleich den Wohlgeruch Christi annehmen und verbreiten. Aber er kommt sehr unterschiedlich an. Für die einen, die dem Glauben nahe sind, ist es ein anziehender Wohlgeruch. Für die, die diese Verkünder hassen, ist es abstoßender Leichengeruch.

Mk 14,3 Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen bei Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goss das Öl über sein Haar. 

4 Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung? 

5 Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe. 

6 Jesus aber sagte: Hört auf! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 

7 Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, so oft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer. 

8 Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. 

9 Amen, ich sage euch: Überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat. 

2 Kor 2,14 Dank sei Gott, der uns stets im Siegeszug Christi mitführt und durch uns den Duft der Erkenntnis Christi an allen Orten verbreitet. 

15 Denn wir sind Christi Wohlgeruch für Gott unter denen, die gerettet werden, wie unter denen, die verloren gehen. 

16 Den einen sind wir Todesgeruch, der Tod bringt; den anderen Lebensduft, der Leben verheißt.

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(c) Mary Beth Granger - Fotolia.com


Die Nase

Gerade noch erwischt habe ich den Zug nach einem schnellen Marsch durch das novembernasse Laub. Er ist voll, aber ich habe einen Platz ergattert. Wie ich so erleichtert sitze, weht mich immer wieder eine Schwade von Gestank an. Ist ja nicht gar so ungewöhnlich bei der Enge und der Überheizung. Was mag es sein? Irgendein Schweißfuß? Köperausdünstungen von Jugendlichen mit heftigen Hormonausbrüchen? Immer wieder so eine leichte Schwade. Was ist das nur? Womöglich irgendwas an MIR? Ich schnuppere an meiner Krawatte. Ne, nur alte Wolle? Das Hemd ist frisch heute Morgen angezogen. Es verschwindet auch immer mal wieder. Aber es hört nicht auf. Ich werde abgeholt. Wir fahren ein kurzes Stück über Land. Ja, Landwirtschaft, ja Jauche rieche ich. Im Zimmer – endlich! Immer noch nicht weg. Jetzt aber! Ja, nun endlich entdecke ich die Ursache in den Profilsohlen meiner Schuhe. Wie heißt es so schön im Lied: „Zwei Engel sind hereingetreten..." In meinem Fall einer. Morgens unter dem Laub verborgen und sehr anhänglich. Peinlich. Wer hat da wohl noch alles gedacht: wer oder was stinkt denn da so! 

Szenenwechsel: Eine Taufe. Die kleine Sophia ist schon ziemlich groß. Sie kann sogar schon herumlaufen. Sophia merkt, dass da etwas Wichtiges passiert. Und zwar auch mit ihr. Sie ist ganz brav. Als die Mutter sie auf den Arm nimmt und über den Taufbrunnen hält, ist sie etwas überrascht beim Übergießen des Wassers. Aber kein Geschrei. Jetzt kommt die Salbung mit dem duftenden Chrisam auf die Stirn. Da ein Lächeln auf ihrem Gesicht. Das war schön für Sophia. Das Öl auf der Stirn, so sanft, zart und glatt und das duftet. Die krause Stirn wird glatt. Gnade wird fühlbar. 

Die Nase ist ein so feines Organ, dass wir ihre Leistung noch nicht mit künstlichen Mitteln erreichen können. Schon gar nicht die eines Hundes. Unfassbar, was der kann mit seiner Nase. Peinlich, woran er alles ohne Scheu seine Nase hält. 

Oft sind mit Gerüchen ganz starke Erinnerungen verbunden. Das Weihnachtsgebäck zu Hause. Die Soße vom Sonntagsbraten. Italienisches Essen. Chinesisches Essen. Indisches Essen. Überall ganz charakteristische Gerüche. Oder wie es in einem anderen Liede heißt und wie man es sofort riecht: „Der Kaffee ist fertig...“ Oder ein ganz eigenes Thema von früher. Wenn ein Westpaket ankam und man es öffnete mit Seife, Kaffee, neuem Pullover. Es roch alles so unheimlich gut. Oder auch ganz charakteristisch das sogenannte „Herrenzimmer“ bei uns zu Hause: Eichenholz und leichter Zigarrenduft. Oder wieder ein anderer wichtiger Geruch. Joachim Ringelnatz hat ein Gedicht gemacht über sein Bett und nennt es: „Mein Riechtwieich...“

Sie werden alle Ihre eigenen Erinnerungen haben. Schöne und scheußliche. Meditieren Sie einmal darüber.  

Gerüche ziehen an oder bewirken, dass man sich gleich zurückzieht. Sympathie oder Antipathie haben es nicht nur im übertragenen Sinne mit dem Geruch zu tun, sondern tatsächlich. Das wird immer mehr erforscht. Man kann sich riechen oder nicht. Wen können/mögen Sie riechen? Wen überhaupt nicht? 

Auch in der Spiritualität spielt die Nase eine wichtige Rolle. Es gibt nicht nur die so genannte katholische Nase. Damit nimmt man traditioneller Weise nicht so sehr den Weihrauch wahr, sondern den Stallgeruch des Katholischen. Und man riecht dann eben, was häretisch oder sektiererisch ist. Diese Nase ist auch ein wenig gefährlich und eng und sehr stallmäßig und volkstümlich. Sie ist nicht sehr rational. Und solche Urteile sollten dann schon auch geprüft werden. Die Nase ist da zu wenig. 

Aber es gibt das wirklich, den Duft der Heiligkeit oder den Gestank des Bösen in der Spiritualität und im geistlichen Leben und das sind wichtige Erkenntnismittel bei der Unterscheidung der Geister. Darauf treffen wir schon bei Jesus im Evangelium. Maria gießt über ihn das Alabastergefäß voller Narde aus. Und der Duft erfüllte das ganze Haus (Joh 12,1-11; Mk 14,3-9; Lk 7,36-50. Dass ist nicht nur der Duft dieses Öles, sondern der Duft, der von ihm als Person ausgeht. Das will ja die Salbung eigentlich ausdrücken. Ja, wenn wir es recht bedenken, so ist Christus nicht ein Name, sondern ist ein Titel und bedeutet der Gesalbte, nämlich mit dem Geist Gesalbte. Zeichen für den Geist Gottes ist das schon erwähnte Chrisam-Öl, mit dem jeder Christ bei der Taufe gesalbt wird als Priester, Prophet und König. Also denken Sie daran: Sie sind Priester/in, Prophet/in und König/in! Ist doch großartig oder wie man früher mal sagte: dufte! 

Dieser Duft sollte uns erhalten bleiben als Zeichen des Geistes Gottes und auch eine gute spirituelle Nase, um ihn wahrzunehmen. Und ihn vom Gestank zu unterscheiden, der vom Bösen ausgeht, mag es sonst noch so prächtig daherkommen.

16. 11. 2010

Damit grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

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