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Pater Frans van der Lugt hat gelebt nach dem Gesetz des Weizenkorns, das Frucht bringt, indem es stirbt (Joh 12,24). Es ist das Gesetz, nach dem Jesus gelebt und sein Leben ausgesät hat. Wir können diese Hingabe nicht aus eigener Kraft leben, aber in der Kraft Jesu können auch wir danach leben. Dabei geht es nicht immer so weit wie bei Pater Frans. Es geht um die alltägliche Liebe. Und die bleibt nicht stehen, sondern geht vorwärts und weiter, wie Pater Frans.

© Foto: Jurema Oliveira / CC BY-SA 3.0

Joh 15, 9 - 17

15, 9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. 11 Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. 12 Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. 13 Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. 14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. 15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. 16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. 17 Dies trage ich euch auf: Liebt einander!

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© Foto: Thomas Gertler


Aushalten – durchhalten – siegen?

Längst hätte er die Stadt verlassen sollen, wie es die meisten schon getan hatten. Ausdrücklich und mehrfach war er dazu aufgefordert worden. Er war stur. Er blieb. Er wollte bei den wenigen Christen, die noch da waren, bleiben und aushalten. Es waren einmal 60.000 in der Stadt Homs in Syrien. Nun sind es nur noch 66. Am schlimmsten ist der Hunger. Es kommen keine Lebensmittel in die belagerte Stadt. Und er wollte nicht sterben. Keiner wollte sterben. Das sagte er in einem der kleinen Filmchen, die er aus der belagerten Stadt in alle Welt schickte. Damit die Stadt nicht vergessen wird. So wurde er die Stimme von Homs.

Ich spreche von Pater Frans van der Lugt. Ein Jesuit aus den Niederlanden. Er lebte seit 1966 in Syrien als Priester und Psychotherapeut. Er gründete in den 80er Jahren ein Landwirtschaftsprojekt für geistig Behinderte „Al Ard“ (Die Erde). Er hat sich immer um den Dialog von Christen und Muslimen und anderen Glaubensgemeinschaften gemüht.

Es war klar, dass es lebensgefährlich war, dort zu bleiben. Wegen des Hungers. Wegen der Gewalt. Und so kam es, wie es viele befürchtet haben, am 7. April dieses Jahres morgens wurde er aus seiner Wohnung gezerrt, geschlagen und erschossen.

In der Letzten Botschaft, die er in die Welt geschickt hat, schrieb er: „Wir Christen in Alt-Homs fragen uns, was können wir tun? Wir können gar nichts tun. Aber Gott wird Sorge tragen für uns. Wir sind ohnmächtig, aber wir glauben, Gott ist bei uns, besonders in diesen erwähnten Umständen. … Gott wird uns niemals verlassen. Er kennt uns. Er kennt unser Leiden. Er will nie irgend etwas Böses. Er hat einen mitleidenden Blick auf die, die er liebt.

Unser Glaube hilft uns sehr, diese kritische Situation zu meistern, er schenkt uns Hoffnung und Geduld … Aber es wird härter und härter und unserer Möglichkeiten werden weniger... Hunger bedroht unser Leben. Es fehlt am einfachsten, um zu überleben, an Nahrung und grundlegenden Dingen. Doch irgendwie überleben wir und gehen vorwärts. Ja noch mehr, wir erfahren die Güte der Leute, die in Not sind. Sie finden irgendwie ein paar Linsen oder Grütze vor ihren Türen. (das ist alles, was die Leute zu essen haben nach zwei Jahren). Jetzt, wenn wir arm sind und in Not, wir entdecken neu die Güte menschlicher Wesen, wenn wir empfangen von unseren Brüdern und Schwestern.

Wir sehen, wie das Böse seinen Weg zu finden sucht auch unter uns, aber das kann uns nicht blind machen für die Güte und wir müssen kämpfen, um diese Flamme in unserem Herzen zu behalten… Wir warten auf Ergebnisse der Verhandlungen. Wir sind optimistisch, dass sie eine Lösung für uns finden, aber die Zeit hat uns gelehrt, nicht an Gerüchte zu glauben.

Wir bereiten uns auf Ostern vor. Wir bedenken den Weg vom Tod zur Auferstehung. Wir fühlen uns wie im dunklen Tal, aber von weitem können wir das Licht sehen, es führt uns wieder zum Leben… Wir hoffen, dass Syrien bald die Auferstehung erfährt … Lasst uns vorwärts gehen.“ Hier finden sie den Artikel, aus dem ich dieses Zitat übersetzt habe.

Ausgehalten, durchgehalten, ja, das hat er, aber er hat doch nicht gesiegt, sondern verloren! Ja, aushalten, durchhalten, siegen wäre als Dreischritt auch sehr missverständlich. So sieht der Sieg christlich nie aus. Ja, Pater Frans hat verloren und doch hat er gesiegt. So wie Jesus verloren und doch gesiegt hat, denn sein Tod ist nicht das Ende der Geschichte.

„Pater Nawras (erzählt) von der Trauerfeier für den Ordensbruder. Die Leiche liegt noch in Alt-Homs, deshalb mussten sie außerhalb des Belagerungsringes Abschied nehmen, am leeren Grab. Die Trauerschar: Bischöfe, Imame, Nonnen, Scheichs, Alawiten, Christen, Muslime. Am Ende umarmten sich Menschen, die seit Kriegsausbruch nicht mehr miteinander gesprochen hatten. "Die ihn töteten, wollten ein Symbol töten", sagt Nawras, "doch wir haben eine Auferstehung erlebt."“ So schreibt Evelyn Finger in: „Die Zeit“.

Ein Artikel, der mich sehr bewegt und letztlich mit Freude erfüllt hat. Auferstehung und leeres Grab und österlicher Frieden und Versöhnung mitten im mörderischen Krieg. Welch ein Zeichen!

Möge sich alles Leid und alles Unversöhnte, aller Hass und Tod so verwandeln! Das Kreuz auf dem Foto stammt übrigens vom Sinai aus dem Katharinenkloster.

 

Mit hoffnungsvollen und österlichen Grüßen
Thomas Gertler SJ

30. April 2014

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