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Rehabeam war der Sohn von König Salomo. In seinem jugendlichen Überschwang neigt er ebenso zur Übertreibung wie seine jugendlichen Berater, denen er folgt. Durch sein extremes Verhalten kommt es zum Zerfall Israels in ein Nordreich um die Hauptstadt Samaria und ein Südreich um die Hauptstadt Jerusalem. Sie haben nie wieder zueinander gefunden. Das zweite Buch der Chronik erzählt die Geschichte.

Skorpione

2 Chronik 10,1 - 19

10,1 Rehabeam begab sich nach Sichem; denn dorthin war ganz Israel gekommen, um ihn zum König zu machen. …und sie sagten zu Rehabeam: 4 Dein Vater hat uns ein hartes Joch auferlegt. Erleichtere jetzt den harten Dienst deines Vaters und das schwere Joch, das er uns auferlegt hat. Dann wollen wir dir dienen. 5 Er antwortete ihnen: Kommt nach drei Tagen wieder zu mir! Als sich das Volk entfernt hatte, 6 beriet sich König Rehabeam mit den älteren Männern, die zu Lebzeiten seines Vaters Salomo in dessen Dienst gestanden hatten. Er fragte sie: Welchen Rat gebt ihr mir? Was soll ich diesem Volk antworten? 7 Sie sagten zu ihm: Wenn du gut gegen dieses Volk bist, ihnen zu Willen bist und freundlich mit ihnen redest, dann werden sie immer deine Diener sein. 8 Doch er verwarf den Rat, den die Älteren ihm gegeben hatten, und beriet sich mit den jungen Leuten, die mit ihm groß geworden waren und jetzt in seinem Dienst standen. 9 Er fragte sie: Welchen Rat gebt ihr mir? Was sollen wir diesem Volk antworten, das zu mir sagt: Erleichtere das Joch, das dein Vater uns auferlegt hat. 10 Die jungen Leute, die mit ihm groß geworden waren, sagten zu ihm: So sollst du dem Volk antworten, das zu dir sagt: Dein Vater hat uns ein schweres Joch auferlegt. Erleichtere es uns! So sollst du zu ihnen sagen: Mein kleiner Finger ist stärker als die Lenden meines Vaters.

11 Hat mein Vater euch ein schweres Joch aufgebürdet, so werde ich es noch schwerer machen. Mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt, ich werde euch mit Skorpionen züchtigen. 12 Am dritten Tag kamen Jerobeam und das ganze Volk zu Rehabeam; denn der König hatte ihnen gesagt: Kommt am dritten Tag wieder zu mir! 13 Der König gab ihnen nun eine harte Antwort. Er verwarf den Rat der Älteren 14 und antwortete ihnen nach dem Rat der jungen Leute: Mein Vater hat euer Joch schwer gemacht. Ich werde es noch schwerer machen. Mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt, ich werde euch mit Skorpionen züchtigen. 15 Der König hörte also nicht auf das Volk … 19 So fiel Israel vom Haus David ab und ist abtrünnig bis zum heutigen Tag.

Seitwert


Kolumbus landet in Amerika


Bis zum Äußersten

Extremismus kennzeichnet unsere Zeit und wir haben in letzter Zeit erschreckende Erfahrungen damit gemacht. Ich denke an die Anschläge aus anscheinend religiösen Gründen oder an die Amokläufe überall auf der Welt und nun auch hier bei uns. Und man hat den Eindruck, immer zieht die eine Tat weitere nach sich. Als sie sich jetzt auch in Deutschland ereigneten, habe ich gleich daran gedacht, im Impuls etwas darüber zu schreiben, wollte es aber in der erregten und aufgeheizten Situation nicht tun. Denn ich will gar nicht direkt zu diesen Ereignissen in München, Ansbach oder Würzburg Stellung nehmen, sondern über die extremen Einstellungen schreiben, aus denen die erwachsen, und zwar an einem entlegenen und einem vielleicht nicht erwarteten Beispiel, nämlich am dem unseres Ordensgründers, des heiligen Ignatius von Loyola (1491-1556).

Das kann helfen, dieses Phänomen besser in den Blick zu nehmen, weil wir ja Abstand von mehreren hundert Jahren dazu haben, und zugleich merken können, wie nahe uns das selbst ist.

Ignatius hat eine Autobiografie hinterlassen, den so genannten Pilgerbericht. Darin schildert er seine Erfahrungen auf seinem Lebensweg, mit sich selbst und mit Gott. Und er tut es, damit die Mitglieder seines Ordens aber auch alle anderen Leser darin Gottes Führung erkennen und sie von anderem unterscheiden lernen wie er und damit sie nicht die gleichen Fehler machen wie er. Denn viele Fehler hat er gemacht. Und es brauchte Zeit, bis er mit seinem eigenen Extremismus fertig wurde.

