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Wenn wir Vertrauen wagen, wenn wir glauben, dann geschehen tatsächlich Wunder. So sagt es Jesus seinen Jüngern in der Geschichte bei Matthäus, die sich nach der Verklärung auf dem Berg abspielt. Und wenn ich meinen eigenen schwachen Glauben spüre, dann kann ich beten und rufen, wie der Vater bei dieser Geschichte im Markus-Evangelium: „Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24)

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Mt 17,14 Als sie [vom Berg] zurückkamen, begegneten sie einer großen Zahl von Menschen. Da trat ein Mann auf ihn [Jesus] zu, fiel vor ihm auf die Knie

15 und sagte: Herr, hab Erbarmen mit meinem Sohn! Er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden. Immer wieder fällt er ins Feuer oder ins Wasser.

16 Ich habe ihn schon zu deinen Jüngern gebracht, aber sie konnten ihn nicht heilen.

17 Da sagte Jesus: O du ungläubige und unbelehrbare Generation! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt ihn her zu mir!

18 Dann drohte Jesus dem Dämon. Der Dämon verließ den Jungen, und der Junge war von diesem Augenblick an geheilt.

19 Als die Jünger mit Jesus allein waren, wandten sie sich an ihn und fragten: Warum konnten denn wir den Dämon nicht austreiben?

20 Er antwortete: Weil euer Glaube so klein ist. Amen, das sage ich euch: Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.


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Alles unter Kontrolle!

Es ist sehr wichtig, alles unter Kontrolle zu haben. Nichts Unvorhergesehenes soll passieren. Und jetzt höre ich oft: An erster Stelle steht die Sicherheit. Und damit die Kontrolle. Und da ist ja auch viel Wahres dran, vor allem nach den schrecklichen Ereignissen von Fukushima. Oder wenn EHEC droht.

Ich denke aber an etwas anderes. Ich denke an Menschen, die sich selbst immer und überall unter Kontrolle haben wollen. Menschen, bei denen immer so etwas wie ein kleines rotes Kontrolllämpchen brennt. Sie schauen sich selbst immer und bei allem zu. Womöglich redet noch eine innere Stimme mit und kommentiert alles und jedes. Das geht so bei der Arbeit. Das geht so, wenn ich ganz allein für mich bin. Das geht so, wenn ich mit Freunden zusammen bin. Womöglich sogar mit meinem liebsten Menschen. Und sogar, wenn ich bete. Immer brennt das rote Kontrolllämpchen. Eine Art ewiges Licht.

Ich kenne dieses rote Lämpchen auch von mir. Jetzt brennt es nicht so oft, aber in meiner Jugend hat es fast immer gebrannt. Jugend ist ja eine Zeit großer Unsicherheit. Da weiß ich noch gar nicht, wer ich bin. Und wie ich mich verhalten soll. Es ist zugleich eine Zeit heftiger Gefühle, die einem auch Angst machen können. Da will ich natürlich die Kontrolle behalten. Und wenn jemand sensibel, empfindsam und leicht verletzlich ist, dann ist der Wunsch dazu besonders groß. Es soll mir niemand zu nahe kommen. Vor allem möchte ich mich nicht lächerlich machen. Soll ich zum Beispiel zum Klassenausflug ganz formell und todschick angezogen sein oder reicht die Jeans wie immer? Was machen die anderen? Ich nehme mal zur Sicherheit alles mit. Wohl daher dann die Riesenkoffer bei den Klassenfahrten, die mir heute in der Bahn so auffallen? Man hält alles unter Beobachtung. Und tut ganz cool. Auf keinen Fall soll jemand merken, wie unsicher ich bin. Aber gerade so verklemme ich mich und die andern kichern. Vielleicht erinnern Sie sich auch an solche Situationen?

