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Der Psalm 90 wirft einen Blick in den Terminkalender Gottes. Und dieser Blick hilft uns, unsere Tage zu zählen und zu sehen, worauf es ankommt und was die wirklich wichtigen Termine sind.

Ps 90,1 - 17

90, 1Herr, du warst unsere Zuflucht /von Geschlecht zu Geschlecht.
2 Ehe die Berge geboren wurden, / die Erde entstand und das Weltall, / bist du, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
3 Du lässt die Menschen zurückkehren zum Staub /und sprichst: «Kommt wieder, ihr Menschen!»
4 Denn tausend Jahre sind für dich /wie der Tag, der gestern vergangen ist, / wie eine Wache in der Nacht.
5 Von Jahr zu Jahr säst du die Menschen aus; / sie gleichen dem sprossenden Gras.
6 Am Morgen grünt es und blüht, / am Abend wird es geschnitten und welkt.
7 Denn wir vergehen durch deinen Zorn, / werden vernichtet durch deinen Grimm.
8 Du hast unsre Sünden vor dich hingestellt, /unsere geheime Schuld in das Licht deines Angesichts.
9 Denn all unsre Tage gehn hin unter deinem Zorn, / wir beenden unsere Jahre wie einen Seufzer.
10 Unser Leben währt siebzig Jahre, / und wenn es hoch kommt, sind es achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Beschwer, / rasch geht es vorbei, wir fliegen dahin.
11 Wer kennt die Gewalt deines Zornes / und fürchtet sich vor deinem Grimm?
12 Unsre Tage zu zählen, lehre uns! / Dann gewinnen wir ein weises Herz.
13 Herr, wende dich uns doch endlich zu! / Hab Mitleid mit deinen Knechten!
14 Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! / Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.
15 Erfreue uns so viele Tage, wie du uns gebeugt hast, / so viele Jahre, wie wir Unglück erlitten.
16 Zeig deinen Knechten deine Taten / und ihren Kindern deine erhabene Macht!
17 Es komme über uns die Güte des Herrn, unsres Gottes. / Lass das Werk unsrer Hände gedeihen, / ja, lass gedeihen das Werk unsrer Hände!

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© Foto: Thomas Gertler


Beten mit dem Terminkalender

Beten trotz Terminkalender wäre doch eher verständlich. Seinem Terminkalender täglich eine Zeit abtrotzen, in der ich mich nicht von ihm bestimmen und hetzen lasse, das wäre es doch! Ja, das ist auch der erste Schritt. Nicht die Verehrung des Terminkalenders als Gott meiner Zeit und damit meines Lebens. Er soll aufhören mein Herr zu sein und ich sein Sklave. Ja, das ist der erste Schritt.

Aber dann geht auch Beten mit dem Terminkalender. Entweder tatsächlich mit dem Terminkalender vor mir auf dem Tisch in meiner Meditationsecke oder mit dem inneren Terminkalender. Man kann diese Art des Gebetes auch Meditation des Tages nennen. Einfach meinen Tag, meinen Alltag, mein Leben vor Gott bringen. Mein Leben, meinen Alltag mit Gott verbinden. Ihn in alles mit hinein nehmen. Das geschieht meist im Rückblick, also als Tagesrückblick. Es geht aber auch vorausblickend auf alles, was heute dran ist.

So habe ich jahrelang gebetet. Es hat mir sehr geholfen dabei, Gott tatsächlich in allem zu finden. Und alles mit Gott zu verbinden. Ohne diese Form des Betens wäre es wohl nicht möglich gewesen, diese Internetseite „update seele“ jahrelang mit einem Wochenimpuls zu versehen.

Aber konkreter zum Gebet mit dem Terminkalender. Warum ist das so wichtig und so hilfreich? Das erste und wichtigste habe ich schon gesagt, um mein Leben, meinen Alltag mit Gott zu verbinden. Aber wenn ich morgens auf den Tag schaue und seine Termine, dann passiert da noch mehr. Es ist immer ein Vielerlei, was jeden Tag zu tun ist. Im Gebet versuche ich eine Ordnung hinein zu bringen. Das Wichtigste muss zuerst getan werden. Das Telefonat wegen der Einladung zu einer wichtigen Veranstaltung ist zum Beispiel heute das dringendste. Denn es muss jetzt jemand gefunden werden, der es übernimmt. Aber es fällt mir schwer, immer mit allem Charme zu bitten und zu gewinnen und wo möglich eine Absage zu bekommen. Und wo möglich den ganzen Vormittag erfolglos rumzutelefonieren. Am liebsten möchte ich es noch rausschieben – wenigstens eine Stunde, ehe ich mich daran mache.

Nein, das Gebet hilft mir dabei das Wichtige vom Unwichtigen zu scheiden. Und es gibt mir vor allem die Kraft, das Wichtige tatsächlich anzugehen. Ja, auch das Unangenehme und das Schwere zu tun. Oft und oft füllen wir ja unsere Zeit damit aus, alles mögliche zur Vermeidung des Unvermeidlichen zu tun. Also doch erst nächste Woche zum Zahnarzt zu gehen. Oder endlich den wichtigen Brief zu schreiben. Oder was ist es bei Ihnen gerade, wovor Sie sich drücken und dem Sie ausweichen? Wir sind sehr phantasievoll, Ausreden und andere Aufgaben zu finden. Erstaunlich. Das Gebet mit dem Terminkalender hilft mir, den nächsten, notwendigen Schritt tatsächlich zu tun.

Das Gebet mit dem Terminkalender hilft mir dabei, die wichtigen Verabredungen vorher durchzubeten, nicht nur durchzudenken. So gehe ich anders in das Gespräch. Im Gebet bitte ich darum, bei dem bleiben zu können, wovon ich wirklich überzeugt bin und mich nicht plattreden zu lassen – immer wieder meine Schwäche – und nachher ganz unglücklich aus dem Gespräch zu gehen. Ich kann auch betend vor Gott bringen, wo es Kompromisslinien gibt. Worauf kann ich mich noch einlassen und wo darf ich auf keinen Fall nachgeben? Und ich bitte darum, den anderen wirklich zu hören, sein Anliegen zu verstehen und es nicht als Bedrohung zu empfinden und mich zu verschließen. So können wir vielleicht wirklich gemeinsam die Kuh vom Eis schieben.

Und manchmal hilft mir das Gebet mit dem Terminkalender auch dabei, das für mich wirklich Schwierige hinzubringen und eine freie Zeit zu lassen. In den Montag einmal keine Termine zu legen, sondern stattdessen schwimmen zu gehen und einmal den Rhythmus zu ändern. Das sollte eine jede und ein jeder einmal in der Woche tun. Das hat uns sogar Gott selbst vorgemacht. Frei zu nehmen und frei zu machen, einmal in der Woche Sabbatzeit. Eine Seite im Kalender leer lassen!

Ja, beten Sie mit Ihrem Terminkalender. Und mit dem schönen Wort von Mary Ward: „Gott hat für alles seine Zeit.“ Und bei diesem Satz dürfen Sie einmal sämtliche möglichen Betonungen probieren. Jedes Mal enthüllt er einen anderen Sinn.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

18. Juni 2014

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