Als junger Adliger aus dem Baskenland, Höfling und Offizier, ist Ignatius ganz und gar geprägt von seiner Zeit. Gerade in Spanien herrschte damals (nur damals?) eine sehr stolze Männerkultur der Ehre, des Stolzes und der äußersten Konsequenz, des Mutes und auch der Gewalttätigkeit. Das was wir heute „Machismo“ nennen. Er prägte aber nicht nur Spanien sondern die ganze damalige Zeit und Welt. Im Auftrag der spanischen Krone hatte Christoph Kolumbus Amerika entdeckt, auf einer Fahrt die tatsächlich in extremis ging, bis ins Äußerste. Und zwar aus der seinerzeit noch umstrittenen Ansicht, dass die Erde eine Kugel sei, von deren Rand man nicht wie bei einer Scheibe ins Nichts fallen kann. Und er war erfolgreich gewesen und seiner Meinung nach 1491 in Indien gelandet, im Jahr, in dem Ignatius geboren wurde.

Ignatius, der Offizier, wird dreißig Jahre später (1421) im Kampf mit den Franzosen auf der Festung Pamplona schwer verwundet, die man nur deshalb weiter gegen die Franzosen verteidigt hatte, weil er so sehr alle dazu begeistert hatte, nicht aufzugeben und sich nicht zu ergeben. Auf seinem Krankenlager, das ihn mehrfach dem Tod nahebringt, kommt er allmählich zur Besinnung und will sein Leben ändern. Er bekehrt sich und während er sich vorher durch Ruhmestaten für seine Herzensdame hervortun wollte, will er nun in Taten der Buße und der Frömmigkeit bis zum Äußersten gehen. „Denn wenn er das Leben unseres Herrn und der Heiligen las, verweilte er dabei, zu denken und bei sich zu reden: »Was wäre, wenn ich das täte, was der hl. Franziskus getan hat, und das, was der hl. Dominikus getan hat?« Und so ging er viele Dinge durch, die er gut fand. Er nahm sich immer für sich selbst schwierige und schwere Dinge vor. Und wenn er sie sich vornahm, schien ihm, er finde Leichtigkeit in sich, sie ins Werk zu setzen“ (Pilgerbericht 7). In seinem Machotum setzt er also auch nun als Neu-Bekehrter immer noch eins drauf, will immer noch mehr tun, geht er ins Extreme.

Das finden wir oft bei Menschen, die sich bekehren. Sie wollen nun ganz ernst machen. Sie wollen alles ändern und wollen ganz fromm sein und ganz viel Buße tun. Sie übertreiben maßlos. Wenn Sie selbst einmal solch eine Kehrtwende erlebt haben, dann kennen Sie das vielleicht. Ich habe es selbst auch so erlebt. Wir wollen radikal sein. Wir wollen alles tun. Wir wollen es umsetzen. Nicht nur reden, sondern es praktizieren. Alles das ist richtig und gut. Und doch ist das alles zugleich hoch gefährlich.

Hoch gefährlich, denn Ignatius merkt noch gar nicht, dass er im Grunde noch die alten Ideale mitschleppt. Seine Eitelkeit, sein Stolz und seine Ruhmsucht haben jetzt nur ihren Gegenstand gewechselt. War es vorher „die Welt“ ist es nun „die Heiligkeit“. Da will er nun der Größte sein und mehr tun als Franziskus oder Dominikus. Da will er nun alles perfekt und vollkommen machen. Bis ins Letzte. Und gerade das wird ihn selbst bis an die Grenze, ja sogar bis zum Scheitern bringen. Davon will ich Ihnen in den nächsten beiden Impulsen noch zwei Geschichten von Ignatius - dem Extremisten - erzählen, die das Thema vertiefen.

Jetzt nur so viel als Erkenntnis: 1. Das Extreme und die Frömmigkeit haben oft miteinander zu tun. Weil uns die Begegnung mit Gott eben zuinnerst trifft und wir es dann ganz ernst meinen mit dem neuen Leben und alles anders machen wollen. Und wir denken dann, alles was wir nun tun, wäre gut und heilig. 2. Wir nehmen aber uns selbst immer mit in das neue Leben samt unseren (falschen) Idealen, Charaktereigenschaften und Neigungen. Sie müssen erst allmählich verwandelt und neu ausgerichtet werden. Wir fühlen uns nach der Bekehrung ganz neu und umgewandelt, sind es aber längst noch nicht. 3. Das Extreme liegt nicht im Religiösen selbst, sondern in einem Missverstehen und in einer Versuchung zum Übertreiben.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

14. September 2016

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