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Der Jesuit Friedrich Spee hat viele Lieder gedichtet. Eines der schönsten Auferstehungslieder ist das folgende. Für ihn wird die frühlingshaft erwachende Natur zum Bild für die Auferstehung, in der alles neu wird.

© Foto: Thomas Gertler


1. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ
Halleluja, Halleluja,
in deiner Urständ fröhlich ist.
Halleluja, Halleluja.

2. Das himmlisch Heer im Himmel singt,
Halleluja, Halleluja,
die Christenheit auf Erden klingt.
Halleluja, Halleluja.

3. Jetzt grünet, was nur grünen kann,
Halleluja, Halleluja,
die Bäum zu blühen fangen an.
Halleluja, Halleluja.

4. Es singen jetzt die Vögel all,
Halleluja, Halleluja,
jetzt singt und klingt die Nachtigall.
Halleluja, Halleluja.

5. Der Sonnenschein jetzt kommt herein,
Halleluja, Halleluja,
und gibt der Welt ein' neuen Schein.
Halleluja, Halleluja.

6. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ,
Halleluja, Halleluja,
in deiner Urständ fröhlich ist.
Halleluja, Halleluja.

Friedrich Spee (1591-1635)

 

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© Foto: Thomas Gertler


Der Mai ist gekommen…

Ja, der Mai ist da und mit voller Wucht und alles ist grün und frisch und neu. Und die Sonne scheint strahlend hell und froh vom Himmel und an warmen Tagen sitzen Liebespaare im Gras und nicht nur Liebespaare. Auch ich gehe dann gern hinaus und genieße die Natur. Und lasse mir die Sonne auf den Pelz scheinen. Und sehe mir das junge frische Grün an. Und das sollten Sie auch unbedingt tun.

Und zwar auf ganz bestimmte Weise. Ich habe es früher schon mal beschrieben, aber jetzt beschreibe ich es Ihnen gern noch einmal. Schauen Sie nicht nur so allgemein herum, sondern suchen Sie sich eine Blume aus oder auch einen Baum oder einen Bach und bleiben Sie dabei, und zwar mindestens eine halbe Stunde lang. Bei der einen Blume, dem einen Baum oder an der einen Stelle des Baches. Wir nehmen heute mal eine Tulpe wie oben.

Ich schaue die Tulpe an. Nein, ich schaue sie nicht einfach so an. Ich versuche, ganz und gar nur zu sehen, nur zu schauen, ganz im Wahrnehmen zu sein. Und da merken Sie schon, so etwas geht nur immer mit einem einzigen Gegenüber. Eine Tulpe, eine Birke, eine Uferstelle am Bach. Ich schaue nun die Tulpe an, ohne mir andere Gedanken zu machen, ohne an alles Mögliche zu denken. Ja, auch ohne über die Tulpe nachzudenken. Ich will sie nur wahrnehmen, nur anschauen, ganz und gar anschauen.

Ich will sie auch nicht beschreiben, nicht ihre roten Blütenblätter, die unten schwarz sind. Nicht welch unglaublich starkes Rot das ist. Nicht den Stängel und die lanzenförmigen Blätter. Nicht wie sie sich langsam im Wind bewegt. All das beschreibe ich mir nicht, sondern sehe es nur, ohne Gedanken, ohne Worte, ohne Beschreibung. Erst dann nehme ich es richtig wahr. Erst dann und allmählich wird diese Tulpe wirklich. Wenn ich sie so ganz und gar und tief und in der Stille anschaue, wahrnehme, nicht deute, nicht bedenke, nicht erfasse im Sinne des Analysierens und Zergliederns.

Ich schaue nur diese Tulpe an. Nur diese Tulpe. Ganz und gar. Und indem ich so ganz und gar im Schauen bin, spüre ich, wie tatsächlich die Gedanken verschwinden. Wie ich nur noch im Schauen bin. Ich habe das Gefühl, mit der Tulpe eins zu werden. Ganz selbst Tulpe zu sein. Dann habe richtig geschaut und richtig wahrgenommen. Dann erst sehe ich die Tulpe wirklich.

Versuchen Sie es einmal. Es ist eine Erfahrung, die Sie verändert. Und morgen versuchen Sie es mit einem einfachen frischen Blatt am Zweig der Linde oder eines anderen Baumes und am dritten Tag gehen Sie noch einmal zu Tulpe. Es geht nun schneller, dass Sie so ganz in die Wahrnehmung kommen und eins mit der Tulpe werden. Es lohnt sich auch, eine ganze Woche nur allein bei der Tulpe zu bleiben.

Dieses ganz und gar im Schauen, im Wahrnehmen und dieses ganz beim anderen Sein, das macht uns innerlich neu und frisch. Das Berühren der Wirklichkeit und das Lassen der Gedanken erneuert uns und richtet uns selbst mehr aus. Es hilft aus dem Kreisen um uns selbst heraus und darin vollzieht sich zugleich das, wozu wir als Menschen geschaffen sind: nicht in uns selbst zu kreisen, sondern uns selbst zu verlassen und im anderen zu sein. Ganz bei der Sache zu sein. Ganz in der Arbeit zu sein. Ganz beim Anderen zu sein. Ganz im Spiel zu sein. Ganz in der Tulpe zu sein. Wenn ich so aus mir herausgehe und mich selbst verlasse, werde ich zugleich froh.

Und mit der Natur, mit den Pflanzen, mit der Tulpe, mit dem Baum und mit dem Bach geht es am leichtesten. Und darin berühre ich immer auch den, der alles trägt und erhält und der in allem gegenwärtig ist.

Der Mai ist gekommen und will uns alle froh machen.

Viel Freude mit Ihrer Tulpe oder Ihrem Bach oder Ihrem Baum wünscht Ihnen
Thomas Gertler SJ

6. Mai 2015

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