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Die letzte Betrachtung im Exerzitienbuch des hl. Ignatius von Loyola ist die zur Erlangung der Liebe. Hier in der Übersetzung von Hans Urs von Balthasar. Anders gesagt: Wir dürfen nie vergessen, dass wir geliebt und reich beschenkt sind, sonst werden wir elend und bitter. Auch in den schweren Zeiten sollen wir das erinnern. Ignatius hilft uns dabei und auch der Dreiecksteich. Welche Glückserfahrung bei Ihnen?

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(230) BETRACHTUNG ZUR ERLANGUNG DER LIEBE
Zuerst ziemt es sich, auf zwei Dinge zu achten. Das erste ist, daß die Liebe mehr in die Werke gelegt werden muß als in die Worte.

(231) Das Zweite: Die Liebe besteht in der Mitteilung von beiden Teilen her; das will heißen, daß der Liebende dem Geliebten gibt und mitteilt, was er hat, oder von dem, was er hat oder kann, und als Gegenstück dazu der Geliebte dem Liebenden, derart, daß wenn der eine Wissen oder Ehren oder Reichtümer besitzt, er es dem gibt, der es nicht hat, und so teilt immer einer dem andern mit. …

(234) DER ERSTE PUNKT ist: Ins Gedächtnis rufen die empfangenen Wohltaten der Schöpfung, der Erlösung und der besonderen Gaben, indem ich mit großer Hingebung wäge, wie Großes Gott Unser Herr für mich getan und wie viel Er mir von dem gegeben hat, was Er besitzt, und folgerichtig, wie sehr derselbe Herr danach verlangt, Sich selbst mir zu geben, soweit Er es nur vermag gemäß Seiner Göttlichen Herablassung. Und dann zurückbesinnen auf mich selbst und mit viel Begründung und Gerechtigkeit erwägen, was ich von meiner Seite schuldigerweise darbieten und geben muß Seiner Göttlichen Majestät, nämlich alles, was ich habe, und mich selber damit, so wie einer, der mit großer Hingabe darbietet:
Nimm Dir, Herr, und übernimm meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen, mein ganzes Haben und Besitzen. Du hast es mir gegeben, zu Dir, Herr, wende ich es zurück; das Gesamte ist Dein; verfüge nach Deinem ganzen Willen, gib mir Deine Liebe und Gnade, das ist mir genug.

(235) DER ZWEITE: Erwägen, wie Gott in den Geschöpfen wohnt, in den Elementen Dasein, in den Pflanzen wachsendes Leben, in den Tieren sinnliches Fühlen, in den Menschen geistige Einsicht verleihend. Und so auch in mir: wie Er mir Dasein gibt, mich durchseelt, mir Sinne erweckt und geistige Einsicht verleiht, wie Er desgleichen einen Tempel aus mir macht, da ich zu einem Gleichnis und Bild Seiner Göttlichen Majestät geschaffen bin.

(236) DER DRITTE: Erwägen, wie Gott sich anstrengt und müht um meinetwillen in allen geschaffenen Dingen auf der Welt, das heißt, Er verhält Sich wie einer, der mühselige Arbeit verrichtet. So in den Himmeln, Elementen, Pflanzen, Früchten, Herden usf., indem er das Dasein gibt und erhält, Wachstum und sinnliches Leben verleiht usf. Dann zurückbesinnen auf mich selbst.

(237) DER VIERTE: Schauen, wie alles Gut und alle Gabe absteigt von oben, so wie auch meine beschränkte Kraft von der höchsten und unendlichen oben herab; und so auch [unsere] Gerechtigkeit, Güte, Frömmigkeit, Barmherzigkeit usf., wie von der Sonne absteigen die Strahlen, vom Quell die Wasser usf. Dann zum Ende zurückbesinnen auf mich selbst in der gesagten Weise.

Schließen mit einer Aussprache und einem Vater Unser.

 

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© Thomas Gertler


Dankbare Gedanken am See

Der erste Besuch wieder am geliebten Dreiecksteich. Niemand außer mir ist am Wasser. Ich setze mich auf meine Bank. Stille. Es war so schlechtes Wetter und es ist noch ein bisschen kühl und unbeständig, darum ist hier niemand. In der Sonne ist es dann doch richtig schön warm.

