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Ein einziger Satz im Buch der Weisheit hat eine riesige Wirkungsgeschichte ausgelöst, nämlich dass Gott alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet hat. Das hat den Naturwissenschaften ihre biblische Begründung gegeben. Das hat Keppler nach der Sphärenharmonie suchen lassen und erkennen lassen, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Die Logik der Dinge und der Welt hat im göttlichen Logos ihren Ursprung und spiegelt sich in der menschlichen Wissenschaft der Logik. Logisch oder?

Gott der Architekt des Universums - Frankreich circa 1220-1230

Buch der Weisheit 11,20 - 25

11,20 Du aber hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet. 21 Denn du bist immer imstande, deine große Macht zu entfalten. Wer könnte der Kraft deines Arms widerstehen? 22 Die ganze Welt ist ja vor dir wie ein Stäubchen auf der Waage, wie ein Tautropfen, der am Morgen zur Erde fällt. 23 Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren. 24 Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen. 25 Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre? 26 Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.

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© Foto: Thomas Gertler


Die leere Schachtel

Kennen Sie Mark Gungor? Ich habe ihn vor kurzem kennen gelernt, leider nicht persönlich, sondern über ein sehr lustiges kleines Filmchen, das ich geschickt bekam und in dem er über das so unterschiedliche Denken von Männern und Frauen spricht. Hier können Sie es sehen: „Men‘s Brain and Women‘s Brain”. Aber schauen Sie es lieber nicht an, dann reicht es Ihnen wo möglich für heute mit Lachen und Nachdenken und Sie lesen hier bei mir nicht weiter!

Mark Gungor sagt, dass das männliche Denken gemacht ist aus lauter Schachteln. Es gibt für alles eine Schachtel oder Box. Eine für die Arbeit, eine für das Auto, eine für die Familienfinanzen, eine für die Kinder, eine für die liebe Ehefrau und so weiter. Und die wichtigste Regel ist, die Boxen gut auseinander zu halten. Und wenn er mit seiner Frau über was diskutiert, dann wird über das gesprochen, was in dieser einen speziellen Box ist und nicht über alle anderen Schachteln. Die Dinge sollen schön sauber getrennt gehalten werden. Das macht die Frauen oft verrückt, weil sie ganz anders denken. Das kommt aber in meinem nächsten Impuls. Wir bleiben diesmal beim Männerhirn.

Und dann gibt es noch eine ganz seltsame Erscheinung. Die Männer haben eine Lieblingsbox. Was mag da drin sein? Sie ahnen es? Nein, es ist nicht Sex in der Box. Diese eine Box ist die leere Schachtel (siehe Bild). Ja, das ist die liebste. Denn das tun die Männer am liebsten – gar nichts denken. Wie, das geht gar nicht? Doch das geht. Ich mach es jeden Morgen. Da sitze ich zwischen meinen einzelnen Tibeter-Übungen am Boden und denke nichts. Und als wir uns jetzt bei der Brotzeit über Mark Gungor unterhielten, sagte Helga (Name frei erfunden – aber die Person existiert): „Ja, mein Mann sagt es genauso.“ Erinnern Sie sich an den berühmten Sketsch von Loriot: „Hermann, was machst du?“ „Ich mache nichts. Ich sitze einfach nur da“. Da ist Hermann mit der leeren Schachtel oder dem Nirwana beschäftigt.

Nun wollen wir aber mal etwas tiefer bohren und das Ganze doch endlich aus dem rein Zwischenmenschlichen ins Spirituelle heben, denn dazu ist mein Impuls da. Und da gilt ja grundsätzlich: Mann und Frau sind gemeinsam Gottes Ebenbild (Gen 1,27). Und das Männerhirn spiegelt auf zweifache Weise Göttliches wider. Tatsächlich zum Staunen – vor allem für die Frauen!

Zum einen hält auch Gott die Dinge gut auseinander. Er trennt Wasser und Land, Himmel und Erden und erschafft so aus dem Chaos einen Kosmos (vgl. Genesis 1). Für alles und jedes einen eigenen geschützten und eingegrenzten Lebensraum – one box for everything. Während das Durcheinanderbringen Chaos und Untergang mit sich bringt. Darum hat Gott allem eine Grenze gesetzt (vgl. Hiob 38,1-11). Gut so. Göttlich sind die Boxen ordnenden Männer! Und so fühlen sie sich manchmal, wenn sie alles schön in Ordnung gebracht haben.

Menschlich und einseitig männlich wird es aber und eine teuflische Versuchung, wenn die Trennung der Dinge, der Beziehungen und Gefühle voneinander zur Spaltung und Verdrängung wird. Und das erlebe ich bei mir und bei anderen Männern oft und gern… Gefährlich und gar nicht gut. Denn ohne jeden Zusammenhang mit den anderen Dingen und mit dem Ganzen und mit mir verlieren die Dinge ihren Sinn und ich selbst den Sinn des Lebens. Und die abgespaltenen Schachteln beginnen ein unkontrolliertes düsteres Eigenleben und man weiß gar nicht mehr, wie einem geschieht. Schrecklich.

Zum anderen: die leere Schachtel, die Lieblingsbox. Ja, auch darin ist der Mann Gott ähnlich und spiegelt ihn wider – sogar Hermann in seinem Sessel. Denn was tut Gott am siebten Tag? Nichts. Nichts. Nichts. Wie Hermann. Frauen verstehen das nicht. Gut so und mit Recht die Lieblingsbox. Und gerade wenn ich dann so am Morgen mit meiner leeren Schachtel da sitze, finde ich manchmal eine unsichtbare göttliche Inspiration darin. Und dann kann ich selig lächelnd die Box schließen und mich der nächsten Übung zuwenden. Sehr gut. Göttlich. Aber es kann auch passieren, dass die leere Schachtel völlig geistlos und leer wird im Sinne des Vakuum. Geheimnislose, geistlose, tödliche Leere und Gottlosigkeit. Dann wird dieses Nichts zum Gegenteil des Göttlichen. Stellen Sie sich vor, es gibt dann sogar große Theologen, die sprechen daher von einem gefüllten Nichts und einem nichtenden Nichts (Bernhard Welte). Einer geistvollen Leere und einer tödlichen Leere. Toll! Und jetzt können Sie das sogar verstehen und nachvollziehen und es mit Humor nehmen! Das eine ist göttlich. Das andere ist teuflisch.

Ja, dann nehmen Sie mal zur Meditation die leere Schachtel und schauen Sie, was Sie mit Ihnen macht.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

11. Febr. 2015

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