Vertrauen und sich-etwas-trauen hängen innerlich zusammen. Mutig sein und etwas wagen kann ich nur mit Vertrauen. Mit Selbstvertrauen und Vertrauen, dass es gut geht und es schon zu schaffen ist. Und mit dem Mut, dass die anderen auch mal lachen dürfen. Das halte ich schon aus. Und ich merke, wie froh ich werde, wenn ich meinen inneren Schweinehund überwinde und mal etwas wage. Über mich hinausgehe. Dazu braucht es Ermutigung und Lob, dass ich etwas wage. Und dann die frohe Erfahrung, ja, ich schaffe es, nicht nur vom Dreimeterturm, nein, auch vom Fünfmeterturm zu springen. Und sogar einen Kopfsprung. Das ist ein Erfolgserlebnis. Wie wichtig! Und wie wichtig sind da die Eltern. Und später andere, die mir etwas zutrauen. Da wachsen das Selbstvertrauen, das Weltvertrauen, das Gottvertrauen.

Schwierig, wenn sie fehlen. Wenn es auch nach der problematischen Pubertät so bleibt, dass ich nie mal ganz aus mir herausgehe. Dass ich mich immer zurückhalte. Immer nur Beobachter bleibe. Alles nur durch die Scheibe des Sicherheitsglases wahrnehme. Freilich ist es dahinter so schön sicher. Freilich kommt da nie etwas zu dicht an mich heran. Aber ich bleibe eben auch von allem irgendwie fern. Bin nie ganz dabei. Verliere immer mehr den Mut, meine Burg zu verlassen. Gewöhne mir an, immer Abstand zu halten. Durch ironische oder spöttische Bemerkungen die Distanz zu markieren. Und niemandem ganz zu trauen. Zum Beispiel: „Das kann doch nur negativ gemeint gewesen sein, was sie/er gesagt hat!“ Oder: „Diesen Bericht vor der Gruppe, das kriege ich nie hin!“ Oder auch im Glauben: „Dieses Gefühl des Friedens und Glücks, das ich beim Gebet empfinde, das ist doch unecht und da mache ich mir sicher nur was vor! Das ist doch sicher alles nur Einbildung!“ Nein, so nicht! Verdächtigen Sie sich selbst nicht immer! Glauben Sie Ihrer eigenen Glaubenserfahrung! Misstrauen Sie lieber der dauernden Haltung des Verdachts! Es gibt keine Versicherung und keine wissenschaftliche Überprüfung, die mir das Glauben und das Vertrauen und das Wagnis abnimmt. Das ist wie mit der Liebe. Ich kann sie nicht „objektiv“ überprüfen. Ob ein Mensch mich liebt, erfahre ich nur, wenn ich dieser Liebe vertraue und sie erwidere. Aber wenn das geschieht, dann bin ich mir so gewiss und kann mich so sehr auf die Liebe verlassen, wie auf kein „wissenschaftliches“ Ergebnis. Wenn ich aber immer den Abstand wahre und mich nicht einlasse, erfahre ich nie die Echtheit und Wirklichkeit der Welt und auch Gottes.

Wenn Sie immer in Ihrem Kontrollhäuschen sitzen, dann rate ich Ihnen sehr: Beten Sie darum, dass Sie loslassen, sich selbst verlassen und vertrauen können. Dass sie aus diesem Kontrollgefängnis heraus kommen und tatsächlich die Welt und die Menschen und Gott berühren können. Sie lassen sich anfassen. Es gibt sie. Es kann zu Enttäuschungen kommen. Ja! Es kann Verletzungen geben. Auch das. Aber wenn ich rausgehe, fange ich tatsächlich zu leben an und siehe da, es gibt die Wirklichkeit wirklich. Ich bin nicht nur ein Gehirn in der Petrischale, das durch Elektroden gereizt wird. Nein, es gibt die Farben, die Töne, die Gerüche, das Gewicht und die Leichtigkeit tatsächlich. Und es duftet und schmeckt und macht glücklich.

Das wünsche ich Ihnen von Herzen!

Thomas Gertler

01. Juni 2011

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