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Jesus erzählt uns im Lukasevangelium dieses Gleichnis, um uns klar zu machen, dass er uns nicht aufgibt, auch wenn es nichts bringt. Und bei Lukas gibt es viele solche verlorenen Fälle wie die verlorene Drachme, wie den verlorenen Sohn (Lk 15) oder gar den gekreuzigten Verbrecher an der Seite Jesu. Er geht mit Jesus ins Paradies (Lk 23,43).

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Lk 13,6 Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine.

7 Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?

8 Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen.

9 Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.

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Bringt nix…

Soll ich jetzt noch ein drittes Mal anrufen und einladen? Zweimal habe ich schon so eine schwer glaubhafte Ablehnung bekommen. Ich lass es. Bringt doch nix.

Jetzt habe ich wieder nur 20 Minuten Zeit für meine Meditation. Soll ich mich da noch hinhocken? Ist doch sowieso zu kurz. Da lass ich es doch lieber. Bringt doch nix.

Die Oma ist ja schon so dement. Die merkt doch gar nicht, ob ich noch zu Besuch komme. Soll ich da wirklich noch hingehen? Bringt doch nix.

Französisch ist so eine tolle Sprache. Wie gerne würde ich sie sprechen können. Aber jetzt mit Fünfunddreißig noch eine Sprache lernen, das schaffe ich doch nie. Nein, das lass ich lieber.

Meine beste Freundin ist jetzt so weit weggezogen. Lohnt es denn da noch die Freundschaft aufrecht zu erhalten? Was bringt das noch?

Sie kennen das alle. Zwar gibt es den inneren Impuls, noch etwas zu tun und zu unternehmen, aber dann gebe ich auf – hat doch keinen Zweck. Bringt nichts. Lohnt nicht. Kann ich nicht. Wann haben Sie das letzte Mal so gedacht und sind dem Impuls nicht nach gegangen, weil es doch nichts (mehr) bringt?

Und vermutlich kennen Sie auch das traurige Gefühl danach. Etwas Wichtiges und Gutes kommt nicht zustande. Der Aufwand lohnt nicht. Er ist zu groß. Warum bin ich traurig? Weil es sich nicht lohnt? Oder weil ich es sein lasse? Weil ich mich nicht überwinden konnte und ich der Trägheit gefolgt bin. Bin ich dem Effektivitätsgesetz gefolgt oder dem Trägheitsgesetz?

Versuchen Sie einmal zu erfassen, was Sie da eigentlich traurig gemacht hat!

Meine These ist, dass es nicht wirklich die zu geringe Effektivität ist, die traurig macht, sondern immer wenn der Mensch aufgibt, resigniert, nichts mehr unternimmt, sondern sich zurückzieht und der Trägheit oder Ängstlichkeit oder Schüchternheit folgt, dann wird er traurig. Denn dann er bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Denn dann mache ich nicht genügend von meiner Freiheit Gebrauch, von meiner Kreativität, von meiner Lebensfreude, von meiner mutigen Unternehmungslust. Und jede solche innere oder äußere Absage macht mehr traurig und verstärkt noch die Unlust, Trägheit oder Ängstlichkeit, die sowieso schon da sind. Die Chance, dem nächsten positiven Impuls wieder nicht zu folgen, weil es doch nichts bringt, steigt. Das gibt dann so einen Sog nach unten. Und die Dinosaurier werd’n immer trauriger...

Wenn Sie das bei sich bemerken, dann sofort die Notbremse ziehen. Halt und nächster Schritt raus aus der Unlust, Trägheit und Feigheit. Nicht tiefer sinken lassen! Aktiv werden und die beste Freundin, die so weit weg wohnt, anrufen und was miteinander ausmachen! Schon werde ich wieder freier und froher und hoffnungsvoller. Weil wir uns bald sehen. Aber auch weil ich mich überwunden habe.

Wie geht Gott mit dem um, was nichts bringt und keinen Zweck mehr hat? Eines der trostreichsten Worte im Alten Testament lautet: „Den glimmenden Docht löscht er nicht aus und das geknickte Rohr zerbricht er nicht.“ (Jes 42,3) Und wie oft fühle ich mich als nur noch glimmender Docht, fast kein Feuer mehr – eigentlich nur noch zum Ausdrücken. Oder wie ein geknicktes Rohr, das man eigentlich nur zerbrechen und wegschmeißen kann. So wie es Friedrich Nietzsche gesagt hat: „Was fällt, das soll man auch noch stoßen“. Nein, Gott ist anders. Er löscht nicht aus und er zerbricht nicht. Er entflammt und richtet auf. Er geht auf riskante Weise dem verlorenen Schaf nach, indem er die neunundneunzig anderen allein zurücklässt. Er sucht das Verlorene. Er liebt die Kleinen und Unbeachteten. Er lässt die Kinder zu sich kommen. Sie sind ihm die Mühe wert. Auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sind ihm die Mühe wert! Glauben Sie mir. Und auch das, was Sie schon aufgegeben haben, weil es nix bringt, das lässt er nicht. Er sagt Ihnen und jedem Menschen: „Ich lasse dich nicht“ (Jos 1,5b; Ps 27,10)

Geben Sie nicht auf! Machen Sie noch einen Versuch. Wenigstens noch einen. Sie werden froher sein, sogar dann, wenn es tatsächlich nichts gebracht hat. Aber Sie haben noch etwas unternommen.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

6. Februar 2013

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