Hinter mir fahren immer wieder Radfahrer oder kommen Jogger oder Hundeliebhaber den Weg entlang. Aber im See und am Ufer niemand. Stille. Frieden. Weiße Wolken. Gekräuselter See. Das sehe ich so gern. Lange kann ich so sitzen und schauen. Schon wegen dieser einen Stunde, denke ich, hat sich alles gelohnt. Schon wegen dieser einen Stunde hat sich alles gelohnt!

Schon wegen dieser einen Stunde hat sich alles gelohnt? Was alles? Also erst mal die Fahrt hierher an den See. Gut. Die Fahrt an den See. Die Fahrt nach Hannover. Sie hat allein schon drei Stunden gedauert. Hat sich gelohnt wegen einer Stunde? Ja, denn das tut so gut, hier zu sitzen und einfach nur auf den See zu schauen. Und was noch alles? Alles. Also dein Leben bis hierher? Wegen einer Stunde am See? Das ist übertrieben. Na ja, das ist übertrieben. Aber nur ein bisschen übertrieben.

Denn wie will man den Wert dieser Stunde messen? Sie ist doch einmalig. Diese Stunde, diese eine Stunde kommt so nie wieder. Das singen sogar die Fans im Fußballstadion. Und was hat es alles gebraucht, damit diese Stunde möglich war? War dafür nicht tatsächlich dein ganzes Leben bisher nötig, um das erkennen zu können, um das sagen zu können? Dass dies eine einmalige und unwiederbringliche Stunde ist. So hat es einmal ein Professor zu seinen Studenten gesagt: „Mein ganzes bisheriges Leben mit allem Lernen, aller Langeweile und allem Leiden war nötig, um Ihnen das sagen zu können, was ich Ihnen heute sage.“

Nicht nur mein Leben war dazu nötig, um das zu verstehen, wie einmalig diese Stunde ist. Nein, wie viel hat da noch zusammengespielt? Nicht nur, dass dieser See noch vor 100 Jahren gar nicht existierte. Er ist entstanden, als man Kies für die Autobahnen brauchte. Nein, auch dass diese Bank hier steht, ist noch ziemlich neu. Und der Baum? Ja, der Baum kommt mir älter vor als 100 Jahre, kann aber auch jünger sein. Aber dass es überhaupt Bäume, Gräser, Enten, Wasser gibt. Das hat ja Millionen und Abermillionen Jahre gebraucht. Und alles das ist hier auf den Punkt da. Jetzt heute in dieser Stunde. Damit es hier so schön ist und damit ich das spüren kann.

Diese Wolken, diese Rippel im Wasser durch den Wind. Immer wieder anders. Immer einmalig. Die Sonne, die mir auf den Pelz scheint. Ich wusste schon mal, wie lange ein Strahl von der Sonne bis auf meinen Bauch braucht. Jetzt kann ich es Ihnen nicht sagen, aber das Wunder existiert auch so.

Die Sonne auf meinem Bauch. Genau jetzt und hier. Einmalig und auf den Punkt. Jetzt. Hier. Heute. Und genau dieser Strahl aus der Kernschmelze in der Sonne über diese Entfernung genau auf meinen Bauch.

Also nicht nur mein Leben bisher, auch ganz viele Geschöpfe haben zusammengewirkt, um diese Stunde am Dreiecksteich zu schaffen. Dankbarkeit und Freude erfüllen mich. Es hat sich gelohnt. Es hat sich gelohnt. Und das wartet morgen wieder auf mich.

Und weißt Du was, mein Alter, Ja, das alles hat für Dich zusammengewirkt, weil es einen gibt, der das so wollte. Denk mal daran! Der Dir beweisen wollte, dass er Dich lieb hat, dass er alles für Dich tut. Jetzt ist mal eine Stunde da, wo Du das verstehen und spüren kannst. Dabei gilt es für jede Stunde. Für jede? Für jede. Aber erkennen können wir das jetzt nicht für jede Stunde meines und Ihres Lebens. Das kommt noch… Jetzt mal nur diese einmalig schöne Stunde. Für die hat sich alles gelohnt. Gott sei Dank!

 

Es grüßt Sie herzlich aus dem Urlaub, der jetzt schon wieder vorüber ist.
Thomas Gertler SJ

04. September 2013

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