Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheDie Blumenuhr oder ich krieg alles alleine hin
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Das Problem des Individualismus oder der Autarkie ist alt. Schon Paulus kennt es aus der Gemeinde. Da gibt es auseinander strebende Kräfte, ja ein Gegeneinander. Aber sie gehören doch zusammen. Wie der Leib des Menschen und seine verschiedenen Funktionen. Hören wir, was Paulus den Christen der Hafenstadt Korinth zu sagen hat.

© Foto: Magnus Manske - CC BY 2.0

1. Kor 12, 4 - 27

4 Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. 5 Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. 6 Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. 7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. 8 Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, 9dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern - immer in dem einen Geist - die Gabe, Krankheiten zu heilen, 10 einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem andern verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten. 11 Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will. 12 Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. 13 Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt. 14 Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern. 15 Wenn der Fuß sagt: Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört er doch zum Leib. 16 Und wenn das Ohr sagt: Ich bin kein Auge, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört es doch zum Leib. 17 Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör? Wenn er nur Gehör wäre, wo bliebe dann der Geruchssinn? 18 Nun aber hat Gott jedes einzelne Glied so in den Leib eingefügt, wie es seiner Absicht entsprach. 19 Wären alle zusammen nur ein Glied, wo bliebe dann der Leib? 20 So aber gibt es viele Glieder und doch nur einen Leib. 21 Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich bin nicht auf dich angewiesen. Der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht. 22 Im Gegenteil, gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich. 23 Denen, die wir für weniger edel ansehen, erweisen wir umso mehr Ehre und unseren weniger anständigen Gliedern begegnen wir mit mehr Anstand, 24 während die anständigen das nicht nötig haben. Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem geringsten Glied mehr Ehre zukommen ließ, 25 damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. 26 Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm. 27 Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.

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© Foto: Thomas Gertler


Die Blumenuhr oder ich krieg alles alleine hin

Blumen gehen auf, wenn die Sonne scheint. Und sie schließen sich, wenn die Sonne wieder untergeht. So dachte ich bisher. Aber so einfach ist es gar nicht. Beim Besuch im Botanischen Garten von München stieß ich auf eine Blumenuhr und habe sie für Sie fotografiert. Ja, was ist denn das? Gesehen hatte ich schon mal eine Uhr auf einem Rasenbeet. Blumen bildeten das Zifferblatt und sogar auf den Zeigern waren Blumen gepflanzt. Aber sonst eine ganz normale Uhr mit einem Uhrwerk, das unter dem Rasen verborgen lag.

Nein, die Blumenuhr in München geht auf den berühmten Botaniker Carl von Linné zurück, wie Sie oben sehen können. Sie funktioniert ganz anders. Er hatte bei seinen Forschungen in Schweden festgestellt, dass Blumen und Kräuter je nach Art zu ganz unterschiedlicher Zeit aufgehen und sich schließen. Zu solch unterschiedlichen Zeiten, dass man danach eine Uhr pflanzen kann. Und er hat sie gepflanzt. Er hat zwölf Felder angelegt. Im Zwölferfeld stehen die Pflanzen und Kräuter, die entweder mittags um 12 oder um 0 Uhr in der Nacht (im Schwedischen Sommer) ihre Blüten öffnen.

Ist ja ganz interessant. Aber was soll das? Hat es einen Sinn, außer dass Herr Linné damit seine Uhr bauen kann? Ja, es hat einen Sinn. Es ist nämlich von Vorteil, wenn sich nicht alle Pflanzen zur gleichen Zeit öffnen und schließen, weil sich so auch die Insekten, die die Blumen bestäuben, über 24 Stunden verteilen können. Es gibt immer was zu holen. Die ganze Zeit und man muss sich nicht um die Pflanzen streiten… Also beide haben etwas von der Verteilung, die Pflanzen und die Insekten.

Und das Ganze ist natürlich ein wahrhaft erstaunlicher Vorgang. Denn wie passiert so was, dass sich Pflanzen und Tiere länderübergreifend auf so was „einigen“ und sich so einrichten und anpassen, was nicht mal wir Menschen samt unserer Sprache hinkriegen? Friedvolle Einteilung und Aufteilung, dass alle Nutzen davon haben. Evolution und Anpassung nicht nur für eine einzelne Pflanzen- und Tierart, sondern für eine ganze Landschaft. Toll. Großartig. Bewundernswert. Es gibt inzwischen eigene Forschungsrichtungen, die sich mit so etwas befassen.

Wie das im Einzelnen so passiert, wie viel Jahrtausende das braucht, weiß ich nicht, nur habe ich gelesen, dass sich Nachtpflanzen und Nachtfalter gegenseitig quasi hervorbringen oder hervorgebracht haben, gegenseitig stark in ihrer Evolution beeinflusst haben. Da kommen einem seltsame Gedanken… Also diese Nachtfalter!

Aber nicht diesen seltsamen Gedanken will ich folgen. Ich möchte Sie eine andere geistliche Frucht aus der Bestäubung mit dieser Geschichte pflücken lassen. Eines der großen Ideale unserer Zeit ist, dass ich alles allein kann, alles selber in die Hand nehme, dass ich möglichst unabhängig bin. Die Entwicklung unserer Gesellschaft läuft immer mehr und immer stärker auf Autarkie hinaus. Jeder ist eine Insel. Alles kann ich allein, immer bis an mein selig End. Und alles steht mir immer und jederzeit zur Verfügung. Jeder weiß, es ist eine Illusion, aber es ist dennoch ein Ideal und ein Ziel. Es motiviert uns.

Mit Max Raabe gesagt oder besser gesungen:„Alles krieg ich alleine hin, ihr staunt wozu ich fähig bin, und weil mich keiner besser kennt, bin ich selbst mein Assistent. Halt meine eigenen Pokerrunden, Psychoanalysestunden, trag mir selbst Gedichte vor, sing mit mir im Doppelchor, besiege mich bei Schachpartien, hab mir das meiste selbst verziehn, kann für mich eine Lanze brechen, mich im Zweifel auch bestechen, reich mir selbst den Staffelstab, und nehm' mir auch die Beichte ab…“ Alles kriegt er alleine hin. Und will‘s auch so. Bis auf eines wie Sie wissen. Klicken Sie mal…

Die Blumenuhr macht uns darauf aufmerksam, dass wir unser Autarkie-Ideal ab und zu mal befragen sollten und unser Denken auf solche Zusammenhänge, wie sie uns die Blumenuhr zeigt, lenken sollten. Wir werden dadurch mehr von unseren Illusionen befreit, kommen mehr in die Wahrheit und werden auch dankbarer. Denn wir sind gar nicht so allein und einsam und müssen gar nicht alles allein machen. Im Gegenteil. Wir können so nur viel alleine, weil andere so viel möglich machen. Wir sind unendlich vielfältig vernetzt.

Zum Beispiel jetzt gerade auch wir!

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

09. Juli 2014

 

PS: Ein Nachtrag zum Ebook „Update für die Seele“. Ich hoffe, Sie haben keinen Anstoß daran genommen, dass ich auf dieses fromme Buch hingewiesen habe. Denn es ist ja für Sie, für die Leserinnen und Leser von „update-seele.de“ geschrieben. Und noch eines. Man braucht dafür kein eigenes Lesegerät wie ein Kindle oder so. Nein, Sie können es auf Ihren Computer herunterlade und damit lesen. Auch unterwegs, wenn Sie Ihren PC mitnehmen und online sind.

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