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Mehr als Jesus von Nazaret haben wir von Gott nicht zu erwarten, so der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer (CiG 51/2014), wie auch der Apostel Paulus an die römischen Christen schreibt, dass Gott uns mit seinem Sohn alles geschenkt hat. Aber diese paulinischen Worte bleiben einem fast im Halse stecken angesichts der Grausamkeiten aktueller Christenverfolgung. Einzig im Blick auf Jesus und im Beten zu ihm, dem Gefolterten, Getöteten - und Auferstandenen -, lassen sich die täglichen Nachrichten aus dem Nahen Osten überhaupt aushalten.

© Foto: All India Christian Council - CC BY-SA 3.0

Röm 8,31 - 39

Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein. Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

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Ausschnitt: MISEREOR-Hungertuch "Barmherzigkeit und Gerechtigkeit" © MVG Medienproduktion, 1998


Barmherzig sein - aus der Kraft der Mitte

„Die ein gutes Leben beginnen wollen, die sollen es machen wie einer, der einen Kreis zieht. Hat er den Mittelpunkt des Kreises richtig angesetzt und steht der fest, so wird die Kreislinie gut“, so der Mystiker Meister Eckehart. „Das soll heißen: Der Mensch lerne zuerst, dass sein Herz fest bleibe in Gott, so wird er auch beständig werden in allen seinen Werken.“

Auch im Spätmittelalter hatten die Gläubigen ihre Not damit, dass das Herz fest bleibe in Gott; läuft es doch so leicht immer wieder weg und ist mit anderem beschäftigt. Eine tiefe Sehnsucht wohnt im Menschen nach Gehaltensein, nach dem zentralen Punkt, welcher Ordnung und Ruhe in das oft chaotische Leben bringt.

Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, den persönlichen Alltag und Lebensstil zu durch-forsten nach dem, was sich so gerne in den Mittelpunkt stellt, obwohl es uns damit eigentlich nicht gut geht: bestimmte Gewohnheiten, Haltungen, Unmäßiges oder Verdrängtes bis hin zum Schuldiggewordensein. Was sich da ins Zentrum gedrängt hat, nimmt möglicherweise Besserem den Platz weg oder erstickt es. Fasten heißt, wieder etwas leerer zu werden. Angesagt ist ehrliches Hinschauen und Unterscheiden: Was dient wirklich meinem Leben und dem Leben anderer? Wo erwartet mich mehr Lebendigkeit und Wahrhaftigkeit?

Nikolaus von Flüe (1487), der nach langem Ringen mit 50 Jahren in die Einsiedelei zog, konnte nur deshalb von seiner Familie weggehen, weil ein Anderer zunehmend für ihn im Mittelpunkt stand, Einer, der noch über seiner Verantwortung als Ehemann, Vater, Bauer, Richter und Politiker stand; Einer, der über Essen, Trinken und Kleidung steht: Gott.

Dabei hatte der spätere schweizerische Nationalheilige „keine Kenntnis der Buchstaben“. Nur das berühmte Meditationsbild, das heute in der Sachsler Pfarrkirche hängt, war das „Buch“ des Asketen. Im Zentrum dieses „Gebetbuches“ steht das gekrönte Antlitz Christi, (s.o.), das wie von den Speichen eines Rades umgeben ist, die teils zu ihm hin und teils von ihm weg streben. Diese Bewegungen finden sich im dem überlieferten Gebet des Bruder Klaus wieder (Gotteslob 9,5):

Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.

Niemand von uns braucht so radikal wie Bruder Klaus zu leben, dennoch ist es gut, sich immer wieder einmal zu fragen: Was führt mich (mehr) hin zur Mitte, zu einem erfüllten Leben, zu den Mitmenschen, zu Gott? Was oder wer „entmittet“ mich? Was empfinde ich beim Anschauen des Christus-Bildes? Lasse ich mich - umgekehrt - von Ihm anschauen? Was möchte ich Gott / Jesus Christus sagen?

Lebendiger Glaube drängt zu Einsatz und Dienst. Wenn das Herz in Gott verankert ist, so nochmal Meister Eckehart, „so wird der Mensch beständig werden in allen seinen Werken“. Unser Christusbild ist umgeben von Szenen der Heilsgeschichte, die mittels bestimmter Symbole auf die „Werke der Barmherzigkeit“ hinweisen: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde beherbergen, Gefangene erlösen, Kranke besuchen und Tote begraben. Der Glaube will Werke. Auch der Eremit von Flüeli-Ranft wurde aufgesucht von Menschen aller Milieus, die ein offenes Ohr, Rat und Weisung suchten. Nicht für sich selbst lebte der Aussteiger dort in der Schlucht, sondern für Gott und die Menschen.

Bevor wir unser Herz in Gott festmachen, hat Er längst sein Herz in uns festgemacht, und zwar in der Höchstform seiner Liebe: im Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen seines Sohnes Jesus. Dieser hat um den Preis seines Blutes uns die Werke der Barmherzigkeit vorgelebt. Vielleicht ist das eine oder andere Werk jetzt in der Fastenzeit konkret für uns dran? Arme, Fremde, Kranke, Gefangene sind mitten unter uns. Und nicht zu vergessen die Barm-herzigkeit mit uns selbst. - „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade“ (2 Kor 6,2).

Herzlich grüßt Sie
Marlies Fricke

04. März 2015

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