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Im 105. Psalm wird die uns Kurzfassung der Josefsgeschichte vorgestellt. Und hier auch nur eine Kurzfassung des langen Psalms. Sie können ihn auch als ganzen in der Bibel finden und beten.

© Foto: via skitterphoto.com - CC-0

Ps 105

1Dankt dem Herrn! Ruft seinen Namen an! /
Macht unter den Völkern seine Taten bekannt!
2 Singt ihm und spielt ihm, /
sinnt nach über all seine Wunder!
3 Rühmt euch seines heiligen Namens! /
Alle, die den Herrn suchen, sollen sich von Herzen freuen.
4 Fragt nach dem Herrn und seiner Macht; /
sucht sein Antlitz allezeit!
5 Denkt an die Wunder, die er getan hat, /
an seine Zeichen und die Beschlüsse aus seinem Mund.
6 Bedenkt es, ihr Nachkommen seines Knechtes Abraham, /
ihr Kinder Jakobs, die er erwählt hat.

12 Als sie noch gering waren an Zahl, /
nur wenige und fremd im Land,
13 und noch zogen von Volk zu Volk, /
von einem Reich zum andern,
14 da ließ er sie von niemand bedrücken, /
wies ihretwegen Könige zurecht:
15 «Tastet meine Gesalbten nicht an, /
tut meinen Propheten nichts zuleide!»
16 Dann aber rief er den Hunger ins Land, /
entzog ihnen allen Vorrat an Brot.
17 Doch hatte er ihnen einen Mann vorausgesandt: /
Josef wurde als Sklave verkauft.
18 Man spannte seine Füße in Fesseln /
und zwängte seinen Hals ins Eisen
19 bis zu der Zeit, als sein Wort sich erfüllte /
und der Spruch des Herrn ihm Recht gab.
20 Da sandte der König einen Boten und ließ ihn frei, /
der Herrscher der Völker ließ ihn heraus.
21 Er bestellte ihn zum Herrn über sein Haus, /
zum Gebieter über seinen ganzen Besitz.
22 Er sollte die Fürsten lenken nach seinem Sinn /
und die Ältesten Weisheit lehren.
23 Und Israel kam nach Ägypten, /
Jakob wurde Gast im Lande Hams.
24 Da mehrte Gott sein Volk gewaltig, /
machte es stärker als das Volk der Bedrücker.

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Der dicke Fleck

Der Arzt und bekannte Dichter Justinus Kerner lebte von 1786 bis 1862. Damals schrieb man mit Federkiel und Tinte oder, wie er es damals vor der Rechtschreibreform aufs Papier setzte, mit „Dinte“. Hört man da nicht seinen schwäbischen Dialekt heraus? Je älter er wurde, desto mehr Kleckse machte er, denn er sah immer schlechter. Doch der Herr Doktor hatte Humor und Phantasie, mit diesen Flecken umzugehen. Er machte ein Bild daraus und noch ein Gedicht dazu. So sehen wir oben eins von diesen Klecksbildern oder Klecksographien.

„Aus Dintenfleken ganz gering
Entstand der schöne Schmetterling.
Zu solcher Wandlung ich empfehle
Gott meine flekenvolle Seele.“

Uns erinnert ja dieses Klecksbild an den sogenannten Rohschach-Test. Ein Test, bei dem den Patienten solche Klecksbilder gezeigt werden und er sagen soll, woran sie ihn erinnern. Und der Psychoanalytiker erkennt dann daraus, wie verrückt man ist. Die Bilder von Dr. Kerner sind Vorfahren dieses Verfahrens.

Aber bleiben wir mal bei Bild und Gedicht. Auf den handgeschriebenen Brief mache ich einen Klecks. O Schreck und Graus! Und anstatt nun das Blatt zu zerreißen und traurig und wütend auf mich selbst, von vorn anzufangen, mache ich aus dem Fehler ein Kunstwerk. Na ja, ein sehr großes Kunstwerk ist es nicht, aber es ist nun etwas, das mit Humor als ein Schmetterling, als eine Figur, eine Fledermaus und so weiter deutbar ist. So macht es uns jedenfalls Justinus Kerner vor. Und er hat noch gleich einen frommen Gedanken dazu.

Wie er aus dem Klecks, dem Fehler, dem Unglück etwas Lustiges, etwas Schönes und Überraschendes gemacht hat, so möge es Gott auch mit ihm und seiner fleckenvollen Seele machen. Und damit greift er auf ein ganz altes Bild der Erlösung zurück, nämlich die Verwandlung der hässlichen Raupe in einen wunderschönen Schmetterling. Das wird seit alter Zeit als natürliches Bild für die österliche Verwandlung gesehen, für die Auferstehung von den Toten. Für die Verwandlung von Sünde und Tod in Heil und Leben. Göttliche Kreativität. Unsere fleckenvolle Seele, unsere Dunkelheiten und Sünden in einen schönen Schmetterling verwandelt.

Und wir dürfen einmal schauen, ob wir vielleicht so etwas schon in unserem Leben erlebt haben. Aus dem Klecks ein Kunstwerk. Aus dem Fehler ein Vorteil. Aus dem Unglück ein Glück. Als Heranwachsender habe ich immer meine Faulheit als einen solchen Flecken und Makel empfunden. Statt meine Hausaufgaben ordentlich und pünktlich zu machen habe ich anderes gelesen und getan. Ich habe zum Beispiel statt unserer Pflichtlektüre „Tinko“ von Erwin Strittmatter lieber Hermann Hesse gelesen oder Ernest Hemingway. Und immer habe ich lieber gemalt und getöpfert und geschnitzt. Damals meinte ich, das sei so ein Klecks. Heute bin ich froh, denn das hat mir so sehr die Welt aufgetan, so sehr meine Kreativität und meine Phantasie beflügelt. Es wurde zum Schmetterling. Gibt es solche ähnlichen Erfahrungen auch bei Ihnen? Aus dem Klecks ein Kunstwerk? Aus dem Fehler ein Vorteil? Aus dem Unglück ein Glück?

Gerade in der Bibel gibt es solche Wandlungsgeschichten von Unglück in Glück, von Raupe zu Schmetterling. Zuerst begegnet einem in der Bibel da die Josefsgeschichte (Genesis 37-50). Josef wird von seinem Vater Jakob besonders geliebt und darum von seinen Brüdern gehasst. Sie wollen ihn umbringen, entschließen sich dann aber, ihn als Sklaven nach Ägypten zu verkaufen. Dort geht er durch harte Zeiten, landet sogar im Gefängnis, wird aber dann zum wichtigsten Minister des Pharao und kann auf die Weise seine Brüder und seinen alten Vater retten, die in eine Hungersnot geraten. Göttliche Weisheit weiß das Unheil in Heil zu verwandeln. Thomas Mann hat diese Geschichte mit Humor und seiner typischen Ironie meisterlich in „Joseph und seine Brüder“ beschrieben.

Aber auch und mit viel Humor die Jonageschichte des Alten Testamentes. Die haben Sie in einer Stunde durchgelesen. Oder die Geschichte von Tobit. Alles Vorgeschichten zu der wichtigsten, nämlich der von Jesus.

Gönnen Sie sich so eine Geschichte zum Advent! Gott hat Humor und Phantasie und macht aus Fleck und Dreck den schönsten Schmetterling, nicht erst im Frühling.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

17. Dezember 2014

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