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Im ersten Johannesbrief geht es darum, dass die Jünger, das was sie gesehen und erfahren, ja, was und wen sie mit Händen berührt haben, dass sie das, dass sie den weitergeben. Und das geschieht, indem sie andere berühren, anrühren, anfassen. Es soll nicht nur durch den Verstand gehen, es muss auch in Hand und Herz. Wie bei dieser Schwester aus Äthiopien, die ein aidskrankes Kind auf ihrem Arm hält – das Jesuskind heute.

© Thomas Gertler

1 Joh 1,1 Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens.

2 Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde.

3 Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.

4 Wir schreiben dies, damit unsere Freude vollkommen ist.

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© Thomas Gertler


Berührt

Dieses Jesuskind habe ich von den kleinen Schwestern Jesu geschenkt bekommen. Ist es nicht liebenswert? Es ist ganz klein. Nicht einmal so lang wie mein kleiner Finger. Es ruht immer in einer kleinen Schachtel, die kostbar mit Leder bezogen ist. Auf der Schachtel liegt das ganze Jahr ein kleines Kreuz, das uns 1976 Bischof Aufderbeck zur Priesterweihe geschenkt hat. Und davor meditiere ich das Jahr über. Aber zu Weihnachten kommt das Kreuz in die Schachtel und das Jesuskind mit dem Stern auf die Schachtel.

Ich habe es jetzt für Sie mit einem Tannenzweig – oder ist es ein Kiefernzweig? – fotografiert. Dieses Kind betrachte ich die Weihnachtszeit über. Es lacht mich an und streckt mir die Arme entgegen. Und dieses Lächeln berührt mich. Das Lächeln eines Kindes. Es lächelt so echt, so ganz kindlich und offen und vorbehaltlos, ohne jeden Hintergedanken. Es freut sich einfach des eigenen Daseins und meines Daseins. Dass ich jetzt da bin und auf es schaue. Es streckt mir seine Arme entgegen. Es zeigt mir seine Liebe und seine Freude. Können Sie das auch so sehen und empfinden? Versuchen Sie es! Lassen Sie sich berühren! Bleiben Sie dabei. Schauen Sie auf dieses Lächeln.

Es will auch Ihnen dieses Lächeln auf Ihr Gesicht zaubern. Können Sie dieses Lächeln annehmen? Als ein Lächeln, das Ihnen – Ihnen ganz persönlich gilt? Versuchen Sie es! Ich versuche es auch. Und es ist nicht immer leicht. Es will Ihnen sagen: „Ich hab Dich lieb! Ich freue mich, dass Du da bist! Dass Du mich anschaust! Ich hab Dich wirklich lieb!“

Das ist ja ein Grund, vielleicht der Grund, warum Gott Mensch wird: Dass wir ihm seine Liebe glauben. Oder anders gesagt. Gott kommt in der Ohnmacht, Arglosigkeit, Echtheit und Ursprünglichkeit eines Kindes zu uns, damit wir glauben können, dass Seine Liebe zu uns genau so ist – ohnmächtig, arglos, echt, ursprünglich, ohne Hintergedanken und ohne Berechnung. Weil die Liebe der Kinder so ist, darum lieben wir auch die Kinder. Sie wecken in uns nämlich die gleiche Liebe auf. Wir waren ja auch einmal so: arglos und echt, ursprünglich und ohne Berechnung und ohne Hintergedanken.

Das sagt so schön und mit anderen Worten auch die Präfation von Weihnachten. Das ist der Gesang im Gebet der Heiligen Messe, in dem das jeweilige Festgeheimnis oder das Thema des Tages ausgesprochen und gepriesen wird. Und da heißt es in liturgisch feierlicher Sprache: „In der sichtbaren Gestalt des Erlösers [als kleines lachendes Kind] lässt du uns den unsichtbaren Gott erkennen, um in uns die Liebe zu entflammen zu dem, was kein Auge geschaut hat.“ Gott kommt als Kind zu uns, weil es leicht für uns ist, ein Kind zu lieben und der Liebe eines Kindes zu vertrauen und weil wir darin die Liebe des unsichtbaren Gottes erkennen und ihr mit unserer Liebe antworten können. Und da geht es nicht nur darum, berührt zu werden, sondern sogar entflammt zu werden. Also ein richtiges Feuer in uns zu entzünden. Das wär doch mal was!

Madeleine Delbrêl, die selbst so entflammt war und gern das Evangelium weiter geben wollte, hat schon erfahren, dass Leute an dieser Botschaft gar nicht interessiert waren. Das einzige, was den Panzer der Gleichgültigkeit und den verschlossenen Horizont verwandeln konnte, war ein solche selbstlose und arglose Liebe, die wirklich am anderen Menschen als Person interessiert war und nichts weiter. Das hat sie neugierig und gemacht und aufgeweckt. Wie, der meint wirklich mich? Wie, die ist wirklich an mir interessiert? Echt? Das gibt’s doch nicht. Doch. Das gibt’s.

Lassen Sie sich nicht nur anrühren, sondern entflammen und stecken Sie auch andere an, nicht mit der Grippe, sondern mit der Liebe des Kindes in der Krippe!

Thomas Gertler SJ

9. Januar 2013

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