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Lasst uns froh und munter sein, singen wir nicht nur am Nikolaustag, nein, es ist auch ein wesentliches Thema in der Bibel. Jesus fordert immer wieder, dass wir wach und munter sind, aufmerksam und nicht verschlafen (Mk 13,34-36). Aber auch Paulus ermahnt uns zu dieser Wachheit:

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Röm 13,11 - 14a

13,11 Bedenkt die gegenwärtige Zeit: Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. 12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. 13 Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht. 14a Legt (als neues Gewand) den Herrn Jesus Christus an.

 

 

 

 

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© Foto: Thomas Gertler


"Damals, als ich noch lebte..."

Das hat einmal aus Versehen oder als Freudscher Versprecher unser verehrter Professor Otfried Müller in der Vorlesung gesagt: „Damals, als ich noch lebte…“ Wir Studenten haben herzlich gelacht. Und dann auch er. Seitdem sage ich das auch manchmal, wenn ich was aus meiner Jugend, aus der Konzilszeit, von vor der „Wende“, aus der alten DDR-Zeit erzähle und ich bekomme auch immer herzliches Gelächter als Reaktion. Versuchen Sie es auch mal, wenn es Ihnen nichts ausmacht, dass man mal über Sie lacht.

Aber es geht natürlich um das, was da ungewollt gesagt ist und was das Gelächter auslöst. Da sagt einer, der lebendig vor einem steht: „Damals, als ich noch lebte.“ Er sagt damit: Jetzt lebe ich eigentlich nicht mehr so richtig. Und nebenbei gesagt, das ist gerade für Professoren immer so eine Gefahr. Dann jedenfalls, wenn sie 15 Jahre im Dienst sind und immer die gleichen Vorlesungen halten und in ihrem Manuskript steht: „An dieser Stelle pflege ich (seit 15 Jahren) folgenden Witz zu erzählen…“

Ich war ja auch mal auf dieser Lehr-Laufbahn und da ging mir eine Karikatur nicht aus dem Sinn (ich find‘s immer blöd, wenn jemand Karikaturen erzählt, weil man sie ja sehen muss – außer wenn ich‘s selbst mache natürlich!), also da kommt ein junges Rindvieh zu einer Gruppe schon älterer Rindviecher und fragt höflich und ein bisschen schüchtern: „Darf ich mich dieser Wiederkäuergruppe anschließen?“ Ja, dachte ich damals als junger Dozent: „Das passt! Das Bildchen werde ich meinen Kollegen verschicken, jetzt wenn ich den neuen Job antrete.“ Denn das ist es ja meist. Man wird zum Wiederkäuer und erzählt immer wieder die gleichen Sachen. Und das mit immer größerer eigener Überzeugung, weil man ja immer das Gleiche erzählt und kaum jemand jemals widerspricht.

Da kann es schon so vorkommen, dass man sagt: „Damals als ich noch lebte…“

Allerdings ist es ja nicht nur das Schicksal von ProfessorInnen und DozentInnen, dass das Leben zur Routine wird und sich das immer Gleiche wiederholt und wiedergekaut wird (natürlich ist es jetzt völlig anders bei der Umstellung auf Bachelor und Master, da muss alles neu erarbeitet werden, jedoch nur um dann um so häufiger erzählt zu werden). Das Wiederkauen ist auch die Gefahr im Glaubensleben. Zum Beispiel haben wir zu Hause immer das gleiche Tischgebet gebetet. Ob das wohl nach 15 Jahren noch lebte? Ich hatte als Jugendlicher den Eindruck, dass es schon dahingeschieden war als Gebet. Es war nur noch eine Sitte, das Essen anzufangen.

Das gleiche kann man zu manchem Messbesuch und leider auch zu manchen Zelebranten sagen, die die Messe feiern. Wann hat die Feier noch gelebt? Ist sie schon als lebendiges Geschehen dahingeschieden? Und wann hat dieser Pfarrer noch gelebt und lebendig die Messe gefeiert?

Wie ist es denn mit Ihnen und Ihrem Glaubensleben? Haben Sie auch mal das Gefühl, dass da manches schon sehr zur Routine, zur Gewohnheit, zur leeren Hülse geworden ist? Ein leeres Schneckenhaus. Sowohl in den Alltagsgebräuchen und Alltagsbeziehungen wie in den Glaubensbräuchen und in der Gottesbeziehung?

Wiederholung ist ja etwas Gutes und Wichtiges und beheimatet uns. Wiederholung ist die Mutter allen Lernens haben wir gerade gehört. Aber die Wiederholung des stets Gleichen ohne Vertiefung und Erweiterung wird mit der Zeit hohl und leer. Leben entweicht. Gebete können zur bloßen Formel werden. Die Psalmen des Stundengebetes können sich mit der Zeit gewissermaßen von selbst beten, ohne dass ich noch dabei bin. Erst nach einer Weile merke ich, dass ich schon beim dritten Psalm bin. Und wo war ich inzwischen? Wenn immer ich solches bemerke, ist neue Aufmerksamkeit angesagt. Ich nehme dann gern mal eine andere Sprache, also ich bete mal die Psalmen auf Englisch oder, wenn ich ganz mutig bin, auf Latein. Oder auch direkt aus der Bibel. Versuchen Sie neu wach zu werden und neu zu beginnen!

Man kann auch mit sechzig noch mal munter werden und neu zu leben anfangen.

Wirklich wahr!

Ich wünsche es Ihnen, auch wenn Sie noch nicht sechzig sind, aber das Gefühl haben, das Leben wäre schon vorbei.

Viele Grüße und weiter einen frohen Advent
Thomas Gertler SJ

11. Dezember 2013

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