Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheDer Pfahl im Fleische
DeutschEnglishFrancais

Der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!

Hören wir Paulus im Original. Er schreibt zuerst im 2. Korintherbrief in seiner so genannten Narrenrede von den einmaligen mystischen Erfahrungen, die er machen durfte, dann aber auch von dem Pfahl oder Stachel in seinem Fleisch, von seiner Schwachheit, die er nicht los wird und die ihm zu schaffen macht. Er schreibt davon wohl auch noch im Galaterbrief 4,12-14.

(c) Fotolia.com - #317803

2 Kor 12,1 Ich muss mich ja rühmen; zwar nützt es nichts, trotzdem will ich jetzt von Erscheinungen und Offenbarungen sprechen, die mir der Herr geschenkt hat.

2 Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde; ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, nur Gott weiß es.

3.4 Und ich weiß, dass dieser Mensch in das Paradies entrückt wurde; ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, weiß ich nicht, nur Gott weiß es. Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen kann.

5 Diesen Mann will ich rühmen; was mich selbst angeht, will ich mich nicht rühmen, höchstens meiner Schwachheit.

6 Wenn ich mich dennoch rühmen wollte, wäre ich zwar kein Narr, sondern würde die Wahrheit sagen. Aber ich verzichte darauf; denn jeder soll mich nur nach dem beurteilen, was er an mir sieht oder aus meinem Mund hört.

7 Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe.

8 Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse.

9 Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.

10 Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Seitwert Free counter and web stats


Der Pfahl im Fleische

„He did it again!“ Wieder ist es passiert. Der Pfahl wurde wieder umgefahren. Einmal im Monat passiert es mindestens. Direkt vor unserem Haus in der Sterngasse 3 ein Begrenzungspfahl des Bürgersteigs. Jetzt sogar zweimal. Wir lachen schon immer. Und ich schicke meinem Vorgänger eine Mail. Denn schon er hatte seinen Spaß daran. Und dann kommen spätestens am nächsten Tag die Männer von der Stadt und richten ihn wieder auf. Beim letzten Mal sogar so schnell, dass ich kaum dieses Foto machen konnte. Ich vermute mal, dass das Ganze nicht ganz billig ist. Schaden am Auto. Wahrscheinlich sind es meist Lastwagen, die beim Wenden dagegen fahren. Und dann eine Strafe. Und dann das neue Aufstellen. Auch das muss der Verursacher zahlen.

Kennen Sie auch so was, das immer wieder passiert? So eine Art „running gag“, ein sich immer wiederholender Witz oder ein immer sich wiederholender Fehler. Zwanzigmal denke ich dran und ziehe bei der Treppe den Kopf ein, beim einundzwanzigsten Mal knallt es wieder und ich schreie laut auf.

Es gibt so etwas auch im geistlichen Leben und im Zusammenleben. Eine Woche lang schaffe ich es und halte meine Gebetszeit, die mir so gut tut, und dann breche ich wieder ab. Und ich brauche wieder eine Weile, mich wieder einzufinden. Fünf mal gehe ich am Regal mit meiner Lieblingsschokolade vorbei, aber beim sechsten Mal kann ich nicht widerstehen. Und dann bei diesem einen Thema in der Familie mit dem Lüften oder nicht Lüften und wie viel Lüften, das wir schon so oft besprochen haben und bei dem eigentlich alles klar ist, da haben wir wieder angefangen zu streiten und es war richtig schlimm. Muss es denn sein? Und Nico – jedes Mal gibt es Zoff, weil er alles und alles einfach rumschmeißt und liegen lässt. Und heute wollte ich einmal pünktlich ins Bett gehen und dann kommt doch noch dieser berühmte Film, den ich längst einmal sehen wollte und da kann ich einfach nicht anders. He did it again. Pfahl umgefahren.

Das alles ist noch relativ harmlos. Jeder kennt bei sich selbst und anderen auch Schlimmeres und Gefährlicheres. Sachen, die wirklich runterziehen und kaputt machen und dazu führen, sich selbst zu hassen. So ein Pfahl, der immer wieder umgefahren wird. Und das wird teuer. Für mich selbst und andere. So eine Begrenzung, die ihr gutes Recht hat, aber nein, ich muss wieder dagegen fahren.

