Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheDer kleine Taschensegen
DeutschEnglishFrancais

Der Psalm 67 bittet um den Segen Gottes für die ganze Welt. Er ist ein Psalm, der zu diesen ersten Tagen des neuen Jahres passt. Möge Gottes Antlitz über Ihnen leuchten, wie das strahlende Gesicht glücklicher Kinder, die ihren lächelnden Eltern zulachen. Möge Gottes Antlitz über Ihnen leuchten wie die Sonne, die über uns aufgeht an jedem neuen Tag! Wenn wir das spüren und uns dadurch verwandeln lassen, dann können wir selbst zum Segen werden.

© Dori

Psalm 67, 2 - 8

67, 2 Gott sei uns gnädig und segne uns. / Er lasse über uns sein Angesicht leuchten,
3 damit auf Erden sein Weg erkannt wird / und unter allen Völkern sein Heil.
4 Die Völker sollen dir danken, o Gott, / danken sollen dir die Völker alle.
5 Die Nationen sollen sich freuen und jubeln. / Denn du richtest den Erdkreis gerecht. Du richtest die Völker nach Recht / und regierst die Nationen auf Erden.
6 Die Völker sollen dir danken, o Gott, / danken sollen dir die Völker alle.
7 Das Land gab seinen Ertrag. / Es segne uns Gott, unser Gott.
8 Es segne uns Gott. / Alle Welt fürchte und ehre ihn.

Seitwert Free counter and web stats
© Foto: Thomas Gertler


Der kleine Taschensegen

Sie kennen den kleinen Taschensegen nicht? Den müssen Sie unbedingt kennen lernen. Ich durfte ihn vor langer Zeit kennen lernen. Da war ich noch Studentenpfarrer in Leipzig. Und mitgebracht wurde er uns von der Partnergemeinde aus Freiburg. Es gibt den großen Segen, den der Pfarrer gibt am Ende jedes Gottesdienstes. Darauf folgt das berühmte Amen in der Kirche. Es gibt auch den kleinen Segen, den die Eltern ihren Kindern morgens auf die Stirn zeichnen, wenn sie in die Schule gehen. Und der kleine Taschensegen ist das Gegenteil von dem, was viele Menschen aus Wut oder Enttäuschung oder aus Beleidigtsein in ihrer Tasche machen. Das ist die Faust in der Tasche. Allerdings kann ich, statt die Faust in der Tasche zu machen, in der Tasche den kleinen Segen geben. Das mache ich oft und gern.

Und wie geht das? Ich zeichne einfach in meine Handfläche mit dem Daumen ein Kreuz und sage dazu innerlich: Gott segne Dich. Wenn ich auf der Straße gerade einem offensichtlich traurigen Menschen begegne oder einem Mann an Krücken oder einem magersüchtigen Mädchen. Einer alten Dame mit Rollator. Oder einem verliebten Paar. Oder fröhliche Kinder. Oder wenn ein Krankenwagen mit Tatütata vorbei fährt. Oder wenn da schon wieder ein Bettler sitzt. Oder wenn mir ein Rollstuhlfahrer entgegenkommt. Oder eine schwangere Frau. Immer der kleine Taschensegen.

Der kleine Taschensegen verändert. Er schenkt hoffentlich all diesen Menschen Gottes Segen. Aber er macht auch mich froh. Er gibt mir einen anderen Blick auf die Menschen. Er lässt mich Ja sagen. Und das verwandelt meine Weltsicht hin zum Positiven, hin zur Barmherzigkeit, hin zur Liebe, hin zum Guten. Probieren Sie es selbst einmal mit dem kleinen Freiburger Taschensegen. Er muss auch gar nicht in der Tasche gemacht werden. Er kann auch mit dem Daumen in der Handfläche außerhalb der Hosen- oder Manteltasche gegeben werden.

Übrigens brauchen Sie dazu weder eine eigene Ausbildung noch eine priesterliche oder bischöfliche oder gar päpstliche Erlaubnis. Obwohl Franziskus sie Ihnen sicher gern erteilen wird. Das würde zu ihm passen. Nein, einfach so dürfen Sie segnen. Segnen und nicht fluchen. Ist das nicht wunderbar!?

Segnen ist eine starke Form von Sprechen, und zwar Gutes Sprechen oder Gutes Sagen, eben das Gegenteil von Fluchen. Im Lateinischen heißt segnen „benedicere“ - gutsagen. Im Griechischen „eulogia“, was das Gleiche bedeutet. Und gutsagen, segnen tut als Erstes Gott selbst. Lesen Sie die erste Seite der Bibel: Gott spricht und es ward Licht. Und er sah, dass es gut war. Und er schafft den Menschen und sagt, dass Mann und Frau gut sind, ja, sehr gut sind. Gott segnet alles, was er geschaffen hat. Er sagt Ja zu allem Geschaffenen. Er sagt gut. Es ist gut, dass Du bist. Es ist gut, dass Du da bist.

Und dem schließe ich mich mit dem kleinen Taschensegen an. Wenn ich das Gute sehe und sage, dann verändere ich meine Wahrnehmung. Wir sind meist darauf geeicht, das Schlechte zu sehen und davon zu sprechen. Denn alles was nicht klappt, was schief geht, was schlecht läuft, das ist laut, das schreit ja nach Hilfe und ist leicht wahr zu nehmen. Sie brauchen ja nur die Nachrichten zu hören oder zu lesen. Das Gute, das Gelingende, das Harmonische ist leise, ist unauffällig. Meist gar nicht berichtenswert. Es wird von uns als das gesehen, was so sein sollte. Dabei ist das immer ein Wunder in unserer beeinträchtigten und an vielen Stellen kaputten Welt. Und darum ist es wert, dass wir davon erzählen. Das Gute sagen! Denn das baut auf. Das stärkt das Gute.

Damit ist nicht eine süßliche und kitschige und verlogene Wahrnehmung und Rede gemeint. Das was wir abwertend als „erbaulich“ bezeichnen. Es ist gemeint, was tatsächlich da ist an Gutem auch und gerade mitten im Schweren, Beeinträchtigtem, Unglücklichen. Der kleine Taschensegen ging ja hauptsächlich an solche Menschen, die es schwer haben. Aber ich spreche ihnen Wohlwollen, Unterstützung, Beistand, Liebe von Gott her zu. Und das verstärkt all das Gute.

Also versuchen Sie es mit dem kleinen Taschensegen, wenn Sie unterwegs sind. Er kommt zu Ihnen zurück und bringt Ihnen einen guten Jahresanfang.

Den wünscht Ihnen
Thomas Gertler SJ

8. Januar 2014

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!

Der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!