Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheDer Baum – mein Traum
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Natanaël hat nicht unter einer Platane gesessen, sondern unter einem Feigenbaum. Niemand außer ihm und Jesus wissen, was er dort getan hat. Aber dass ihn Jesus dort sah und ihm das sagte und so zu verstehen gab, dass und wie sehr er ihn kennt, das hat Natanaël unmittelbar zum Glauben an Jesus geführt. Was meinen Sie wohl, hat Natanaël unter dem Feigenbaum getan? Was ich denke, das sagt Ihnen meine Meditationsstunde unter den Platanen.

Philippus und Natanael © Foto: W. J. Morgan via Wikimedia Commons

Joh 1,43 - 51

1,43 Am Tag darauf wollte Jesus nach Galiläa aufbrechen; da traf er Philippus. Und Jesus sagte zu ihm: Folge mir nach! 44 Philippus war aus Betsaida, dem Heimatort des Andreas und Petrus. 45 Philippus traf Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs. 46 Da sagte Natanaël zu ihm: Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen? Philippus antwortete: Komm und sieh! 47 Jesus sah Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit. 48 Natanaël fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen. 49 Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel! 50 Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch Größeres sehen. 51 Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.

Seitwert
© Foto: Thomas Gertler


Der Baum – mein Traum

Ein Mitbringsel aus dem Urlaub – der Baum, mein Traum. Er steht in den so genannten Herrenhäuser Gärten von Hannover und er steht dort nicht allein, sondern zu viert. Es sind vier Platanen, die eine Art Raum mit einem gemeinsamen Blätterdach bilden. Die Äste reichen bis auf den Boden. Und unter diesen Bäumen steht eine Bank. Darauf habe ich öfter gesessen während meiner Ferien. Und habe auf diese Blätter und Äste und die vier großen Platanen geschaut. Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sehen jetzt nur einen dieser Bäume. Aber Sie können sich die anderen vorstellen. Und auch, wie Sie auf der Bank sitzen, unter dem Blätterdach und träumen.

Träumen unter so einem Blätterdach, das mich schützt. Das mich versteckt. Das mich behütet. Das mir Ruhe schenkt und Frieden. Wo ich einfach nur die grünen Blätter betrachte und das Wunder dieses Baumes. Das Wunder dieser vier Bäume, die so ein Ensemble bilden. Und die mit ihren Kronen eine Art Kapelle über mir errichten. Und ich denke auch an die Kunst, einen solchen englischen Park zu errichten, wie ihn dieser Teil der Herrenhäuser Gärten darstellt, der so genannte Georgengarten. Im 19. Jahrhundert blühte diese Gartenkunst und in dieser Zeit ist auch dieser Park entstanden.

Ob meine vier Platanen auch aus dieser Zeit stammen? Vielleicht. Aber das ist nicht wichtig. Sie sind bis heute gut gepflegt. Daran denke ich und dafür bin ich dankbar. Denn es hat sicher erst die Idee und dann die Umsetzung gebraucht für diese Vierergruppe. Und wie lange hat es gedauert und wie viel an Hege und Pflege brauchte es, bis sie so gewachsen waren, wie sie jetzt sind. Bis die Äste bis auf den Boden reichten. Danke dafür!

Viele, viele Menschen nutzen den Park: Spaziergänger, Jogger, Radler, Hundebesitzer, ja auch Pferdekutschen fahren hindurch. Leute sitzen auf den vielen Bänken und auf dem Rasen. Viele besuchen auch die Herrenhäuser Schlösser und das Wilhelm-Busch-Museum, das im Georgengarten steht. Zuweilen gibt es Open-Air-Konzerte.

Aber jetzt nicht. Heute ist es eher ruhig und nicht so belebt, weil es gestern so stark geregnet hat. Und ich sitze nun in der grünen Kapelle und meditiere. Das geht ganz leicht in solch einer Umgebung. Das Blätterdach hilft. Es meditiert mit. Es unterstützt mich. Freilich kann man grundsätzlich immer und überall beten, aber es gibt Orte, wo es eben leichter ist. Die uns wie von selbst mit Gott verbinden. Das sind Kirchen, Kapellen, Meditationsräume, aber das ist eben auch so ein natürlicher Andachtsraum.

Da sitze ich im Freien. Da spüre ich den Wind. Da rieche ich die Luft. Da höre ich die Blätter rauschen. Da kann ich den Vögeln lauschen. Und schaue auf die Blätter. Immer wieder die Blätter. Die sich im Wind bewegen. Die Blätter, die grün leuchten, wo die Sonne auf sie trifft. Die Blätter, die die überhellen Strahlen der Sonne abmildern. Dieses Grün ist so gut für die Augen. Das sagt schon Dänemarks Dichter Hans-Christian Andersen in seinem Märchen „Das hässliche junge Entlein“. Grün ist so gut für die Augen! Und was bei ihm Erfahrungswissen war, das ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen. Und so habe ich mir nun diesen grünen Baum als Bildschirmschoner eingerichtet. Möge er nicht nur den Bildschirm schonen, sondern auch meine Augen. Sie haben es nötig.

Vielleicht haben Sie auch Lust, sich unter diesen grünen Baum zu setzen und zu meditieren, auch wenn es nur mit dem Bild ist. Die Hannoveraner unter den Leserinnen und Lesern sind natürlich privilegiert. Sie können in den Georgengarten gehen und sich in die grüne Kapelle setzen und dort unter dem Dach der Platanen Frieden, Ruhe, Schonung finden. Oft ist allerdings die Bank schon besetzt. Wieso bloß? Aber irgendwann wird sie frei! Und für Sie am Computer natürlich gleich jetzt.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

2. September 2015

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