Das kann wirklich schlimm werden. Es kann auch sein, dass ich mich innerlich darauf fixiere und mir sage: „Das darf dir einfach nicht mehr wieder passieren!“ Und gerade dadurch, dass ich mir das immer wieder sage und daran denke, erreiche ich gerade, dass es wieder passiert. So wie auf dem Idiotenhügel beim Skifahren. Es gibt nur einen einzigen Busch – aber wie viele landen darin, gerade weil sie ganz fixiert auf ihn sind. Und wie das Pflaster auf unserer Straße an der Stelle schon gar nicht mehr richtig fest sitzt, so ist in meinem Inneren diese Stelle schon ganz wund und überempfindlich. Also ein erster Rat: nicht so darauf fixieren, dass sich alles immer nur um das eine dreht.

Ein zweiter Rat kommt von den Männern von der Stadt: wieder aufrichten, und zwar möglichst bald. Sich nicht noch immer tiefer sacken lassen, sondern sich wirklich möglichst schnell wieder aufrichten. Den nächsten Schritt hinaus. Mutig wieder weiter gehen. Nicht in die Verzweiflung und in Ohnmachtsgefühle sinken lassen. Bitte, sich selbst nicht hassen! Bitte nicht, auch wenn es so nahe liegt. Sondern im Gegenteil sofort den Kontakt zu Gott wieder suchen. Sich versöhnen mit Ihm, mit dem Nächsten, mit mir selbst!

Es kann sein, dass man manchmal so einen Pfahl oder einen Dorn im Fleisch nicht los wird. Wir kennen es von Paulus. Dreimal hat er gebeten, dass er befreit wird von irgendwas – wir wissen nicht was, aber schlimm genug für ihn wird es gewesen sein. Er bekam als Antwort: „Lass es dir an meiner Gnade genügen!“ (2 Kor 12,7-9) Dass uns dieser Stachel bleibt, bewahrt uns davor, überheblich zu werden und andere zu verachten. Es hält uns bewusst, dass wir uns nicht selbst erlösen, sondern dass Gottes Gnade und Barmherzigkeit uns erlösen.

Und ein dritter Rat kommt von mir, jedenfalls an die Stadt Augsburg. Setzt doch mal den Pfahl zwei Meter weiter nach innen. Da spart ihr eine Menge Ärger und Geld! Auf das geistliche Leben oder das moralische Leben lässt sich dieser Rat nicht immer so ohne weiteres übertragen, aber manchmal schon. Es geht nicht, dass wir die zehn Gebote einfach lockern und ein bisschen zurück setzen oder die Menschenwürde oder die Menschenrechte. Aber manchmal ist es schon möglich und auch richtig, ja, sogar notwendig, dass Gesetze gelockert werden. Bis 1957 war es zum Beispiel Gesetz, dass die Ehefrau ohne Zustimmung des Mannes kein Konto haben durfte. Es gibt auch eine ganze Reihe kirchlicher Vorschriften, die geändert wurden, obwohl sie unter schwerer Sünde verpflichtend waren. Am bekanntesten ist dabei die Vorschrift, dass man drei Stunden vor dem Empfang der Kommunion nichts essen durfte – früher sogar von Mitternacht an. Heute ist es eine Stunde und keine Todsünde.

Hier können jetzt heftige Diskussionen einsetzen. Angefangen von der rechten Ehrfurcht vor der Kommunion bis hin zum Thema Schuld und Willkür der Kirche. Von der immer noch nicht erreichten Gleichberechtigung einerseits bis hin zu einer immer weiter steigenden Unwilligkeit zur Ehe andererseits. Aber darum geht es nicht, sondern um die geistliche Unterscheidung, ob hier ein Pfahl richtig oder falsch steht. Und er kann falsch stehen. Nicht nur an der Straße, auch im geistlichen Leben.

11.01.2012

Damit grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!