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Dieses Gleichnis Jesu ist anstößig. Es scheint den Betrug zu rechtfertigen. Aber nicht der Betrug ist es, den Jesus hier lobt, sondern die Entschiedenheit und Freiheit, mit der dieser Verwalter handelt. Er lässt sich durch die plötzlich veränderten Verhältnisse nicht unterkriegen, sondern findet einen Weg, um das sichere Unheil abzuwenden und sich zu retten. Solche Klugheit und solche Entschlossenheit sollen auch wir aufbringen und uns nicht den üblen Verhältnissen einfach überlassen. Der ungerechte Mammon ist der Gott des Geldes, dem wir als Kinder des Lichtes nicht folgen sollen, wir sollen auf dem Weg zum Gericht Gottes lieber das Geld an die Armen geben. Dann retten wir uns – und die Armen.

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Lk 16,1 Jesus sagte zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen.

2 Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.

3 Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich.

4 Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.

5 Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?

6 Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin und schreib «fünfzig».

7 Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib «achtzig».

8 Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.

9 Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht.

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Bessere Verhältnisse

Bald ist Ferienzeit. Halleluja! Für manche hat sie schon begonnen. Für sehr viele ist das die wichtigste Zeit im Jahr. Nicht nur, weil ich mich ausruhen, ja, einmal richtig faulenzen kann. Nicht nur weil ich in einer schönen Gegend bin und das genieße. Nicht nur weil ich mir da etwas gönne, was ich sonst kaum tue. Sei es ein Konzert oder gar ein Opern- oder Theaterbesuch, nicht nur Kino oder gar nur „Tatort“ im Fernsehen. Nein, vor allem ist Urlaub so wichtig, weil es ganz und gar MEINE ZEIT ist. Da bestimme ich, was passiert oder nicht passiert. Und darum soll da auch keiner reinreden oder mir diese so kostbare Zeit verderben. Richtig so.

Und sonst? Ist denn die übrige Zeit des Jahres nicht meine Zeit? Wo bin ich denn da? Nein, da bestimmt ja mein Arbeitgeber, was ich tue. Da bestimmt ja die Familie, was ich tue. Da bin ich ja nur Sklave oder Sklavin. Dies empfinden jedenfalls viele so. Es ist ja in vieler Hinsicht so, dass andere mein Leben bestimmen und festlegen. Aber ist es nicht trotzdem MEIN Leben und MEINE Zeit? Unser Leben hängt immer von vielem, sehr vielem ab. Viele Umstände bestimmen mich. Aber dennoch ist es dann noch mein Leben und meine Zeit! Und ich bestimme auch.

Sind Ihnen diese Klagen irgendwie vertraut? O, wenn ich nur erst mal erwachsen bin, dann geht es los. Wenn ich erst mal weg bin von zu Hause, dann fange ich an richtig zu leben. Und jetzt, was ist mit jetzt? Und wo bist Du? Bist Du nicht hier? Findet dein Leben nicht hier in diesem Moment statt? O, sagt mir die alte Dame, wenn nur meine alten Beine besser gingen, dann könnte ich endlich wieder leben. Und jetzt, was ist mit jetzt? Und wo, liebe alte Dame, lebst Du? Hier und heute oder nur damals, als die Beine noch konnten.

Oder andere Klagen, die ich oft höre: Ja, wenn dieser unmögliche Bischof nicht wäre. Ja, wenn es einmal einen richtig fortschrittlichen Papst gäbe. Ja, wenn unser Pfarrer nicht so total links und so halb gläubig wäre, dann könnte ich ja in der Kirche was machen. Dann ginge das Leben richtig los. Nein, Leben und Glauben finden heute statt und hier und sowieso von Anfang an unter erschwerten Bedingungen! Man muss nur mal die Paulusbriefe lesen, zum Beispiel den Galaterbrief, um mitzukriegen, was für ein sehr unbequemer, streitbarer, starrköpfiger und temperamentvoller, also eigentlich unmöglicher Mensch und linker Vogel dieser Paulus gewesen ist.

Wie oft erlebe ich gerade in Versammlung von Geistlichen, Hauptamtlichen, Ordensleuten die große Klage und das große Schimpfen, dann auch Ironie und Zynismus. Alles Zeichen dafür, dass sie das Gefühl der Ohnmacht, der Abhängigkeit haben, dass sie ihr Leben nicht selbst bestimmen können. Dass es da die großen Verhinderer gibt.

Klage darf sein, Beschwerde darf sein, Schimpfen darf sein. Ja, es muss sein. Alles das ist wichtig und notwendig. Aber es darf nicht dahin umkippen, dass ich nicht mehr selbst lebe, mein Leben bestimme und selbst führe. Und es ist so, dass ich es leicht bei anderen sehe und verurteile, aber das eigene Leben auch vor allem eingeschränkt erfahre.

Gibt es bei mir diese Umstände, Verhältnisse, Beziehungen, Vorgesetzte, Arbeitsumstände, Gesundheitszustände, die mir mein Leben unmöglich machen? Welche? Ich schaue bewusst auf sie. Und ich schaue auf alles das, was sie verhindern, unmöglich machen, erschweren und wie das alles mich lähmt, traurig und verbittert macht. Ich darf trauern und klagen und ich tue es nun einmal ganz bewusst und Gott gegenüber und laut.

Und nun lasse ich mich von Jesus den Blick heben. Ich schaue einmal darauf, was ich alles kann und was ich alles habe und wo meine Möglichkeiten liegen. Denn ich lebe noch und Jesus steht an meiner Seite. Ich versuche meinen Blick zu lösen von allen Fesseln und Unmöglichkeiten auf das Entscheidende, dass mein Leben nämlich zuletzt nicht von den Umständen abhängt, sondern davon, was ich daraus und damit mache.

Der Marxismus glaubt, dass der Mensch „das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“ ist (Karl Marx, 6. These über Feuerbach). Daher gibt es da auch keine wirkliche Freiheit. Die gesellschaftlichen (kirchlichen, familiären, gesundheitlichen usw.) Verhältnisse bestimmen mich und mein Wesen vollständig. Und dazu sagen wir als Christen: ja, die Verhältnisse bestimmen mein Leben. Ich bin abhängig von ihnen. Aber ich bin immer noch mehr als die Umstände. Ich bin mehr als die Verhältnisse. Ich nehme zu ihnen Stellung. Ich verhalte mich zu den Verhältnissen. Entweder indem ich ihnen alle Macht über mich einräume oder indem ich selbst mit ihnen umgehe. Ich bin frei.

Was tue ich? Und wo bin ich? In einer Wunschwelt? Oder in der Realität? Und wie sehr lasse ich mich nur bestimmen oder wie sehr mache ich von meiner begrenzten Freiheit Gebrauch? Sobald ich von meiner Freiheit Gebrauch mache, wird meine Stimmung besser, weil ich nicht mehr nur Objekt und Opfer bin, sondern – wie es Gott von mir erwartet – selbst aktiv werde. Ich werde froh, weil ich selbst gestalte. Ich bin auch mehr bei mir selbst zu Hause, wenn ich im täglichen Gebet mutig mich selbst und meine Situation Gott hinhalte und aushalte und sie annehme und dann das Meine tue.

Nur Mut, christliche Seele!

6. Juli 2011

Ihr Thomas Gertler SJ 

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