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Kohelet (wörtlich „Sammler“ von Sprüchen oder Versammler von Menschen) ist ein Weisheitslehrer, nach der Legende ein König. Er lebt in Wohlstand, aber er ist auch sehr realistisch und sieht, dass alles vergänglich ist. Es vergeht wie ein Windhauch. Darum sollen wir die Freude suchen und dankbar sein für alles Gute.

Vincent van Gogh, Sternennacht

Kohelet 11,6-8

6 Am Morgen beginne zu säen, auch gegen Abend lass deine Hand noch nicht ruhen; denn du kannst nicht im Voraus erkennen, was Erfolg haben wird, das eine oder das andere, oder ob sogar beide zugleich zu guten Ergebnissen führen. 7 Dann wird das Licht süß sein / und den Augen wird es wohl tun, die Sonne zu sehen. 8 Denn selbst wenn ein Mensch viele Jahre zu leben hat, / freue er sich in dieser ganzen Zeit / und er denke zugleich an die dunklen Tage: / Auch sie werden viele sein. / Alles, was kommt, ist Windhauch.

Seitwert
Vincent von Gogh, Der Sämann bei Sonnenuntergang

 

Vorbemerkung

Liebe Leserinnen und Leser von „Update Seele“, heute darf ich eine neue Autorin begrüßen. Frau Anne Mersch hat drei Impulse geschrieben. Das ist ihre Abschlussarbeit bei unserem Kurs für evangelisierende Seelsorge, in dem wir vermitteln, wie man heute über den Glauben sprechen kann. Ich freue mich, dass Sie nun eine frische Stimme hören und wenn Sie wollen, können Sie ja auch eine Rückmeldung geben.

Mit herzlichen Grüßen
Thomas Gertler SJ


Das Tun des Menschen

Sicher kennen Sie das auch: Der Alltag steckt voller Termine, jedes Wochenende von jetzt bis Weihnachten ist verplant und die To-Do-Liste ist so lang, dass sie schon unübersichtlich wird. Soll ich weniger machen? Soll ich etwas von dem, was ich tue abgeben? – Aber was davon? Im Studium oder auf der Arbeit muss ich Leistungen erbringen, um voran zu kommen. Ich möchte ja auch etwas erreichen. Daneben möchte ich genug Zeit für meine Familie und meine Partnerin/meinen Partner haben. Mein ehrenamtliches Engagement im Verein, der Kirchen-gemeinde oder bei den Flüchtlingen ist doch so wichtig. Und daneben möchte ich natürlich auch noch Sport machen – für meine Gesundheit und damit ich meine Figur halten kann. Ja, und dann sind da noch meine Freunde, mit denen ich mich auch hin und wieder treffen möchte.

Es gibt so viele Möglichkeiten in unserer Zeit, sich zu betätigen, zu engagieren und zu beschäftigen – und (fast) alles davon finden wir wichtig und wollen es tun. Meistens stehen hinter diesen vielen Einzelterminen und Aufgaben große Ziele: zum Beispiel wollen wir eine eigene Familie gründen, wir wollen einen Beruf ausüben, der uns erfüllt, wir wollen tragfähige Freundschaften führen, wir wollen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und so weiter. Und das ist gut so, denn ohne Ziele könnten wir – glaube ich – gar nicht leben.

Vielleicht kennen sie auch das Gegenbeispiel: Sie haben Zeit – vielleicht ganz unerwartet ein Wochenende frei. Da es kurzfristig dazu kam, hatten sie keine Zeit es zu planen und plötzlich ist das Wochenende da. Die To-Do-Liste ist zwar immer noch lang. Doch plötzlich wissen Sie nicht, was sie tun sollen. Die Ziellosigkeit blockiert Sie.

„Am Morgen beginne zu säen, auch gegen Abend lass deine Hand noch nicht ruhen; denn du kannst nicht im Voraus erkennen, was Erfolg haben wird, das eine oder das andere, oder ob sogar beide zugleich zu guten Ergebnissen führen.“

Dies Aussage von Kohelet, vermutlich einem hebräischen Volksredner um 200/250 v. Chr., der auf hellenistisch-philosophische Fragestellungen eingeht, macht deutlich, dass es wichtig ist, den Tag zu nutzen und etwas zu tun – auch wenn wir nicht genau wissen, ob das Ergebnis dieser Arbeit zufriedenstellend sein wird. Dennoch brauchen wir Ziele, um überhaupt handeln zu können – ob wir sie erreichen, liegt oft nicht in unserer Hand.

„Denn selbst wenn ein Mensch viele Jahre zu leben hat, freue er sich in dieser ganzen Zeit“

Mit diesem Satz gibt uns Kohelet ein Kriterium für unser Tun an die Hand: die Freude. Sie ist nach Kohelet von Gott gemacht. Gott schenkt sie uns, wenn wir das „Richtige“ tun, also das, was zu uns passt. Mithilfe dieses Kriteriums – der Freude – können wir zwei Aspekte unseres Tuns überprüfen: Erstens ob wir nicht zu viel machen. Neben allem Handeln brauchen wir Zeit, um uns einfach zu freuen und Zeit, um Dinge zu tun, die uns Freude bereiten. Sonst verfallen wir in ziel- und sinnlosen Aktionismus.

Zweitens könne wir überprüfen, ob wir das Richtige tun: Wenn wir bei unseren Aufgaben Freude haben, wenn uns unsere Arbeit zu freudigen Momenten führt, dann ist es richtig, was wir tun, dann passt es zu uns. Mühen wir uns dagegen ab, ohne dass wir dabei Freude empfinden, sollten wir überlegen, ob es eine Möglichkeit gibt, diese Aufgabe sein zu lassen oder sie zu verändern.

„Er denke zugleich an die dunklen Tage“

Das ist ein Gedanke Kohelets, der sich durch sein ganzes Werk zieht. Er erwähnt ihn deshalb so oft, weil er findet, dass er entscheidend ist für unser Tun. Vom Tod her, von Tagen der Schwäche, der Krankheit oder der Traurigkeit her, wenn nicht mehr alles möglich ist, was jetzt möglich erscheint, wird jedes Geschehen, jede Situation einmalig. Wenn ich weiß, dass meine Zeit begrenzt ist, bekommt jedes Tun einen ganz besonderen Wert.

Herzliche Grüße und eine gesegnete Zeit wünscht
Anna Mersch

2. Dezember 2015

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