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Die Grunderfahrung des Unterschieds zwischen dem Aufbauenden und dem Nichtsnutzigen, zwischen dem Leben Spendenden und dem wie Staub Verwehenden schildert der Psalm 1. Und ganz bewusst ist dieser Psalm als die Eingangstür zu den 150 Psalmen gesetzt. Er will uns auf die Unterscheidung der Geister aufmerksam werden lassen und hat Gültigkeit durch die Jahrtausende bewahrt.

© Foto: via unsplash.com - CC 0

Ps 1, 1-6

1,1 Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, /
nicht auf dem Weg der Sünder geht, / nicht im Kreis der Spötter sitzt
2 sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, /
über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht.
3 Er ist wie ein Baum, / der an Wasserbächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt /
und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, / wird ihm gut gelingen.
4 Nicht so die Frevler: /
Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.
5 Darum werden die Frevler im Gericht nicht bestehen /
noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.
6 Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, /
der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund.

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© Foto: Andrew Dunn, 10 October 2004.
www.andrewdunnphoto.com


Aufbauen

Es gibt in der Zeitung „Die Zeit“ eine Rubrik, die heißt „Was mein Leben reicher macht“. Sie wird von den Leserinnen und Lesern geschrieben. Sie erzählen kleine Ereignisse aus ihrem Leben, die ihr Leben reicher, bunter, glücklicher machen. Zum Beispiel erzählt ein Mann, dass ihn beim Laub Rechen im Garten ein Rotkehlchen begleitet, und nicht von seiner Seite weicht. Und es ist so schön, dass ihm ein so scheues Tier so vertraulich nahe kommt. Oder eine andere Geschichte: eine Ärztin kommt aus dem Haus einer soeben verstorbenen Patientin. Sie spürt die Vergeblichkeit. Da rennt ein kleiner Sternsinger auf sie zu und reicht ihr auf einem Zettel das Motto dieses Jahres: „Segen bringen – Segen sein“. Bei aller Traurigkeit ein Trost und eine Ermunterung, weiter zu machen.

Ja, solche Geschichten stehen da. Immer so fünf bis sechs. Und ich kann als Leser teilhaben und spüren, dass mich die Geschichten ermuntern. Dass sie mich trösten. Dass sie mir Mut geben. Dass sie mich aufrichten. Dass sie mich aufbauen. Dass sie mir gut tun. Früher hätte man gesagt, dass sie mich „erbauen“. Erbaulich nannte man darum früher solche Geschichten. Andere Geschichten ziehen mich eher runter und machen mich traurig und ohnmächtig. Sie bauen nicht auf, sondern ab. Das können viele tägliche Nachrichten sein, von der Ukraine bis zu Syrien und Nigeria. Es können aber auch Nachrichten aus meiner Umgebung sein. Auch manches Gespräch, das nur dazu dient, Frust und Wut weiterzugeben und zu verstärken. Oder Gespräche, wo nur ironisch oder zynisch oder spöttisch geredet wird und man sich darin gegenseitig noch übertreffen will. Kennen wir alle. Aber oft merken wir erst später, was dieses Gespräch in mir angerichtet hat.

Also lieber aufbauen als runterreißen. Lieber erbauen als kaputt machen. Freilich hat es auch Gründe, warum heute das „Erbauliche“ (als Wort) kaum mehr vorkommt. Es war erstens vor allem religiös. Es gab einmal Erbauungsliteratur als Gattung. Als sie massenhaft wurde mit den Massenartikeln des Buchdrucks wurde sie zunehmend kitschig und unecht und verlogen und das haftet dem Wort „erbaulich“ auch bis heute an. Der andere Grund: das Religiöse war nicht mehr Mittelpunkt der Kultur. „Im 19. Jahrhundert wurde Erbauungsliteratur zunehmend durch die Unterhaltungsliteratur verdrängt.“(Wikipedia „Erbauungsliteratur“). Welch ein Umbruch steckt hinter diesem Satz! In einem Buchhandelssegment gibt es die süße Kost auch heute und auch massenhaft. Sie baut aber meist nicht wirklich auf, sondern versetzt in eine Scheinwelt.

Schauen Sie mal auf Ihr Leben, was Sie wirklich aufbaut, also was Ihnen hilft, Ja zum Leben zu sagen. Was Ihnen hilft, sich wieder aufzurichten. Was Ihnen hilft, selbst anzupacken und den nächsten Schritt zu tun. Was Ihnen hilft, nicht immer nur die dunkle, ernste und schwere Seite der Verhältnisse zu sehen, sondern auch mal die komische und darüber zu lachen und freier zu werden. Was Ihnen hilft, phantasievoll und schöpferisch zu sein und Ihnen Kräfte verleiht. Schauen Sie danach aus!

Für mich kann das neben vielen Büchern zum Beispiel ein Film sein. So ein Film wie „Besser geht’s nicht“. Er ist sehr traurig und sehr lustig. Er geht dem Leben nicht aus dem Weg, sondern schaut ihm ins lachende und weinende Auge. Er zeigt, wie sich durch einen kleinen Hund ein Ekel von Mann in einen liebenswürdigen Menschen verwandelt. Eine Bekehrungsgeschichte, die man nicht so nennen würde. Das hat mich froh gemacht, mich aufgebaut, mir Hoffnung gegeben und Kraft. Oder zuletzt der Film „Das Labyrinth der Wörter“. Er ist nicht ganz so vital und heftig wie „Besser geht’s nicht“, aber doch auch so bewegend und ermutigend und auferbauend.

Sammeln Sie solche Filme, solche Bücher, solche Anregungen. Sie können sie brauchen immer wenn Sie das Gegenteil erlebt haben, nämlich das Runterziehende, Erniedrigende, Zerstörerische, Lebensfeindliche, aber vielleicht auch das Verlogene, Kitschige, Saccharinsüße in der Religion, wovon einem übel wird. Da hilft das herzhafte Lachen und der stärkende Abstand.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

4. Februar 2015

 

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