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Dass sogar eine Heirat eine Ausrede sein kann, erzählt uns Jesus im Gleichnis vom großen Festmahl beim Evangelisten Lukas. Die Festgäste entschuldigen sich alle und ergreifen nicht die angebotene Gelegenheit. Dafür bekommen sie andere. Sie auch!

© Foto: Eugene Burnand - Einladung zum Gastmahl

Lk 14,16-24

14,16Jesus sagte: Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. 17Als das Fest beginnen sollte, schickte er seinen Diener und ließ den Gästen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, es steht alles bereit! 18Aber einer nach dem andern ließ sich entschuldigen. Der erste ließ ihm sagen: Ich habe einen Acker gekauft und muss jetzt gehen und ihn besichtigen. Bitte, entschuldige mich! 19Ein anderer sagte: Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin auf dem Weg, sie mir genauer anzusehen. Bitte, entschuldige mich! 20Wieder ein anderer sagte: Ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen. 21Der Diener kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Da wurde der Herr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen herbei. 22Bald darauf meldete der Diener: Herr, dein Auftrag ist ausgeführt; aber es ist immer noch Platz. 23Da sagte der Herr zu dem Diener: Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird. 24Das aber sage ich euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen.

 

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© Foto: Thomas Gertler


Ausreden

Wissen Sie, was „Kannsch ne!“ heißt? Das ist Dresdner Sächsisch und heißt: „Da kann ich nicht.“ Kürzeste und schlagendste Ausrede von Jugendlichen, die gefragt werden, ob sie am Donnerstagabend mal den Jugendraum mit aufräumen können. Sonst heißt es eher so:

„Nein, da habe ich keine Zeit.“ Das ist die allerbeliebteste und meist gebrauchte Ausrede. Ich selber sage es auch oft. Ein guter Freund erwiderte mir dann immer: „Bitte, sag doch: Dafür habe ich keine Zeit. Denn das ist ehrlicher.“ Und so ist es ja auch. Dafür habe ich keine Zeit. Oder gar: Für Dich habe ich keine Zeit. Denn jeder hat jeden Tag 24 Stunden Zeit. Und wenn ich keine Zeit habe, dann habe ich DAFÜR keine Zeit oder eben auch FÜR DICH. Es ist immer eine Wahl, eine Entscheidung. Aber es auf diese Weise zu sagen, ist brutal und tut weh. Mir und auch demjenigen, zu dem ich es leider sage. Wir sagen es darum lieber allgemeiner und nicht „DAFÜR habe ich keine Zeit.“. Allgemeiner gesagt ist höflicher, freundlicher, menschlicher. Ist es auch verlogen? Vielleicht sollte ich dann mal leise und bei mir selbst sagen: DAFÜR habe ich keine Zeit und dann mal kosten, wie es innerlich schmeckt.

Auf zur nächsten gern gebrauchten Ausrede: „Die anderen können das viel besser als ich!“ Das sagt die junge Mutter, als sie gefragt wird, ob sie nicht bei der Elternvertretung in der Schule mitmachen könnte. Ja, oft ist es so, andere können es besser. Warum können sie es besser? Weil sie es schon mal gemacht und auf diese Weise gelernt haben. Weil sie schon mal Ja gesagt haben. Weil sie schon mal über ihren Schatten gesprungen sind. Die anderen können es besser, das heißt nicht nur, ich schätze die anderen als besser ein. Es heißt umgekehrt auch, ich schätze mich eigentlich schlechter ein. Wieder etwas, das ziemlich hart ist und brutal. Und das sollten wir auch einmal innerlich schmecken, wie bitter das ist. Ist es auch eine Ausrede? Nur eine Ausrede, die mich vor einem Schritt hinein ins Leben schützen soll? Oder?

Und noch eine Ausrede, die Sie kennen: „Da kann man sowieso nichts dran ändern.“ Das sage ich mir selbst gern, wenn ich merke: „Du solltest einmal deinen Schreibtisch aufräumen.“ Den gleichen Satz: „Da kann man sowieso nichts dran ändern.“, hat die Mehrheit der DDR-Bevölkerung gesagt, wenn jemand forderte, dass sich etwas grundlegend ändern sollte in der DDR. Und die Minderheit wollte sehnlichst, dass die Mehrheit für immer der Meinung bleibt, dass man sowieso nichts ändern kann. Und heute denke ich, dass ich mal einen ordentlichen Schreibtisch habe, wird nie passieren, aber dass ein grundlegender Wandel sogar eines Staates möglich ist, das habe ich am eigenen Leibe erlebt. Ob man das dann allerdings glaubt, das ist noch eine andere Frage, denn ich habe Leute getroffen, die meinten: „Ja, früher haben die Roten uns regiert und heute regieren uns die Schwarzen. Das ist genau dasselbe.“ Sie haben nicht wahrgenommen, dass es wirklich anders geworden ist. Nicht einmal, dass sie selbst und freiwillig als Mehrheit der DDR diese Schwarzen gewählt haben, weil sie das Westgeld wollten, haben sie wahr genommen.

Auch das ist also eine Ausrede für die eigene Lebensgestaltung und für die Übernahme von Verantwortung für das eigene Leben. Ich glaube nicht an die eigene Freiheit. Ich glaube nicht, dass ich selbst mein Leben führen kann. Ich überlasse mein Leben oder wenigstens Teile davon anderen.

Oder die Ausrede: „Dafür bin ich nun zu alt.“ Oder: „Nein, jetzt noch nicht, erst in ein paar Jahren.“ Ja, das kann sein, dass ich dafür nun zu alt bin oder noch zu jung bin. Beides kann aber genauso Ausrede sein, HEUTE mein Leben zu ergreifen und einen Schritt zu wagen. Welcher Satz geht Ihnen leichter von den Lippen? „Ich bin dafür zu alt!“ Oder: „Nein, jetzt noch nicht, in ein paar Jahren vielleicht!“

Ganz ähnlich ist der Satz: „Das lerne ich sowieso nie.“ Klavier oder Zeichnen oder Mathematik oder ein Rad am Auto zu wechseln oder mir mein Lieblingsessen Spagetti Bolognese selbst zu bereiten (nicht aus der Dose oder der Tüte!). Oder wie ich es eher von anderen höre: Zu beten und in die Stille zu gehen, das schaffe ich nie in meinem Leben. Oder zu glauben. Oder zu vertrauen. Oder zu lieben. Na ja, Spagetti und Liebe das sind sehr verschiedene Dinge, obwohl die Liebe durch den Magen geht. Wovor haben Sie keine Angst und was trauen Sie sich zu? Und warum dann das andere nicht?

Denken Sie daran, dass Gott uns tatsächlich die Freiheit geschenkt hat. Wirklich und wahrhaftig. Sie können immer etwas tun. Sie können den nächsten kleinen Schritt ins Leben tun. Wirklich und wirksam und gleich heute. Nur Mut und keine Ausreden – wenigstens nicht vor sich selbst. Dann geht es Ihnen sofort besser!

Es grüßt Sie herzlich

Thomas Gertler SJ
23. Oktober 2013

 

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